Coronavirus

Dokumente der Corona-Pandemie: Diese Bilder aus dem Basler Unispital gehen unter die Haut

Nicht nur in Bergamo oder New York – auch in Basel: Intensivpflegefachmann und Fotograf Fabian Fiechter hat am Universitätsspital die Corona-Pandemie fotografisch dokumentiert.

Es ist alles eine Frage von Nähe und Distanz, von Respekt und Sensibilität. Auf der Intensivstation, aber auch beim Fotografieren. Für Fabian Fiechter (39) haben seine beiden Berufungen viel miteinander zu tun. Seit vierzehn Jahren arbeitet der gebürtige Lörracher als Intensivpflegefachmann auf der Intensivstation am Basler Universitätsspital. Die Fotografie, sie war zunächst ein Hobby, gewann aber immer mehr an Bedeutung – und wurde schliesslich, nach entsprechenden Studien, Teil seines professionellen Lebens.

Fiechter arbeitete bis vor Kurzem zu 50 Prozent im Spital und erledigte daneben immer wieder Fotoaufträge. Dann kam Corona. Die Aufträge wurden weniger. Fiechter konnte sein Arbeitspensum am Unispital auf Vollzeit aufstocken. Als er sah, was dort im Zusammenhang mit Covid-19 vor sich ging, dachte er sich: «Dieses Ereignis historischen Ausmasses muss fotografisch dokumentiert werden».

Eindrücklich, berührend und nicht voyeuristisch

Seine Vorgesetzten sahen das genauso und gaben ihm die Erlaubnis, den Pandemie-Alltag auf der Intensivstation, aber auch in anderen Spitalbereichen und im Testzentrum in der Predigerkirche mit seiner Kamera festzuhalten. Dies tat Fabian Fiechter nach Ende seiner Arbeitsschichten, da er die beiden Berufe – oder Berufungen – strikt trennt. «Ich konnte mich zu jeder Zeit frei und allein bewegen», betont er.

Entstanden sind sehr eindrückliche, sehr berührende, nie voyeuristische oder distanzlose Bilder. Es sei ihm nie primär um die Ästhetik gegangen, sagt Fiechter. Sondern eben um den dokumentarischen Gehalt dessen, was er vor seiner Linse sah. Seiner Meinung nach hat die Pandemie zwar eine schier unglaubliche Menge an Zahlen und Theorien generiert, aber kaum je Bilder aus den Spitälern, auch nicht aus Basel. «Die Menschen, gerade hierzulande, können deshalb verständlicherweise oft nicht fassen, was genau passiert ist», sagt Fiechter. Das sollen seine Fotografien aus dem Unispital ein Stück weit ändern. Er will zeigen, dass das Virus nicht nur in Bergamo oder New York zugeschlagen hat; er will zeigen, wie hochkomplex die medizinische Versorgung von Covid-Patienten ist, wie komplex der «Organismus Spital» funktioniert in dieser Situation. Und vor allem, wie gross die Zuwendung von Ärzten und Pflegepersonal den Patienten gegenüber sein kann. «Wir müssen demütig sein», sagt Fiechter. In Basel habe man das Virus bislang dank kluger Massnahmen gerade noch in den Griff bekommen. Es hätte aber nicht viel gefehlt und Corona hätte auch bei uns das Gesundheitssystem an seine Grenzen gebracht.
Seine Bilder, die wir auf der folgenden Doppelseite abbilden, strahlen trotzdem Ruhe aus. Sie bezeugen eine menschliche Nähe, die trotz aller Schutzvorkehrungen aufkommen kann. Aber sie zeigen auch, wie falsch ein leichtfertiger Umgang mit dem Virus sein könnte.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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