I-net Innovation Networks Switzerland und Basel Area sowie die China Business Platform werden fusionieren. Dies haben die Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone Baselland, Basel-Stadt und Jura beschlossen. Die Fusion bedarf noch der Zustimmung der Vereinsversammlungen von i-net und Basel Area sowie der jeweils zuständigen Gremien in den drei Kantonen und soll spätestens auf Anfang 2016 vollzogen werden. Basel Area umfasst acht Stellen (auf Vollzeit umgerechnet), i-net 7,2 und die China Business Platform 1,6 Stellen.

Die bz befragte den designierten Präsidenten der Organisation, Domenico Scala. Er ist seit Mai 2012 Vorsitzender der neu geschaffenen Audit- und Compliance-Kommission des Weltfussballverbands Fifa. Scala hatte vergangene Woche mit seinem Auftritt anlässlich des Rücktritts von Fifa-Chef Sepp Blatter internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Herr Scala, was wird mit der Fusion bezweckt?

Domenico Scala: Wir wollen die Nordwestschweiz als führende Wirtschaftsregion noch stärker national und vor allem auch international positionieren. Da ist die Bündelung der Kräfte und die thematische Fokussierung auf Innovation der logische Schritt. Durch die Vereinheitlichung des Auftritts und das Nutzen von Synergien erhält unser Wirtschaftsraum ein klares Profil. Dadurch kann sich die Nordwestschweiz im immer härter werdenden Standortwettbewerb noch besser behaupten.

Wo werden dadurch Dienstleistungen verbessert?

Die Fusion bedarf noch der formalen Zustimmung. Deshalb werden wir erst zur gegebenen Zeit über das zukünftige Dienstleistungsportfolio informieren können. Die drei Organisationen verfügen aber ganz klar über sich ergänzende Kompetenzen und Aktivitäten. Die neu geschaffene Organisation wird die Kunden durchgängig aus einer Hand bedienen können, und zwar massgeschneidert auf deren Bedürfnisse. Die sich ergänzenden Angebote werden gezielt ausgebaut werden und durch den Zusammenschluss künftig unter einem Dach erbracht, was deren Effektivität aus Sicht des Kunden erheblich steigert. Evaluiert beispielsweise eine US-Jungfirma aus der Informatik- und Kommunikationstechnologie-Branche (ICT) den Standort für ihren Europa-Hauptsitz, dann kann sie einerseits in Rechts- und Steuerfragen beraten werden, wie dies Basel Area bisher getan hat, aber gleichzeitig auch über das i-net-Netzwerk mit den hiesigen für diese Firma relevanten ICT-Exponenten zusammengebracht werden.

Ist die Region Basel im Bereich der KMU und Start-ups weniger innovativ als zum Beispiel Zürich oder die Genferseeregion?

Das kommt drauf an, welches Kriterium man heranzieht und über welchen Zeitraum man die Betrachtung anstellt. Gemessen an den gegründeten Start-ups kann dieser Eindruck schnell einmal entstehen. Betrachtet man hingegen die investierten Mittel, die erfolgreichen Exits (Firmenverkäufe der Gründer an andere Firmen, die Red.) und die geschaffenen Arbeitsplätze, sieht es anders aus. So befinden sich in der Region Basel sehr viele, sehr erfolgreiche Biotech-Start-ups. Oder denken Sie etwa an Erfolgsgeschichten wie Actelion oder Day Software. Letztere wurde für mehrere hundert Millionen Dollar an Adobe verkauft, was meines Wissens einer der am höchsten bewerteten ICT-Exits darstellt, den die Schweiz je kannte. Und das Schöne ist: Adobe entwickelt immer noch hier in Basel.

Gäbe es nicht noch andere Synergien, beispielsweise mit dem Technologiepark Stücki oder den Businessparcs Reinach und Laufen?

Man muss unterscheiden zwischen dem, was wir Hardware nennen, also Infrastruktureinrichtungen wie Labor und Büros. Die Software hingegen besteht aus Dienstleistungen wie die Pflege von Netzwerken, das Erbringen von Know-how- und Wissenstransfer, aber auch Beratungsleistungen. I-net und Basel Area konzentrieren sich auf Letzteres. Es ist auch vernünftig, diese Kompetenzen überregional aufzubauen. Nur so erreicht man die kritische Grösse, die es dazu braucht. Infrastruktur dagegen ist in der Regel eine kantonale Aufgabe, schliesslich geht es um Unternehmensstandorte.

Hat da jemand den Überblick?

Ja, als i-net kennen wir das Innovationsökosystem der Region sehr gut und haben selbstverständlich den Überblick. Man muss aber auch zwischen staatlichen und privaten Initiativen unterscheiden. Bei Ersteren ist es sicher sinnvoll, wenn sich diese koordinieren und das Angebot möglichst aus einer Hand kommt. Die privaten Organisationen haben etwas andere Funktionen und sind anders organisiert. Sie ergänzen die staatlichen Initiativen und sind hoch willkommen. In ihrem Tun sollten sie vom Staat nicht behindert werden.

Viele Start-ups beklagen sich darüber, dass sie gar nicht wissen, wohin sie sich wenden müssen …

Dieses Problem haben wir erkannt. Aus Kundensicht herrscht nicht überall Transparenz. Gerade dies können wir aber jetzt mit der Fusion von Basel Area und i-net verbessern, indem wir klarer kommunizieren und Synergien nutzen können.

Finden Sie, dass sich die Region unterverkauft?

Das ist ganz klar der Fall. Basel wird nicht unbedingt als weltweit führender Hotspot für Life Science-Innovation wahrgenommen. Das sind wir aber. Nur: Es genügt nicht, wenn wir das wissen. Auch die Welt muss davon erfahren. Wir müssen also viel offensiver kommunizieren.

Muss die Region lauter werden?

Ich glaube nicht, dass wir es nötig haben, lauter zu werden. Das können wir getrost anderen Regionen überlassen. Das ist nicht unser Stil. Es genügt, wenn wir das kommunizieren, was wir hier haben. Aber das sollten wir fokussierter, artikulierter, tun. Sonst drohen wir im Marktgeschrei unterzugehen.

Hie und da wird kritisiert, dass die Schweiz nicht einheitlich auftritt. Wie sehen Sie die Branding-Frage?

Der Schweizer Innovationspark (SIP) mit seinem Nordwestschweizer Ableger in Allschwil ist ein erster solcher Schritt, die Schweiz in Europa als führende Innovationslandschaft zu positionieren. Ich finde das sehr positiv. Und die Nordwestschweiz ist an vorderster Front dabei. I-net und Basel Area werden aufs Engste mit dem SIP zusammenarbeiten. Damit sind wir sehr gut aufgestellt. Inwiefern die Zusammenarbeit mit anderen Regionen Sinn macht, wird sich weisen. Unsere föderale Struktur und ein gewisser Standortwettbewerb hat der Schweiz bislang nicht geschadet – im Gegenteil. Zudem hat jeder Wirtschaftsraum andere Herausforderungen, die sich nicht einfach über einen Kamm scheren lassen. Es darf nicht sein, dass man regionale Stärken national schwächt.

Was muss sich da ändern?

Grundsätzlich ist die Region mit i-net, Basel Area und dem SIP sowie allen anderen Organisationen sehr gut aufgestellt. So finde ich es richtig, dass man auf die thematische Innovationsförderung setzt. Auch die Wahl der Technologiefelder ist im Grundsatz richtig, wobei man natürlich immer die Flexibilität haben muss, punktuell Anpassungen zu übernehmen.

Warum braucht es diese Innovationsförderung?

Im Zentrum der Innovationsförderung steht die Vernetzung von Leuten und Themen. Dies ist eine wichtige Leistung, die so von der Privatwirtschaft nicht erbracht werden kann. Viele Innovationen finden heute an der Schnittstelle zwischen den einzelnen Technologiefeldern statt. Indem i-net hier eine neutrale Plattform für den Ideenaustausch bietet und zu Kooperationen anregt, kann ein wichtiger Beitrag für die Entwicklung der Wirtschaftsregion erbracht werden.

Sollte sich die Region diversifizieren, als Ergänzung zu den Life-Sciences?

Wir können uns als Region glücklich schätzen, dass sich diese Frage so nicht stellt. Wir sind in einem Bereich mit höchster Wertschöpfung tätig und dort weltweit führend. Warum sollte man in ein Gebiet mit weniger Wertschöpfung diversifizieren? Natürlich stellt dies ein Klumpenrisiko dar. Umso wichtiger ist es, dieses Klumpenrisiko richtig zu managen. Wir sollten deshalb Life Science nicht zu eng sehen. Da wir hier über voll ausgebildete Industrien und Konzerne verfügen, kommen automatisch viele andere Kompetenzen mit. Ich denke da an Produktion, ICT, Finanzen und Marketing. Diese Kompetenzen legen auch die Basis vieler neuer Unternehmen in anderen Sektoren. Endress + Hauser ist beispielsweise ein solcher Fall. Sie begann 1953 Apparate für die chemische Industrie herzustellen und zählt heute weltweit 12 500 Mitarbeitende. Meine Devise lautet also: Fokus auf unsere Stärke. Dies aber nicht stur. Wir müssen den Blick offen halten für Gelegenheiten, die sich links und rechts bieten. Aber auf Teufel komm raus neue Felder zu erschliessen, erachte ich für eine Region von der Grösse der Nordwestschweiz als sinnlos.