Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, mit 30 Jahren noch in einer siebenköpfigen Wohngemeinschaft zu leben und die sichere, gut bezahlte Stelle als Wirtschaftsinformatiker gegen die Selbstständigkeit einzutauschen. Dominic Oehen ist Gründer des Kulturmagazins Fingerzeig, dem Medienpartner des Imagine Festivals und des Open Airs Basel. Zudem arbeitet er als Booker und Bandmanager beim Baselbieter Musik-Label Radicalis. Er nimmt seinen Lebenswandel gelassen. Es wird schon irgendwie klappen, sagt er sich.

Ein ungeplanter Start

Die Geschichte des gelernten kaufmännischen Angestellten in der Basler Kulturszene beginnt am 1. November 2010. Die von ihm und Freunden gegründete Internet-Plattform Fingerzeig.ch geht online. Geboren war die Idee aus einer selbst empfundenen Notlage. «Ich habe lange in Bern gewohnt. Dort gibt es eine ähnliche Plattform, die umfassend über alle Kulturveranstaltungen berichtet.» Dasselbe wollte Oehen in Basel verwirklichen, weil er sich von bestehenden Plattformen zu wenig über die alternative Kunst- und Kulturszene informiert fühlte.

«In meinem damaligen Job hat mir die Kreativität gefehlt, und deswegen wollte ich etwas in meiner Freizeit machen, das meinen Interessen entspricht.» Dass er bereits ein Jahr später mit seiner Online-Plattform die Medienpartnerschaft mit dem Imagine Festival eingehen würde, war nicht Teil seines Plans. «Die Leitung des Festivals ist auf uns zugekommen.» Die Projekte passen gut zusammen. «Für mich ist es schön, dass Fingerzeig genügend Relevanz hat, um das Programm zu veröffentlichen», sagt Oehen. Es sei nicht die Kernkompetenz des Imagine Festivals, das Programm zu schreiben. «Deswegen ist es gut, dass wir den redaktionellen Teil übernehmen konnten.»

Eigene Finanzierung

Viel Freizeit hat der Redaktionsleiter nicht. «Klar habe ich viel riskiert und vielleicht auch zu viel dafür vernachlässigt», sagt Oehen. Aber das sei es wert gewesen. Auch wenn es besonders finanziell öfters mal schwierig wurde. Er habe Stiftungen angefragt und versucht, ein Werbekonzept aufzustellen. «Allerdings habe ich bisher kein Geschäftsmodell gefunden, dass nach fünf Jahren eigenständig Geld umsetzt.» Es sei nicht sein Ziel, fünf Jahre lang etwas aufgrund von fremdem Kapital aufzubauen, um festzustellen, dass ohne Subventionen keine schwarzen Zahlen geschrieben werden können. «Es ist mir lieber, mit wenig eigenem Kapital zu wirtschaften und damit – wenn auch langsam –, zu wachsen. Zudem will ich Werbung nicht um jeden Preis verkaufen.» Wenn, dann soll die Werbung den Interessen der Leser entsprechen. Mittlerweile bezahlen Werbeeinahmen und Kooperationen mit dem Rockförderverein die Kosten für die Seite. «Infrastruktur haben wir sonst nicht», meint Oehen grinsend. Jeder, der an Fingerzeig beteiligt ist, tut dies aus Eigenregie von zu Hause aus.

«Die grosse Frage ist, wie man mit einem reinen Online-Medium Geld verdienen kann», sagt Oehen. Möglich, dass er einen Weg findet. Schliesslich hat er sich das nötige Wissen, die Plattform aufzubauen und am Laufen zu halten, auch selbst erarbeitet. «In der Schweiz gibt es mittlerweile für alles eine Ausbildungsmöglichkeit. Der Mut, sich einfach etwas selbst beizubringen und aufzubauen kann sich aber genauso auszahlen.»

Politische Unterstützung fehlt

Als Kulturschaffender sieht sich Oehen nicht. «Ich bin im weitesten Sinn in der Kreativwirtschaft tätig.» In Basel gäbe es diesbezüglich viele gute Ansätze, diese zu fördern. So zum Beispiel das Stellwerk im St. Johann. Auch Zwischennutzungen unterstütze er – indem er darüber berichtet. Sich selbst dahingehend zu engagieren, reize ihn hingegen gerade nicht. «Besonders am Klybeckquai sieht man, wie monatelange Planung am Schluss an Einsprachen und an der fehlenden politischen Unterstützung scheitern kann.» Dies seien wichtige Faktoren, sofern man eine Zwischennutzung legal umsetzen will. Aber: «Überzeugt mich etwas von Grund an und die Unterstützung von Behörden ist spürbar, dann würde ich mir bestimmt überlegen, mich für ein Projekt zu engagieren.» An der Erfahrung im Umsetzen von Projekten fehlt es dem Basler sicherlich nicht.