Abschied
Dominik Wunderlin machte Ethnologie fassbar

Der langjährige Kurator des Museums der Kulturen, Dominik Wunderlin, geht in Pension. 30 Jahre war er am Münsterplatz tätig und war in dieser Zeit für 50 Ausstellungen zuständig.

Joerg Jermann
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Dominik Wunderlin, hier in der Fasnachtsausstellung des Museums der Kulturen, sagt «Aadie».

Dominik Wunderlin, hier in der Fasnachtsausstellung des Museums der Kulturen, sagt «Aadie».

Nicole Nars-Zimmer

An der Abschiedsfeier spielte im Rollerhof die älteste Basler Guggemuusig auf, sie schien symbolisch Dominik Wunderlins Wirken zu verdeutlichen. Wunderlin arbeitete mehr als 30 Jahre im Museum der Kulturen am Münsterplatz und schuf in dieser Zeit über 50 Ausstellungen. Innerhalb des Museums war er Leiter der Abteilung Europa und seit 2009 auch stellvertretender Direktor.

Wunderlin blieb etwa in Erinnerung wegen seiner Rede an der sogenannten Tagsatzung 2011, einer grossen Aussprache über ein Kulturkonzept in der Region. Damals plädierte er gegen die begriffliche Unterscheidung von städtischer und ländlicher Kultur, von Zentrums- und Provinzkultur. Er plädierte auch für den gleichen Wert von Profi- und Laienkultur. Er wollte schon damals ein partnerschaftliches Kulturleitbild der beiden Basler Halbkantone.

Grosse thematische Breite

Dominik Wunderlin machte Ethnologie für die Museumsbesucher fassbar mit Themen querbeet vom Nachttopf bis Essen und Hut-Vergleichen verschiedenster Kulturen. Er war ein leidenschaftlicher Sammler und erweiterte die Sammlung seines Hauses von 60 000 auf über 100 000 Gegenstände. Anna Schmid, die Direktorin des Museums, würdigte den Geehrten als Garant für seriöse Arbeit, als integren Macher und als Mann vielfältiger Ideen.

Seine langjährige Arbeit ermöglichte eine profunde Kenntnis der Sammlung im eigenen Haus. Seine Sammlungsstrategie, sein Forschen und seine religiösen Themen stellte Anna Schmid in den Vordergrund. Beispielsweise wurde in der Thematik des Pilgerns die ganze Breite und Palette des Themas erstmals ersichtlich.

Bierdeckelsammler

Die Ethnologie hat grosse Umwälzungen hinter sich. Von einstigen Ausstellungen über fremde Völker und koloniale Kulturen strebt sie heute Vergleichendes an, Gegenwartsbeiträge, soziale Spiegelungen. Wunderlin hat diese Entwicklung mitgetragen. Aus sogenannter Völkerkunde wurde eine moderne, anregende Wissenschaft.

Bernhard Tschofen, Professor für Populäre Kulturen an der Universität Zürich, zeichnete diese Entwicklung nach und nannte auch Wunderlins Beschäftigung mit der Basler Fasnacht als Beispiel für die heutige Tendenz zu kulturellen Teilbereichen in Ausstellungen. Diese gewinnen gegenüber den Sammlungen an Bedeutung. Sie gehen nicht wertend, sondern vergleichend vor.

Wunderlin, wen wundert es, sammelt privat Bierdeckel. Tschofen zeigte, gekonnt eingesetzt, Beispiele solcher Deckel und deutete an, was historisch und ethnologisch aus ihnen heraus gelesen werden kann. Alltagskultur birgt grosse soziale Spiegelungsmöglichkeiten.
Dominik Wunderlin dankte schliesslich, er wolle nicht mehr viel reden. Das Adieu heisse Baseldeutsch «Aadie» und sei auch als Begrüssungsformel verwendet worden. Schliesslich spielte ihm zu Ehren die älteste Basler Guggemuusig auf, die «Jeisi Migger 1926». Sie symbolisierte Wunderlins Wirken: Lokaler Bezug, lustvolle Vermittlung, Verankerung in der Gegenwart.

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