Rücktritt

Doppelbelastung war zu viel: Präsident Battegay verlässt Israelitische Gemeinde Basel

Manuel Battegay tritt nach einem Jahr als Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel zurück. Mitten in der prekären finanziellen Situation muss die Gemeinde nun eine Nachfolge finden.

Er übernahm Ende Oktober 2018 mit grossen Plänen und guten Vorsätzen das Amt des Präsidenten der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB). Nun, ein Jahr später, gibt Manuel Battegay seinen Rücktritt, wie das jüdische Wochenmagazin «Tacheles» schreibt.

Battegay begründet seinen Rücktritt auf den 4. Dezember 2019 mit der Doppelbelastung von Beruf und ehrenamtlichem Engagement. Er ist Chefarzt für Infektiologie und Spitalhygiene am Basler Universitätsspital. «Der Entscheid ist mir nicht leicht gefallen», sagt Battegay zur bz. Er habe aber erkennen müssen, dass er die Ansprüche, die er an sich als Klinikleiter beim Betreuen von schwerkranken Patienten stelle, nicht erfüllen könne. Gleichzeitig habe er auch die «hohen Ansprüche» der IGB und von sich selbst nicht befriedigen können. Battegay: «Ich kann zwei so wichtige Verantwortlichkeiten nicht so ausführen, wie ich es mir wünsche.»

Finanzielle Lage der Gemeinde sei weiterhin schwierig

Er habe das Amt damals in einer Krisensituation übernommen. Dies sei ihm bewusst gewesen. Doch: Die Intensität sei deutlich höher, wenn man ein Amt inne habe, als wenn man es sich vorher abstrakt überlege. «Wäre ich weiterhin Präsident, müsste ich meinen Beruf in einer für mich nicht seriösen Art und Weise ausüben», sagt Battegay. Das wolle er nicht verantworten.

Bis zur Budgetversammlung der IGB am 4. Dezember behält Battegay die Verantwortung. Der Vorstand arbeitete massgeblich am Budget für das kommende Jahr. Unter anderem damit habe die prekäre finanzielle Situation der IGB verbessert werden können. «Dank der Überprüfung der Finanzen durch eine externe Firma konnten wir uns Klarheit über die Situation verschaffen. Dies ist die Basis für strukturelle Überlegungen», so Battegay. Ausserdem habe die Gemeinde unerwartete Zuwendungen erhalten. Dennoch: Laut dem noch amtierenden Präsidenten ist die Lage weiterhin schwierig.

«Für mich kommt das Amt schlicht nicht in Frage»

Vizepräsidentin Anne Lévy zeigt sich überrascht über den Rücktritt von Battegay. «Dem Vorstand war bis zu seiner schriftlichen Mitteilung nicht bekannt, dass er das Amt abgeben will. Er hat diesen Entscheid alleine gefällt», sagt Lévy. Sie findet es schade, dass die Gemeinde nun erneut einen Umbruch erlebt – «gerade in dieser Situation». Dennoch betont die Vizepräsidentin, der Vorstand habe sich einen Überblick über die Finanzen der vergangenen zwei Jahre verschafft und könne die gewonnenen Erkenntnisse nun umsetzen. 

Nun beginnt für die Israelitische Gemeinde die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Lévy sagt: «Es wäre natürlich schön, wenn wir der Gemeinde am 4. Dezember einen Vorschlag präsentieren könnten.» Noch hätten sie aber keine Kandidaten parat. Die Vizepräsidentin selbst will das Amt nicht wechseln. «Für mich kommt es aufgrund der beruflichen Belastung schlicht nicht in Frage.» Lévy ist CEO der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel.

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