Die zahlreichen Arten von Buntbarschen in den Seen Ostafrikas gelten als Musterbeispiele für schnelle ökologische Anpassung und die rasche Bildung neuer Arten. Viele dieser Anpassungen betreffen eine bestimmte Ernährungsweise, etwa das Abraspeln von Algen, das Aufknacken von Schneckenhäusern oder eben das Fressen von Schuppen.

Schuppenfresser kommen vor allem im Tanganjikasee häufig vor. Sie besitzen rechenartige Reisszähne und ein sich seitlich öffnendes Maul, mit denen sie ihren ahnungslosen Opfern Schuppen herausreissen können. Einige Vertreter haben zudem Farbmuster entwickelt, die denen anderer Buntbarsche täuschend ähnlich sehen.

Derart getarnt ist der blau-weiss gestreifte Tanganjika-Schuppenfresser (Plecodus straeleni), dessen Färbung zwei anderen, nicht Schuppen fressenden Buntbarscharten gleicht. Bisher nahmen Zoologen an, dass diese Tarnung dazu diente, um sich wie ein Wolf im Schafspelz unerkannt in die Schwärme der Modelle einzuschleichen.

Breites Opferspektrum

Das Team um Werner Salzburger von der Universität Basel hat nun aber herausgefunden, dass der Schuppenfresser weit mehr Arten anknabbert als nur seine Modelle, wie es im britischen Fachjournal «Biology Letters» berichtete. Dies konnten die Forscher anhand genetischer Analysen des Mageninhalts der Schuppenräuber feststellen.

«Es zeigte sich, dass Schuppenfresser ein sehr breites Nahrungsspektrum aufweisen und praktisch nie ihre gleich aussehenden Modelle angreifen», erklärte Erstautor Nicolas Boileau in einer Mitteilung der Hochschule. Demnach entsprechen die Schuppenfresser eher einem «Wolf, der sich als Schaf verkleidet, um sich dann an Ziegen und Kühe heranzumachen», fasst Salzburger zusammen.