Generalversammlung

Doppeljubiläum der Bâloise - 50 Jahre Holding, 150 Jahre Firma

Präsident Andreas Burckhardt: «Bâloise ist eng mit der Region, ihrem Geist und ihren Werten verbunden.» Martin Töngi

Präsident Andreas Burckhardt: «Bâloise ist eng mit der Region, ihrem Geist und ihren Werten verbunden.» Martin Töngi

Auf den Tag genau vor 150 Jahren wurde am 2. Mai die Bâloise gegründet. Und es ist nicht das einzige Jubiläum, welches die Versicherung am der heutigen Generalversammlung (GV) im Kongresszentrum der Messe zu feiern hatte.

Seit 50 Jahren gibt es die Firma als Holding. Gleichzeitig wurde ein Rekord gefeiert. Mit 1116 Aktionärinnen und Aktionären war die Beteiligung an einer GV noch nie so hoch. Der Saal des Kongresszentrums war brechend voll.

In ihrer 150-jährigen Geschichte habe sich die Bâloise zu einem führenden Allbranchenversicherer entwickelt, sagte VR-Präsident Andreas Burckhardt, sei aber überschaubar geblieben. Die Strategie der Bâloise: Fokus auf ertragreiche Geschäfte, Verzicht auf risikoreiche Abenteuer in fernen Kontinenten.

Gerade rechtzeitig zum Jubiläum ist die Firma wieder aus dem Tief von 2011 herausgekommen. CEO Martin Strobel liess das Jahr 2012 Revue passieren. Der Konzerngewinn belief sich auf 442 Millionen Franken, nach 61 Millionen im Vorjahr. Herausforderungen warten auf Bâloise vor allem in Deutschland, wo Strobel mit dem Betriebsergebnis «noch nicht zufrieden» ist. Entsprechende Massnahmen seien eingeleitet.

Hohe Rendite

Für die Aktionäre war Bâloise ein gutes Papier. Auch in schlechteren Jahren wurde eine Dividende von
Fr. 4.50 ausbezahlt. Die Firma hat eine der besten Dividendenrenditen (Dividende dividiert durch den Aktienkurs) der Schweiz. Zwischendurch lag sie über sieben Prozent, danach sank sie, weil der Aktienkurs stieg, auf aktuell 4,8 Prozent.

Burckhardt fand warnende Worte wegen den laufend neuen Gesetzen und Regulierungen. «Wir leben in einer Zeit, in der es Mode geworden ist, Fehler von einzelnen oder generelle Fehlentwicklungen durch zusätzliche Regeln verhindern zu wollen», meinte er in Anspielung auf Minder-Initiative und andere politische Vorstösse. Sicherlich sollen Politiker die Regeln vorgeben, aber die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft müsse gewahrt werden. Die Verordnungen und Gesetze dürften nicht «als zufällige oder willkürliche Verfügungen von Behörden auf die Unternehmen niederprasseln.»

Alles abgesegnet

Die statutarischen Geschäfte wurden alle mit grossem Mehr genehmigt. Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP). Sie ersetzt den zurückgetretenen Hansjörg Frei.

Schatten eines Schicksals

Einzig der verstörende Auftritt eines Ehepaares aus Bern warf einen Schatten auf die Jubel-GV und zeigte, dass das Versicherungsgeschäft viel mit menschlichem Schicksal zu tun hat. Mit zitternder Stimme erzählte der Mann vom schrecklichen Unfall seiner Familie, die seine beiden Söhne arbeitsunfähig gemacht habe. Und Bâloise habe, als Versicherer des Unfallverursachers, nicht bezahlt. Jetzt könnten doch die Aktionäre auf ein bisschen ihrer Dividende verzichten, fand er. Burckhardt entgegnete: «Ihr Schicksal lässt uns nicht kalt.» Aber die Bâloise habe ihre Verpflichtungen erfüllt. Zur Dividende müsse er aber eine klare Zahl haben, sagte Burckhardt, wegen der Abstimmung. «Zwei Prozent?» «Ja, zwei Prozent.»

Im Saal stellte sich nach anfänglichem Raunen betroffene Stille ein, der Mann verlor offenbar die Fassung. Nach kurzer Zeit ergriff seine Frau das Wort. Nein, sie wollten diese Abstimmung nicht ... er sei überfordert, es sei alles zu viel. Bei den Wahlen in den Verwaltungsrat griff sie dann nochmals an und beschimpfte einen VR als Lügner.

Auf Nachfrage der bz bei der Medienstelle hiess es, der Unfall habe 1988 stattgefunden. Im Haftpflichtfall habe der Anwalt des Paares mit Bâloise 1991 einen Vergleich abgeschlossen, die Bâloise habe bezahlt. Zehn Jahre später focht das Berner Paar den Vergleich an und stellte Nachforderungen. Von Aktionärsseite war zu hören, die beiden seien schon in früheren Jahren an Generalversammlungen aufgetreten.

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