Ladensterben
Doppelter Mietzins als Bürde: Nun schliesst auch Benetton

Das Ladensterben nimmt in Basel munter seinen Lauf. Erst Botty, jetzt Benetton: Innert fünf Wochen verkünden zwei traditionelle Geschäfte der Innenstadt das Aus.

Fabio Vonarburg
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Das Modegeschäft Benetton startet den Räumungsverkauf. Bis Ende Juni ist der Laden leer und die Basler Benetton-Filiale Geschichte.

Das Modegeschäft Benetton startet den Räumungsverkauf. Bis Ende Juni ist der Laden leer und die Basler Benetton-Filiale Geschichte.

Nicole Nars-Zimmer

Die Läden Botty und Benetton müssen im Sommer schliessen. Während das Ende des Schuhladens Botty bereits vor ein paar Wochen bekannt wurde, berichtete die Basler Zeitung am Donnerstag von der Schliessung der Benetton-Filiale.

Gegenüber der bz nahm der italienische Modekonzern gestern Stellung. Die Schliessung der Filiale an der Freien Strasse stehe im Zusammenhang mit der Neuausrichtung. «Der Prozess wird das Unternehmen weltweit betreffen und soll zur Maximierung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen», teilt das Unternehmen schriftlich mit. Die Erklärung des Schuhladens Botty klingt weniger schwammig: Einkaufstourismus und hoher Mietzins.

Michel Molinari, Präsident Schweizerischer Verband der Immobilienwirtschaft beider Basel (SVIT), bestätigt die steigenden Mietzinsen. Zumindest in den Top-Lagen. Verlässliche Zahlen über die Mietzins-Zunahme gibt es keine. Doch: «In den letzten zehn Jahren hat sich der Mietzins an der Freien Strasse und der Schifflände ungefähr verdoppelt.» Gemäss Molinari findet eine «Verdrängung» statt. Internationale Unternehmen drängen immer stärker an die stark frequentierten Strassen in Basel. Die alteingesessenen Läden würden sich aus den Top-Lagen in andere Quartiere verschieben. «Leider hat das im Fall von Botty nicht geklappt.» Der Schuhladen war jahrelang an der Freien Strasse angesiedelt, bevor er in die Gerbergasse wechselte. Das Ende liess sich trotzdem nicht abwenden. «Es ist immer bitter, wenn ein solch alteingesessener Laden schliessen muss», sagt Molinari.

Unwort Ladensterben

Trotz der hohen Mietzinsen in den Top-Lagen. «Die freien Ladenflächen an der Freien Strasse sind jeweils relativ schnell wieder vergeben», sagt Mathias Böhm, Geschäftsführer Pro Innerstadt Basel. Das Wort Ladensterben nimmt er nicht in den Mund. Er spricht von schwierigen Rahmenbedingungen. Die derzeitigen Ladenschliessungen hätten ganz verschiedene Gründe. «Für mich ist es erst dann ein Ladensterben, wenn 10 bis 20 Geschäfte aus dem gleichen Grund schliessen müssen», sagt der Geschäftsführer Pro Innerstadt. «Das wird hoffentlich nie eintreffen.»

Während Benetton vor dem Aus steht, beginnt das Modehaus Kohler den Neuanfang. Erst vorgestern feierte es die Wiedereröffnung. Ihr Standort bleibt weiterhin die Freie Strasse 84. Wie seit 65 Jahren. Neu ist ihre Ladenfläche nur noch im zweiten Obergeschoss. Das Parterre hat das Unternehmen an Michael Kors vermietet. Neu ist auch ihr Zielpublikum. Das Modehaus Kohler führt nur noch Männerbekleidung. «Wenn sich Männer für einen Anbieter entschieden haben, sind sie meist treuer als Frauen», begründet Martin Lotz, der Geschäftsführer. Die Verkleinerung der Verkaufsfläche liege nicht an finanziellen Gründen, betont er. Sondern er möchte kürzertreten.

Konkurrenzfähig mit Ausland

Der Geschäftsführer glaubt weiterhin an den Standort Basel. «Das Modehaus Kohler ist absolut konkurrenzfähig mit dem Ausland», sagt Lotz. «Viele Leute wissen dies nicht, weil sie in der Zeitung lesen, das Ausland sei günstiger.» Er glaubt, dass sich die Situation wieder einpendeln wird. Nach dem Euro-Sturz brauche es einen Moment, bis sich die Kunden und die Geschäfte an die neue Situation gewöhnt hätten.

Auch an ein Basel ohne Benetton und Botty werden sich die Kunden gewöhnen. Doch bis Ende Juni respektive Juli bleiben die Geschäfte noch erhalten und laden zu Schnäppchenkäufen ein. Ganz gemäss den roten Plakaten am Benetton-Schaufenster: «Alles muss raus.» Am Ende auch Botty und Benetton.