Telemedizin
Dr. med. Knopfdruck – In Basel können Ärzte ihre Patienten neu per Videotelefonie untersuchen

Statt nur ein rezeptfreies Medikament abzugeben oder dem Patienten eine Arztkonsultation zu empfehlen, können Basler Apotheker neu eine dritte Option anbieten: die Konsultation vor Ort via Video.

Samuel Hufschmid
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Eine medizinische Praxisassistentin untersucht die Patientin – das digitale Bild des inneren Ohrs wird direkt an den zugeschalteten Arzt übertragen. Kenneth Nars

Eine medizinische Praxisassistentin untersucht die Patientin – das digitale Bild des inneren Ohrs wird direkt an den zugeschalteten Arzt übertragen. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Der Arzt der Zukunft sitzt Hunderte Kilometer von seinen Patienten entfernt in einem Büro und kann ihnen dennoch direkt in Hals und Ohren blicken. Oder per Stethoskop Herz und Lunge abhören. An diesem Szenario stimmt alles: Ausser das mit der Zukunft, denn in der ersten «Mini Clinic» von Medgate ist dies schon jetzt Realität. Am Freitag in einer Woche nimmt die Top-Pharm-Apotheke am Barfüsserplatz die Videokonsultationen in Betrieb, gestern wurde das System den Medien vorgestellt.

Die Videountersuchung durch einen Arzt ist dabei erst der letzte Schritt in einer Kette von Abklärungen, die jeweils mit einem Gespräch mit dem Apotheker beginnt. Statt nur ein rezeptfreies Medikament abzugeben oder dem Patienten eine Arztkonsultation zu empfehlen, kann der Apotheker neu eine dritte Option anbieten: die Konsultation vor Ort, in einem abgetrennten Zimmer. Dort übernimmt ein medizinischer Praxisassistent, der bei Bedarf den Arzt zuschalten kann. «Der persönliche Kontakt zum Praxisassistenten ist für die Akzeptanz entscheidend. Wir haben auch schon ein vollautomatisches System entwickelt, quasi einen Selbstbedienungsapparat, bei dem sich der Patient auf Anweisung des Videoarztes die Geräte selbst an den Körper hält – aber dieses System ist im Test durchgefallen», sagt Medgate-CEO Andy Fischer.

So ist es nun ein Praxisassistent, der dem Patienten das Stethoskop an die Brust oder das Otoskop ins Ohr hält. Das Signal der Geräte wird direkt an den zugeschalteten Arzt übertragen, er ist es also, der die Rötungen im Rachenbereich begutachtet oder das Kratzen in der Lunge abhört. «Im Vergleich zum Telefongespräch, das Medgate schon seit 20 Jahren anbietet, ist diese neue Form der Videokonsultation schon sehr viel näher an einem realen Arztbesuch», sagt Manuel Puntschuh, der bei der Präsentation als Videoarzt zugeschaltet wurde. Er habe die Erfahrung gemacht, dass bei telefonischen Konsultationen oft ein einziges Bild reichen würde, um eine Behandlung sicher abschliessen zu können – beispielsweise bei der Beurteilung eines Muttermals. «Hier gibt uns die Mini Clinic grossartige Möglichkeiten, selbst ein Bluttest ist möglich.»

Ein weiterer Vorteil ist, dass im Zweifelsfall ein Spezialist zugeschaltet werden kann. «Bei traditionellen Arztbesuchen wird der Patient zum Spezialisten geschickt, wenn der Hausarzt nicht weiterweiss. Er muss einen neuen Termin vereinbaren und die Praxis des Spezialisten aufsuchen – all das erübrigt sich, wenn der Spezialist gleich zugeschaltet werden kann», wirbt Fischer für das Angebot.

Noch in diesem Jahr im Baselbiet

Ob und wie gut die Patienten auf den Videoarzt reagieren, soll das Basler Pilotprojekt zeigen. Die Medgate-Verantwortlichen glauben an den Erfolg und planen, bis in fünf Jahren 100 Mini-Kliniken in Betrieb zu nehmen. Bis Ende dieses Jahres werden fünf Kliniken eröffnet, eine davon im Kanton Baselland. «Nebst den einfach erreichbaren Zentren sind solche Angebote gerade auch in Randregionen eine ideale Möglichkeit, eine Vollversorgung sicherzustellen», sagt Fischer.

Tag der Offenen Tür in der Top-Pharm-Apotheke, Steinenberg 23, am 6. und 7. September. Regulärer Betrieb ab 8. September. www.miniclinic.ch