Der 60-jährige Schweizer, der am Donnerstagmorgen leblos auf einer Sitzbank unter der Dreirosenbrücke lag, ist Opfer eines Gewaltdelikts geworden. Dies haben die bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei und des Instituts für Rechtsmedizin ergeben, teilte am Freitag die Basler Staatsanwaltschaft mit. «Immer wenn wir Zweifel an der Todesursache haben, wird eine Obduktion angeordnet», sagt Kriminalkommissär Peter Gill. Mittlerweile sei klar: «Es handelt sich eindeutig um ein Tötungsdelikt.»

Am Samstag kommt dann die offizielle Bestätigung und die Nachricht, dass der mutmassliche Täter gefasst sei. Ein 21-jähriger in Basel wohnhafter Brasilianer soll den Obdachlosen mit einer Stichwaffe tödlich verletzt haben. Der Brasilianer wurde noch in der Nacht auf Freitag im Hegenheimer-Quartier festgenommen. Die Staatsanwaltschaft stellt Antrag auf Untersuchungshaft.

Weshalb der junge Mann zugestochen hat, ist unklar. Zur Klärung des Tötungsdelikts hat die Staatsanwaltschaft eine Sonderkommission eingesetzt.

Mehrere Personen hatten am Donnerstagmorgen die Polizei alarmiert. Der Mann sei halb sitzend, halb liegend auf einer Parkbank aufgefunden worden. Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.

Freiwillig obdachlos

Der 60-Jährige lebte offenbar schon seit Jahren auf der Kleinbasler Seite unter der Dreirosenbrücke. Im Quartier war er bekannt als «dr Schorsch vo der Dreirosebrugg». Bei einer Parkbank neben dem Basketballplatz hatte er sich seine Behausung eingerichtet: «Er lebte sehr spartanisch. Ein Rucksack, ein Schlafsack und ein paar Utensilien. Er hat auf engem Raum seine Nische gepflegt», sagt Marc Moresi von der Freizeithalle Dreirosen.

Der Mann habe aus freien Stücken ein Dasein als Obdachloser gewählt, sagt Moresi. Er sei im Umgang eine sehr angenehme Person gewesen, ein ruhiger, eher introvertierter Typ. Gleichzeitig habe er auch immer Wert auf seine Privatsphäre gelegt und immer auch Ordnung gemacht. Gebettelt habe der Mann nie, im Gegenteil: «Wir haben ihm im Winter ab und zu angeboten, dass er bei uns in der Halle in einem Raum übernachten könne, das hat er aber immer abgelehnt.»

Kontakt noch am Tag vor Tat

Auch Michel Steiner vom Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter hat «Schorsch» gekannt. «Er war ein Quartierbewohner mit einer etwas speziellen Behausung», sagt er. Entsprechend gross war gestern die Anteilnahme. Vor Ort wurden Kerzen angezündet, und auch auf Facebook drückten viele Anwohner ihre Anteilnahme und ihren Schock über das Tötungsdelikt aus. Auch Velokurier und «Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Armin Biehler kannte das Opfer. Er hatte noch am Mittwochnachmittag, wenige Stunden vor dem Verbrechen, mit dem Mann gesprochen und ihn zum Weihnachtsfest eingeladen, was dieser ablehnte.