Eine internationale Schleuserbande hat den Basler Euro-Airport mehrfach als Drehscheibe für Menschenschmuggel benutzt. Dies zeigt der Fall eines 37-jährigen iranisch-britischen Doppelbürgers, der wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Ausländergesetz angeklagt ist. Der Mann, der in Teheran geboren wurde und vor 20 Jahren mit seiner Familie nach England ausgereist war, soll dabei als Schleuser mehrere iranische Staatsbürger auf ihrem Weg begleitet haben. Die Reiserouten ähneln sich. Via Türkei gelangten die Geschleusten nach Europa. Von hier aus sollte es weiter nach Grossbritannien gehen.

Während der Mann gemäss Anklageschrift quasi als «Reisebegleiter» unterwegs war, kümmerten sich unbekannte Hintermänner um die organisatorischen Fragen. Er traf die «Passagiere» offenbar erst am Flughafen oder in der Region und versorgte sie mit den falschen Papieren. Gleichzeitig nahm er ihren Ausweis an sich.

In einem Monat drei Mal ertappt

Schleusungen auf dem Luftweg erfolgen in der Regel unter menschenwürdigen Umständen. Sie sind verhältnismässig sicher und auch bedeutend schneller als die meist wochen- bis monatelangen lebensgefährlichen Reisen auf dem Land- und Seeweg.

Allerdings sind sie auch deutlich aufwendiger. So müssen für die «Passagiere» etwa gefälschte Ausweise besorgt werden. Ausserdem ist das Risiko, erwischt zu werden, durch die Kontrollen sehr hoch. Entsprechend seien die Reisen aber auch besonders teuer für die Geschleppten, hält die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift fest. Und auch die Gewinne für die Schlepper fallen hoch aus. Pro Fall, vermuten die Ermittler, seien 5000 bis 6000 Euro bezahlt worden. Dies ist mehr als der durchschnittliche Jahreslohn im Iran.

Wie lange der arbeitslose Mann als Schleuser sein Geld verdient hat, wird nicht definitiv geklärt werden können. Er selber streitet die Vorwürfe ab. Aktenkundig sind drei Fälle im Juni vergangenen Jahres, bei denen am Euro-Airport iranische Staatsangehörige mit gefälschten Papieren aufgeflogen waren. In allen Fällen hatte der Angeklagte ein Ticket für den gleichen Flug – gebucht von der gleichen E-Mail-Adresse wie bei der Person mit dem falschen Ausweis.

Während die «Passagiere» jeweils festgehalten wurden, gelang es dem Angeklagten die ersten zwei Mal, seinen Flug anzutreten, da er über einen gültigen britischen Pass verfügte. Beim dritten Versuch wurde der Mann vom Grenzwachtkorps angehalten und von der Staatsanwaltschaft für über zwei Monate in Untersuchungshaft gesteckt. Nach einer Kaution von 10'000 Franken wurde er anfangs September aus der Haft entlassen.

Freies Geleit für Angeklagten

Bemerkenswert ist das Tempo, in dem der Fall von der Basler Staatsanwaltschaft abgewickelt wurde. Die Anklage erging rund einen Monat, nachdem der Mann aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Dies zeigt, wie schwierig bis unmöglich sich die Suche nach den Hintermännern für die Ermittler gestaltet. In einer ersten Anklageschrift hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten gefordert.

Das Basler Strafgericht hat dem Angeklagten freies Geleit zugesichert. Das heisst, er darf ausreisen, falls er zu einer Haftstrafe verurteilt würde. Andernfalls würde der Mann wohl gar nicht erst vor Gericht erscheinen. Der Prozess sollte eigentlich morgen Donnerstag starten. Allerdings beantragt der Verteidiger die Verschiebung, weil sein Mandant nach einem Autounfall in Grossbritannien nicht reisen könne.