Wenn die Verantwortlichen des Universitätsspitals Basel (USB) von Josef Flammer, Bernhard Jeanneret und Richard Herrmann sprechen, schwärmen sie in den höchsten Tönen. Ohne zu zögern, werden die drei Chefärzte als Koryphäen ihrer jeweiligen Disziplinen betitelt. Und Koryphäen ersetzt man nicht von heute auf morgen, denn die drei Professoren hängen ihre Chefarztkittel an den Nagel. Bei über 40 Chefärzten seien drei Pensionierungen auf einen Streich allerdings nichts Ungewöhnliches, betont Sabina Heuss, Mediensprecherin des Unispitals.

Nachfolge Flammers noch unklar

Trotzdem ist es dem USB gelungen, zwei der drei Vakanzen bereits neu zu besetzen. Lediglich auf der Position von Josef Flammer als Chefarzt der Augenklinik fehlt noch eine Nachfolge. Die Evaluation finde derzeit statt, informiert Heuss. Genaues will man nicht sagen, eine Übergangslösung sei allerdings gefunden. Und zumindest Flammer geht der Institution nicht ganz verloren: Er wird dem Unispital trotz seiner 65 Jahren für zwei weitere Jahre als Leitender Arzt erhalten bleiben.

Der Posten von Bernhard Jeanneret wurde interimistisch mit Stefan Schären besetzt. Jeanneret, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie, wird seinen Spind wie Flammer per Januar räumen. Der Dritte im Bunde, Richard Herrmann, hat seinen Chefsessel der Onkologie nach 20 Jahren bereits 2011 seinen Nachfolgerinnen Mirjam Christ-Cain und Christiane Pauli-Magnus übergeben. Mit dieser Besetzung soll die klinische Forschung gestärkt werden.

Augenklinik weltweit führend

Die beiden Professorinnen sind langjährige Mitarbeiterinnen der Klinik und die Übergabe sei reibungslos verlaufen, so Heuss. Überhaupt betont sie, dass keine Auswirkungen auf das Angebot und die Qualität mit den Pensionierungen einher gehen werden. Die Abgänge können kompensiert werden, nicht zuletzt, weil sie absehbar waren. Für die Prüfungsverfahren ist die medizinische Fakultät verantwortlich. Herrmann leitete seit 2011 die Klinische Forschung des Universitätsspitals.

Josef Flammer leitete die Augenklinik am USB während 27 Jahren. In dieser Zeit entwickelte sie sich sie zu einem der weltweit führenden Zentren bei der Behandlung des grünen Stars. Der Ostschweizer Flammer gilt weltweit als eine der grössten Kapazitäten auf diesem Gebiet, die Kombination verschiedener gefässbedingter Symptome – Ergebnis seiner Forschungen – ist heute als Flammer-Syndrom bekannt. Sein Lehrbuch aus dem Jahr 2000 gilt als Bibel des grauen Stars. Er wurde während seiner Karriere mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und dozierte als Gastprofessor auf der ganzen Welt.

Als die Abteilung Wirbelsäulenchirurgie 1995 geschaffen wurde, wurden 150 Wirbelsäulenoperationen vorgenommen; heute sind es 740. Sie entstand während Bernhard Jeannerets Wirken und entwickelte sich in dieser Zeit zu einer der bedeutendsten der Schweiz. Ein Grossteil dieser Entwicklung ist Bernhard Jeanneret zu verdanken, der den Chefposten seit 2005 besetzt hat.