Die drei Frauen, die die Bachletten-Buchhandlung übernehmen, sind Quereinsteigerinnen: Claudia und Manuela Probst (46) sind Pflegefachfrauen. Isabella Probst (19) studiert noch an der Fachmaturitätsschule (FMS) in Basel und hat eine Schnupperlehre in der Buchhandlung absolviert; in dieser Zeit ist auch ihr auf Youtube einsehbarer Kurzfilm «In der Buchhandlung» entstanden.

«Das ist für uns ein verrücktes Unterfangen», sagt Claudia Probst, «aber wir haben eine neue Herausforderung gesucht. Die Bachletten-Buchhandlung ist einzigartig, und wir wollen, dass sie weiter besteht.» Oder vielleicht war es Manuela Probst, die diese Sätze gesagt hat. Die Schwestern sind eineiige Zwillinge. Das sieht man nicht nur, das merkt man auch im Gespräch mit den beiden: Oft beendet eine Schwester den angefangenen Satz der anderen – oder umgekehrt.

Schwierige Ausgangslage

Gestern liessen sie sich von Matthyas Jenny in der Küche hinter der Theke beraten. Eines von vielen Gesprächen, das sie mit dem Buchhändler, Autoren und Literaturspezialisten führen, bevor sie seine Stelle antreten. «Es ist ein Glücksfall für uns, dass er uns begleitet und einführt», sagen die Schwestern.

Die Probsts sind seit langem gute Kundinnen Jennys und sie lieben das Lesen. «Das ist unsere Hauptmotivation dafür, diese Buchhandlung zu leiten», sagen sie. Zu Beginn werden sie ihren bisherigen Pflegeberuf in Teilzeit weiter ausüben. Das werde ihnen etwas finanzielle Sicherheit geben. «Aber wir wollen später schon von der Buchhandlung leben», sagen sie. Das dürfte nicht ganz einfach sein. Der Preis für Bücher ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Billige Konkurrenten im Internet locken die Kunden oder günstigere Läden im nahen Ausland. Was lassen sich die Zwillinge einfallen, um in diesem schwierigen Markt zu bestehen? «Wir haben ein paar Ideen, aber wir wollen die noch nicht verraten.»

Nahtloser Übergang

Klar ist: Das «Kleine Literaturhaus» werden sie nicht weiterführen – die Veranstaltungen im Keller des Hauses. Aber die Übernachtungen im Laden wollen sie möglicherweise weiterhin anbieten – «das ist so etwas Spezielles». Der Laden und die angrenzende Wohnung werden leicht umgebaut und renoviert. Doch die Buchhandlung werde deswegen keinen einzigen Tag geschlossen bleiben: «Der Übergang ist nahtlos.»

Matthyas Jenny hat die Bachletten-Buchhandlung während acht Jahren alleine geführt. Es war ihm wichtig, das Lebenswerk seiner verstorbenen Frau fortzusetzen. Zuletzt klang er aber resigniert: «Es gibt nichts mehr zu verdienen, keinen Franken mehr; es ist eine saublöde Zeit.» Er beschloss, den Laden per Ende September zu schliessen und ins Ausland zu gehen.

Nun ist er aber glücklich darüber, dass es jemand wagt, das Geschäft weiterzuführen: «Ich bin sehr froh. Ich hätte nicht geglaubt, dass sich noch jemand für eine Buchhandlung interessiert», sagt er. «Und ich bin sehr froh, dass ich gehen kann.»