Hooligan-Prozess

Drei Zürcher Hooligans müssen ins Gefängnis

Der Hooligan-Prozess am Strafgericht in Basel ging am 9. März zu Ende. (Archiv)

Der Hooligan-Prozess am Strafgericht in Basel ging am 9. März zu Ende. (Archiv)

Es wurde geschlagen und getreten: Im Mai 2018 überraschte eine Gruppe von Zürchern und Deutschen Fans die feiernden und sprayenden Basler beim Joggeli, diese wehrten sich und trieben die Angreifer in das Lehenmatt-Quartier bis zur Redingstrasse zurück.

Am Montag gab das Basler Strafgericht nach langer Beratung die Urteile bekannt: Ein 25-jähriger Mann aus Zürich muss für drei Jahre ins Gefängnis. Das Gericht sprach ihn wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig, er hatte nachweislich auf einen bereits am Boden liegenden und bewusstlosen Mann mehrfach eingetreten. «Sie haben ein äusserst brutales und skrupelloses Verhalten an den Tag gelegt. Es ist nur dem Zufall zu verdanken, dass keine lebensgefährlichen Verletzungen entstanden sind», begründete Gerichtspräsidentin Marcia Stucki die unbedingte Freiheitsstrafe.

Der 25-Jährige war im Alter von knapp vier Jahren aus Syrien in die Schweiz gekommen, weshalb sich bei ihm die Frage des Landesverweises stellte. Obwohl er wirtschaftlich nur mangelhaft integriert ist, ging das Gericht von einem Härtefall aus und verzichtete auf den Landesverweis. Als anerkannter Flüchtling sei er an Leib und Leben bedroht, bei einer Rückschaffung nach Syrien würde er buchstäblich vor dem Nichts stehen. Die Gerichtspräsidentin sprach von einem «knappen» Entscheid, was darauf hindeutet, dass sich die drei Richter in dieser Frage wohl nicht ganz einig gewesen sind.

Ins Gefängnis muss auch ein zweiter Mann aus Zürich: Auch er hatte Bewusstlose mehrfach getreten, konkrete Körperverletzungsdelikte konnte man ihm allerdings mangels klar dokumentierter Opfer nicht mit letzter Sicherheit nachweisen. Er wurde wegen Landfriedensbruchs und Raufhandel schuldig gesprochen und erhielt eine teilbedingte Strafe von 22 Monaten. Davon muss er sechs Monate absitzen.

Ein 23-Jähriger Zürcher wird aufgrund seiner vier Vorstrafen ausserdem zu sechs Monaten unbedingtem Strafvollzug verurteilt. Dieser kann im Kanton Zürich aber auch per Fussfessel verbüsst werden.

Hohe Probezeit als Abschreckung

Die restlichen Angeklagten aus der Region Zürich sowie zwei Deutsche wurden als Teil der Horde wegen Landfriedensbruchs oder wegen gegenseitiger Prügeleien wegen Raufhandels verurteilt, hier setzte es bedingte Freiheitsstrafen zwischen vier und acht Monaten. Als letzte Warnung setzte das Gericht bei einzelnen Männern mit einschlägigen Vorstrafen allerdings die Probezeit deutlich auf vier Jahre herauf.

Ein 36-jähriger Mann aus Zürich kam mit einer bedingten Geldstrafe davon, hauptsächlich weil er an jenem Abend selbst massiv verletzt worden war, danach eine Therapie absolviert hatte und sich «mit einer gewissen Ernsthaftigkeit» von seiner gewalttätigen Vergangenheit distanziert habe.

Laut Stucki hatten die Basler Anhänger an jenem Tag nicht mit einem Angriff gerechnet, es sei zuvor auch alles ruhig gewesen. Ein 34-jähriger Baselbieter kam mit einer bedingten Geldstrafe davon, weil er gemäss den Videoaufnahmen hauptsächlich damit beschäftigt war, Schläge abzuwehren.

Ein 30-Jähriger aus dem Baselbiet wurde am Montag vom Vorwurf des Raufhandels freigesprochen, er habe nicht wahllos umhergeschlagen, sondern sich bloss verteidigt. Die Polizei hatte ihn zufällig in der Notfallabteilung des Universitätsspitals angetroffen und identifiziert, als sie dort andere Verletzte anlieferten. Die Polizei dürfe dort nicht herumschnüffeln, hatte der Verteidiger moniert. Doch, das dürfe sie, die Polizei habe einen allgemeinen Ermittlungsauftrag, befand das Gericht. Trotz des Freispruchs erhielt der 30-Jährige eine Busse, weil er später im Basler Rotlichtviertel mit zehn Gramm Hasisch in eine Polizeikontrolle gelaufen war. Sämtliche Urteile können noch weitergezogen werden.

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