Strafgericht
Dreieinhalb Jahre teilbedingt für notorischen Schläger

Nicht nur seine Aufenthaltsbewilligung wackelt schon seit längerer Zeit, nun wackelt auch sein Job: Ein 26-jähriger Marokkaner erhielt am Donnerstag dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe aufgebrummt.

Patrick Rudin
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Im Sommer 2012 hatte der verurteilte Marokkaner grundlos einen Passanten verprügelt. (Symbold)

Im Sommer 2012 hatte der verurteilte Marokkaner grundlos einen Passanten verprügelt. (Symbold)

Oliver Menge

Die Hälfte der Strafe muss er tatsächlich absitzen. Eine elektronische Fussfessel wäre bei diesen konkret 18 Monaten unbedingt nicht mehr möglich. Der Mann hatte angegeben, seit Beginn des Monats in einem Restaurant zu arbeiten.

Das Gericht ging davon aus, dass er im Sommer 2012 am Rhein einen Passanten grundlos verprügelt und sich selbst danach als Opfer inszeniert hat. Der Passant erlitt einen Nasenbeinbruch und weitere Verletzungen, das Gericht sprach ihm 5000 Franken als Genugtuung zu. Rechtlich handle es sich dabei aber nicht um eine schwere Körperverletzung, befand das Gericht.

Gnädige Einstufung

Auch bei einer Prügelei in einem BLT-Tram im März 2013 war für die drei Richter klar: Der 26-Jährige habe nach einer Provokation einem anderen Mann einen Kopfstoss verpasst und damit dem Gegner die Stirn eingedrückt; das Opfer war drei Monate lang arbeitsunfähig. Auch hier sprach das Gericht eine Genugtuung von 5000 Franken.

Rechtlich war man zurückhaltend: Das sei lediglich eine versuchte schwere Körperverletzung gewesen. Einen Fall einer Prügelei mit einem Mitbewohner wertete das Gericht als Hausfriedensbruch, kam aber beim Vorwurf der Körperverletzung zu einem Freispruch. So blieb es auch unter dem Strafmass von vier Jahren, welches die Staatsanwaltschaft verlangt hatte.

Auch bei Drohungen und Angriffen gegen die Ehefrau kam das Gericht zu Schuldsprüchen. Die Frau hatte mehrmals die Strafanzeigen gegen ihren Mann zurückgezogen, um sich wieder zu versöhnen. Der Verteidiger fragte die Frau am Montag, ob sie erneut dazu bereit wäre, was sie aber verneinte: «Den Fehler mache ich nicht nochmals», meinte sie bitter.

Tatsächlich war auch das Gericht (nebst dem Präsidenten mit zwei Richterinnen und einer Gerichtsschreiberin besetzt) über ihr Verhalten nicht glücklich und kürzte die Genugtuungsforderung von 3000 auf 1000 Franken. «Wir haben lange diskutiert, ob jemand, der mehrmals seine Anzeige zurückzieht und sich sehenden Auges wieder ins Unglück begibt, überhaupt berechtigt ist, Zivilforderungen zu stellen», kommentierte Präsident René Ernst.

Ehefrau fürchtet sich vor ihm

Die Rechtsvertreterin der Ehefrau hatte vergeblich darum gebeten, den Angeklagten in Sicherheitshaft zu nehmen: Die Ehefrau müsste nach einem Schuldspruch wohl ins Frauenhaus, weil er dann erneut ausraste. «Meine Mandantin hat Angst vor ihm», sagte sie. Gerichtspräsident René Ernst sagte dazu, der Mann sei seit zwei Jahren nicht mehr straffällig geworden, auch deshalb habe man sich zu einer teilbedingten Strafe «durchgerungen». Somit bleibt er vorläufig auf freiem Fuss.

Im Prinzip könnte er fliehen, würde dann aber die gemeinsame Tochter überhaupt nicht mehr sehen. Das Urteil kann von allen Parteien weitergezogen werden.