«Ich dachte zuerst er wolle nur Unterschriften sammeln», erzählt ein bz-Leser. Er sass vorgestern im Café Huguenin, als ein junger Mann mit einer Mappe in der Hand auf ihn zukam. In Gebärdensprache machte der Mann auf das Spendenblatt aufmerksam. Darin wird um finanzielle Hilfe für den Aufbau einer Behindertenstätte gebeten. Da stutzte der Gast. Bargeld wollte er keins geben. So lief der Betrüger weg zum nächsten Tisch.

Verlangen nach Bargeld

«Jegliche Geldsammelaktionen sind bei uns verboten», erklärt Guido Schmidt Geschäftsleiter vom Café Huguenin. Der Betrüger sei vom Personal fälschlicherweise für einen harmlosen Unterschriftensammler gehalten worden.

Markus Melzl, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, kennt die Vorgehensweise. Der Spendenbetrug sei organisiert. So achteten die Betrüger darauf, dass die Sammelformulare rasch verschwänden. Nachdem sie rund vier Unterschriften und Bargeld bekommen hätten, vernichteten sie die Formulare. So könne die Polizei den Betrügern nicht die genaue Geldsumme nachweisen. «Meist sind es Leute aus dem Osten», erklärt er.

Die Betrüger gehen mit Arglist vor. Sie nutzen das Mitleid der Passanten aus und geben sich als Personen mit einer Behinderung aus. Gerade wenn die Spendenformulare viele Rechtschreibe- und Sprachfehler aufwiesen, sollte man misstrauisch sein. Statt Geld zu zücken, empfiehlt Melzl nach einem Einzahlungsschein zu fragen, aber kein Bargeld zu geben.

Im Café Huguenin gab man an, dass die Spendeorganisation von der Schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen (Zewo) erfolgreich geprüft worden sei. Doch das ist falsch, erklärt Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin Zewo

Gefälschte Zertifikate

Im Oktober 2010 gab die Zewo bereits eine Warnung vor Betrügern heraus. Bis heute habe man drei Anzeigen gegen unbekannt gemacht. Im Thurgau sei zudem ein Mann für den Missbrauch des Gütesiegels verurteilt worden. «Wir raten allen von einer Spontanspende ab», betont Ziegerer. Seriöse Hilfswerke informierten die Leute auf der Strasse. Es gäbe auch Mitgliederanwerbung. Doch bei Zewo-zertifizierten Organisationen könne man immer einen Einzahlungsschein verlangen.

Pro Woche gehen der Fahndung rund ein bis zwei Trickdiebe ins Netz. Sie gehören in der Regel grösseren Gruppen an, verrät Melzl. Sie kommen in die Stadt und versuchen Geld zu erbeuten. Das meiste davon geht an ihre Hintermänner.