Appellationsgericht
Dreister Ingenieur zog Insiderdeals auf

Ein Ingenieur konnte dank eines Insiders jahrelang die Konkurrenz ausstechen. Das Basler Appellationsgericht bestätigte am Freitag einen entsprechenden Schuldspruch.

Patrick Rudin
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(Symbolbild)

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KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

«Sie haben mindestens eventualvorsätzlich angenommen, dass da etwas nicht sauber ist», brachte am Freitag Gerichtspräsidentin Eva Christ den Schuldspruch auf den Punkt.

Die Methode war dreist: Über vier Jahre hinweg erhielt der heute 63-jährige Ingenieur jeweils Originalofferten einer Konkurrenzfirma im Bereich von Elektroplanungen und gab selber dann auch eine Offerte ab: Er war dann jeweils ein bisschen günstiger – und so erhielt er meist den Zuschlag. Das Insiderwissen stammte von einem heute 60-jährigen Projektleiter in der Konkurrenzfirma, der unter der Hand auch die Arbeiter recht freizügig für Baustellen auf beiden Firmen einsetzte.

Zufällig aufgeflogen

Als die Sache zufällig aufflog, warf man den Projektleiter fristlos aus der Firma. Im November 2013 verurteilte das Basler Strafgericht beide Männer wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung und Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses. Der Projektleiter in der Konkurrenzfirma erhielt als Haupttäter eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten, der 63-jährige Ingenieur wurde lediglich als Gehilfe eingestuft und kam mit 12 Monaten bedingt milder davon.

Beide Männer hatten die Urteile weitergezogen. Eigentlich war am Freitag vor dem Basler Appellationsgericht eine Verhandlung mit beiden Verurteilten geplant. Doch der Projektleiter zog seine Berufung kurzfristig zurück, sodass seine Verurteilung nun rechtskräftig wurde. So sass am Freitag einzig der 63-Jährige mit seinem Verteidiger vor dem Appellationsgericht und versuchte erneut – vergeblich – den Richtern zu erklären, er habe nicht bei einer abgekarteten Sache mitgemacht.

Bereits vor der ersten Instanz hatte er betont, er habe nicht gewusst, dass der Projektleiter bei der Konkurrenzfirma angestellt gewesen sei.

«Ein Riesenmissverständnis»

«Hat es Sie nie irritiert, dass sie fixfertige Offerten erhalten und diese dann abgeschrieben haben?», fragte ein Richter gestern. Er erklärte dazu nur, dass der andere Verurteilte die Offerten geschrieben habe. «Das war alles ein Riesenmissverständnis», sagte er.

Sein Verteidiger verlangte erneut einen Freispruch. Allenfalls habe sein Mandant fahrlässig gehandelt, und das wäre in diesem Bereich nicht strafbar.

Doch das Appellationsgericht wollte davon nichts wissen und kam wie schon die erste Instanz zu einem Schuldspruch. Allerdings fanden die luschen Geschäfte vor allem in den Jahren 2005-2009 statt, womit einige Vorwürfe inzwischen verjährt sind. Deshalb und auch wegen einigen Mängeln in der Anklageschrift kam ihm das Gericht beim Strafmass entgegen: Die zwölf Monate wurden auf acht Monate reduziert und in eine bedingte Geldstrafe umgewandelt, das Gericht setzte das Strafmass so auf 240 Tagessätze zu 130 Franken fest.

«Sie haben nicht die enorme kriminelle Energie aufgewendet wie der Hauptangeklagte, aber Sie haben sich zur Verfügung gestellt», sagte Gerichtspräsidentin Eva Christ. Noch ist eine Beschwerde ans Bundesgericht möglich, dort werden allerdings nur Rechtsfragen geprüft.

Wie stark die illegal konkurrenzierte Firma tatsächlich geschädigt wurde, ist weiterhin Gegenstand eines Zivilverfahrens.