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Dringende Entlastung für Pendler: Im April öffnen die SBB die Unterführung am Basler Bahnhof

Blick auf die Passerelle. Über dem Gleisfeld West entsteht für 2025 eine weitere, provisorische Querung.

Blick auf die Passerelle. Über dem Gleisfeld West entsteht für 2025 eine weitere, provisorische Querung.

Die alte Personenunterführung am Bahnhof soll zu Spitzenzeiten die überlastete Passerelle ergänzen. Die zweite Brücke kommt erst 2025.

Bei denen, die sie noch kennen, ist ihr Ruf legendär: Die Unterführung am Bahnhof SBB, die jahrzehntelang ihren Dienst verrichtete, bevor 2003 die Passerelle eröffnet wurde. Charmant-muffelig in Beton-Optik, hier ein Kiosk, dort ein Lädeli: Es war ein bisschen so, wie man es heute noch vom Bahnhof Olten kennt. Nur grösser.

Seit 17 Jahren ist die Unterführung bereits ein für Passanten verbotener Ort. Doch das ändert sich im April: Dann werden die SBB die Unterführung wieder für Pendler eröffnen. Zwar nur abschnittweise und zu Spitzenzeiten, aber immerhin: Die Unterführung soll die oft überlastete Passerelle entlasten.

Nur ein Ausgang und kein Perron-Wechsel möglich

Die Absicht formulierten die SBB bereits früher. Jetzt ist aber klar, wann und wie sich die Öffnung ausgestalten wird. Während der Hauptverkehrszeiten soll die Unterführung «zahlreichen Reisenden ab den Perrons Gleis 5/6 bis 11/12 morgens und abends als zusätzlicher Ausgang Richtung Stadtzentrum dienen», teilen die SBB mit. Der Aufgang wird aber nicht zu den Hauptausgängen führen. Er befindet sich östlich der Passerelle beim Gleis 4. Von dort aus werden Reisende zum «weniger stark frequentierten Ausgang bei den Stumpengleisen 1 bis 4 gelenkt», wie es heisst. Dieser führt auf die Centralbahnstrasse und von dort zum Centralbahnplatz.

«Wir werden voraussichtlich Ende März über Details informieren können», sagt SBB-Sprecher Oliver Dischoe gegenüber der bz. Viele Informationen finden sich aber bereits auf der Projekt-Website der SBB zum Ausbau in Basel. So ist die Öffnung mit einigen Einschränkungen verbunden: Wer zu den Zügen gelangen will oder das Perron wechselt, wird weiterhin die Passerelle benutzen müssen. Zudem soll der Zugang zur Unterführung jeweils nur von einem Perron aus möglich sein. Ausserhalb der Spitzenzeiten wollen die SBB die Unterführung weiterhin für die Servicelogistik nutzen. Denn: «Diesem Zweck dient die Unterführung seit der Inbetriebnahme der Passerelle 2003.»

Provisorien bis weit in die 2030er-Jahre

Die Öffnung der Unterführung ist eine erste Massnahme, um die seit Jahren steigenden Besucherströme am Bahnhof SBB umzulenken. Denn eine definitive Lösung wird erst mit dem übernächsten grossen Bahnausbauschritt des Bundes möglich sein. Dieser ist auf die Jahre nach 2035 angesetzt und soll auch das Basler S-Bahn-Projekt Herzstück beinhalten.

Ebenfalls als Provisorium in Planung ist deshalb eine zusätzliche Gleisquerung über das westliche Gleisfeld, also vom Meret Oppenheim-Hochhaus bis zum Westflügel. Diese provisorische Passerelle soll allerdings erst Ende 2024 in Betrieb gehen. Davon profitieren würden die Gleise 5 bis 20. Das Gleis 20 muss aber erst noch im Rahmen des Projekts Leistungssteigerung Bahnhof SBB gebaut werden. Das Passerellen-Provisorium führt dazu, dass auf den Bahnsteigen der Gleise 14/15 und 16/17 Teile der Perrondächer zurückgebaut werden, um den nötigen Platz zu schaffen.

Am Elsässerbahnhof im Bereich des Westflügels wiederum planen die SBB, die heute durchgehenden Gleise 4 und 5 mit Prellböcken umzufunktionieren. Dies, um die jeweiligen Perrons provisorisch auszubauen. Davon versprechen sie sich mehr Platz für den nördlichen Abgang der Passerelle.
Entscheidend für die Planungen ist das Jahr 2025. Dann soll der Viertelstundentakt zwischen Basel und Liestal eingeführt werden. Dafür ist aber ein neues Perron auf der Seite Gundeldingen nötig. Dieses soll südlich des letzten Durchfahrtsgleises 19 zu liegen kommen. Das heutige S-Bahn-Perron Gleis 16/17 wird dafür ebenfalls umgebaut. Dessen südliche Perronkante wird dann neu am Durchfahrtsgleis installiert. Den nötigen Platz schaffen die SBB, indem sie bestehende Perrons und Gleise verschieben und teilweise neu bauen.

Insgesamt verbaut der Bund für die Leistungssteigerung der S-Bahn-Strecke Liestal–Basel rund eine Milliarde Franken in die Bahninfrastruktur. Dazu gehören auch der Vierspurausbau in Liestal sowie Entflechtungen in Pratteln und Muttenz.

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