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Dringende Sanierung des Bruderholzspitals: Erst ein Fünftel ist finanziert

Fast wie neu: Das Bruderholzspital nach der geplanten Sanierung mit neuer Frauenklinik im Vordergrund.

Fast wie neu: Das Bruderholzspital nach der geplanten Sanierung mit neuer Frauenklinik im Vordergrund.

Die Baselbieter Regierung sieht erhebliche Risiken bei der Beschaffung von Fremdkapital für die Spitalsanierung im Bruderholz. Nachfragen zu den Kosten von über 200 Millionen Franken werden abgeblockt.

Den Architekturwettbewerb hat sich das Kantonsspital Baselland (KSBL) gespart: Das neue Frauenspital, das beim Spital Bruderholz entsteht, wurde hausintern gezeichnet und der Preis berechnet.

23,5 Millionen Franken soll der vierstöckige Bau mit drei Gebärsälen und zwei Dutzend Stationszimmern kosten. Weitere 21 Millionen Franken werden in den nächsten fünf Jahren in ein Korsett investiert, das zwecks Erdbebenertüchtigung das grosse Bettenhaus stützen soll.

Diese rund 45 Millionen Franken kann das KSBL aus eigener Kraft aufbringen. Doch damit ist lediglich gut ein Fünftel des Betrags gesichert, der zur Gesundung des 40-jährigen, schwer sanierungsbedürftigen Spitalkomplexes aufgebracht werden muss.

Dass 200 bis 250 Millionen Franken für die Ertüchtigung des Spitals nötig seien, erwähnte Spitalchef Heinz Schneider allerdings bloss in einem Nebensatz an der Medienkonferenz, an der er kurz vor Weihnachten den Neubau für die Frauen- und Geburtsabteilung ankündigte.

Nachfragen werden abgeblockt: «Die weiteren Kostenblöcke bzw. Bauprojekt werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben», erklärt Sprecherin Christine Frey auf Nachfrage.

Kanton ist skeptisch

Keine konkreten Aussagen gibt es auch zur Finanzierung des Grossprojekts. Einerseits beinhalte die gültige Fallkostenpauschale (DRG) auch einen Anteil für Investitionen, meint Sprecherin Frey.

Ziel sei es zudem, «die aktuell günstigen Konditionen im Finanzierungsmarkt optimal auszunutzen». Öffentliche Spitäler seien «als potenzielle Kunden von Finanzinstitutionen sehr gefragt», sagt Frey.

Der Kanton Baselland, der Eigner des Spitals, ist weit skeptischer. Im kürzlich vorgelegten «Beteiligungsbericht 2013» schreibt die Regierung: «Es besteht die Gefahr, dass die Vergütungen der Krankenkassen nicht ausreichend sind, um die effektiven Infrastrukturkosten zu decken.»

Dies bedeute, dass «allenfalls die Zahlungen des Kantons für gemeinwirtschaftliche Leistungen – wie in anderen Kantonen – erhöht werden müssten».

Klartext redet die Regierung bei der Finanzierung der langfristigen Infrastruktur über den Kapitalmarkt: «Da dies Neuland für die Spitäler wie die Kapitalgeber ist, kann nicht abgeschätzt werden, ob dieser Mark spielt.»

Finanzierung für Banken ist attraktiv

André Zemp,Partner und HealthcareExperte bei der Beratungs- und Revisionsgesellschaft KPMG, befasst sich mit der Finanzierung von Spitälern. Er bestätigt die Haltung der Kantonsregierung: «Die Spitalfinanzierung ist für die Banken Neuland.»

Attraktiv sei, dass es sich beim Gesundheitswesen um eine krisenresistente Branche handelt. Zudem sei das Ausfallrisiko klein, da Spitäler häufig «systemrelevant» sind und bei einem finanziellen Engpass wohl die Kantone einspringen würden.

Doch gleichzeitig fehle den Spitälern häufig, was für eine Kreditvergabe wichtig ist: ein starkes Eigenkapital und eine solide Bewertung der Geschäftsentwicklung. Gerade eine solche ist jedoch kaum zu leisten.

Es fehlen sowohl die vergangenheitsbezogenen Daten, da die Spitäler erst vor wenigen Jahren ausgegliedert wurden, als auch gesicherte Zukunftsdaten.

Die Komplexität der Kreditberechnung und der Finanzbedarf über 100 Millionen Franken bringe mit sich, dass nur einige wenige Anbieter überhaupt als Kreditgeber infrage kommen. Zemp formuliert die Mindestanforderung: «Eine saubere, nachvollziehbare Strategie sowie ein Businessplan über zwanzig Jahre mit verschiedenen Szenarien.»

Gerade für das Spital Bruderholz wird eine solche langfristige Planung nicht einfach. So erwartet die Regierung in ihrem Eignerbericht, dass die «Überversorgung in der Region Nordwestschweiz zu einem verstärkten Verdrängungswettbewerb» führe.

Die Folge davon sei ein immer stärker werdender Kostendruck. Kommt dazu: Der Grossteil der notwendigen Mittel sind reine Ersatz- und keine Neuinvestitionen.

Umso lieber spricht das KSBL von der Frauenklinik, die den Neuinvestitionen angerechnet werden kann.

Eine Gegenrechnung durch einen Baukostenexperten zeigt immerhin: Die vorgesehene Klinik mit einer Grundfläche von 4400 m² lässt sich mit 23,5 Millionen Franken bauen, wenn auch einige Kostenrisiken darin enthalten sind. Bei der Architektur hat das KSBL bereits gespart.

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