Elektronische Musik
Drogen sind an Techno-Festivals allgegenwärtig

Trotz hohem Drogenkonsum gibt es am Festival Isle of Dreams in Basel keinen Drogencheck. Anders als an der Zürcher Street Parade, dort konnte man die illegalen Substanzen anonym testen lassen.

Dimitri Hofer
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Am Festival Isle of Dreams auf dem St. Jakob-Areal werden 30000 Technoanhänger erwartet.

Am Festival Isle of Dreams auf dem St. Jakob-Areal werden 30000 Technoanhänger erwartet.

Keystone

Wie andere Genres ist auch die elektronische Musik mit zahlreichen Klischees behaftet. Eines davon ist die weitverbreitete Auffassung, die Tanzwütigen könnten ihre Finger nicht von synthetischen Drogen lassen. Im Vorfeld des Techno-Grossanlasses Isle of Dreams, der am kommenden Wochenende auf dem St. Jakob-Areal stattfindet, stellt sich die Frage, wie viel am Vorurteil wirklich dran ist.

Ecstasy, Kokain, Amphetamine

An der Zürcher Street Parade testete am vergangenen Samstag zum wiederholten Mal ein Team der Jugendberatung Streetwork illegale Substanzen auf ihren Reinheitsgehalt. Die Betäubungsmittel wurden von den Konsumenten vorbeigebracht, um sie dem sogenannten Drug Checking zu unterziehen. Die Untersuchung, an die ein Gespräch mit einer Fachperson gekoppelt ist, hat zum Ziel, die Verbraucher vor gestreckter Ware zu schützen.

Analysiert wurden auch bei der diesjährigen Ausgabe fast ausschliesslich Ecstasy, Amphetamine und Kokain, sagt Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork.

Der Konsum dieser drei psychoaktiven Substanzen habe in den vergangenen zehn Jahren zugenommen, erklärt Kobel. Während Amphetamine und Kokain oft auch im Alltag der Konsumenten Einzug halten, würden Ecstasypillen hingegen meist auf Partys eingeworfen.

Kobel stellt zudem einen Anstieg des Alkoholkonsums unter den Besuchern von Technoveranstaltungen fest. «Das noch in den 90er-Jahren bei Ravern verpönte legal erhältliche Rauschmittel ist heute an Grossanlässen wie der Street Parade allgegenwärtig.» Der Experte sieht den Grund dafür in einer Zunahme von szenefremden Personen an den Festivals. Insgesamt wurden 83 Betäubungsmittelanalysen durchgeführt – was bei rund einer Million Menschen eine sehr kleine Zahl ist, wie auch Kobel einräumt.

Kein Drug Checking

Ein Drug Checking wird am Isle of Dreams auf dem St. Jakob-Areal nicht angeboten werden. Arnold Meyer, der Schweizer Presseverantwortliche des Festivals, stellt klar, dass es sich bei der Technomesse nicht um eine «Drogenveranstaltung» handle. Deshalb habe ein Drug Checking, das im vergangenen Mai beim Dance-Festival Sonic in der St. Jakobshalle durchgeführt worden war, nicht zur Diskussion gestanden.

Selbstverständlich würden die bei der ersten Ausgabe des Festivals erwarteten 30'000 Besucher einer strikten Eingangskontrolle unterzogen und dabei auch auf Drogen untersucht werden. Die Polizei stehe zwar im Einsatz, werde aber auf dem Festivalgelände nicht explizit nach Drogen fahnden.

Tension mit positiver Bilanz

Trotz der an der Zürcher Street Parade festgestellten Zunahme des Konsums von psychoaktiven Substanzen kann Sebastian Schmidt für die Tension diesbezüglich eine positive Bilanz ziehen. Der Mitorganisator des am 1. August durchgeführten elektronischen Musikfestivals sagt, dass niemand wegen Drogenmissbrauchs vom Areal verwiesen wurde. Er hätte es geschätzt, wenn bei seinem Event Drogenprävention betrieben worden wäre. «Die angefragten Organisationen stellten aber aufgrund von terminlichen Engpässen am Festival keinen Stand auf.»

Schmidt ist der Ansicht, dass die Besucher heute besser über Drogen aufgeklärt seien als früher. Auch gibt er zu bedenken, dass es sich beim Drogenkonsum um ein gesellschaftliches Problem handelt – nicht um eines, das spezifisch die Techno-Szene betrifft.