Basler Strafgericht

Drohender Drogensüchtiger muss in die Psychiatrie

Das Basler Strafgericht.

Das Basler Strafgericht.

Das Basler Strafgericht ordnete eine stationäre Massnahme für einen 34-Jährigen an. Er lebt seit 15 Jahren mit der Diagnose Schizophrenie.

Es war ein schlechter Morgen für den 34-jährigen Mann: Von seinen Betreuern im Wohnheim regelrecht aus dem Bett geworfen, schaffte er es am Montag mit einer Viertelstunde Verspätung in den Gerichtssaal. Dort stellte er fest, dass seine Verteidigerin eine Vertretung geschickt hatte, worüber er gar nicht glücklich war.

Die ersten 20 Minuten der Verhandlung sass er entweder mit geschlossenen Augen vor sich hindösend auf dem Stuhl, oder er murmelte seiner neuen Anwältin Protestbekundungen in die Ohren. Nach einer kurzen Befragung beschloss das Gericht, den Mann für den Rest der Verhandlung zu dispensieren. Danach verliess er den Gerichtssaal halbwegs zufrieden.

Seit über 15 Jahren lebt der Mann mit der Diagnose Schizophrenie, dazu kommt eine lange Erfahrung mit Alkohol, Kokain und Opiaten. Offenbar gab es eine Zeit, als er seine Medikamente regelmässig nahm, doch laut einem Gutachten versuchte er in den letzten Jahren vor allem, seine Krankheit mit Kokain und Ritalin quasi selbst zu behandeln.

Seit 2002 war er bereits über 40 Mal in psychiatrischen Kliniken, jeweils nur mit kurzfristigem Erfolg. 14 Seiten dick war am Montag die Anklageschrift: Hauptsächlich ging es um Diebstähle und Drohungen, das meiste davon hatte der Mann zugegeben. In über 30 Läden liess er vom Stück Apfelwähe über den Fruchtsalat bis zu Markenparfums und Tablets allerlei Dinge mitgehen, die teuren Artikel verhökerte er auf der Gasse und finanzierte sich so seinen Drogenkonsum. Er hat in vielen Basler Läden bereits seit Jahren Hausverbot.

Konflikte und Anfeindungen mit der ganzen Welt

Um Geld ging es auch bei den Drohungen: In der Psychiatrischen Klinik drohte er einem Pfleger mit Erschiessen, wenn er sein Taschengeld nicht sofort erhalte. Ähnliche Drohungen gab es später auch auf der geschlossenen Abteilung: Erbost darüber, dass man ihn nicht rauslassen wollte, zielte er mit seinen Sandalen nach einem Pfleger, traf aber den Arzt. Auch sein ehemaliger Beistand musste sich am Telefon anhören, er sei bald ein toter Mann, wenn er nicht zusätzliches Taschengeld auszahle.

Auch bei der Kontakt- und Anlaufstelle beim Dreispitz sorgte der Mann für Ärger: Im April 2018 wurde er wegen mangelnder Körperhygiene nicht eingelassen, woraufhin er sich ein paar Meter weiter auf einem Stein niederliess und sich dort eine Spritze setzen wollte. Als ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ihn ansprach, drohte der 34-Jährige mit der Spritze. Am Montag betonte er vor seinem Abgang, er sei nie gewalttätig geworden.

Selbst die eigenen Eltern kommen bei ihm an ihre Grenzen: Im November 2015 besuchten sie ihn in den Universitären Psychiatrischen Kliniken, doch schon auf dem Parkplatz passte er sie regelrecht ab und forderte Geld. Dabei drohte er seiner eigenen Mutter mit Faustschlägen, was das Gericht am Montag als versuchten Raub wertete.

Rein formell wertete das Dreiergericht die anderen Anklagepunkte hauptsächlich als Gewalt und Drohung gegen Beamte, Nötigung, Hausfriedensbruch, Diebstahl und Betrug. Faktisch aber gab es durchweg Freisprüche: Der Mann ist nicht schuldfähig.

Die Verteidigerin hatte geltend gemacht, eine ambulante Behandlung genüge, doch das Dreiergericht setzte am Montag eine stationäre Massnahme in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik fest. Diese ist auf fünf Jahre beschränkt, kann aber vom Gericht verlängert werden. Wie am Rande der Verhandlung bekannt wurde, wirft man dem Mann inzwischen neue Delikte vor.

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