Gesundheit

Druck auf Uni-Spital und Bethesda wächst: Orthopäden befürchten noch mehr Operationen

In der Orthopädie besteht in Basel schon heute eine Überversorgung. Die Kooperation befeuert den Konkurrenzkampf. Symbolbild: Keystone

In der Orthopädie besteht in Basel schon heute eine Überversorgung. Die Kooperation befeuert den Konkurrenzkampf. Symbolbild: Keystone

Weitere Konkurrenten kritisieren die Kooperation von Uni- und Bethesda-Spital. Es sei eine versteckte Mengenausweitung in der sowieso schon überversorgten Orthopädie. Zudem wird nun auch die Politik aktiv: Die Basler Regierung soll Red und Antwort stehen.

Die Frage, ob Ärzte des Basler Universitätsspitals (USB) am Bethesda-Spital orthopädische Eingriffe vornehmen dürfen, obwohl das Privatspital dafür keinen Leistungsauftrag hat, beschäftigt nun auch die Politik. Nachdem die bz gestern den Widerstand der Merian Iselin Klinik (MIK) publik machte, die sich rechtliche Schritte überlegt, reichte FDP-Grossrat Christian Moesch gleichentags eine Interpellation ein, die von der Regierung eine Klärung fordert.
Da sich die Juristen der MIK und jene des Basler Gesundheitsdepartements widersprechen, inwiefern die Kooperation den gültigen Leistungsaufträgen entspricht, sagt Moesch: «Ich gehe davon aus, dass diese Frage von einem Gericht geklärt werden muss.»

Am Montag wagte sich denn auch kein Gesundheitspolitiker an die Rechtsfrage heran. Aber eine andere Befürchtung rückt ins Zentrum: Führt die verstärkte Zusammenarbeit von USB und Bethesda ab 2020, die laut eigenen Angaben eine «Führungsposition in der Nordwestschweiz» anstreben, zu noch mehr orthopädischen Eingriffen? Denn dort besteht bereits eine medizinische Überversorgung von bis zu 30 Prozent.

Bedeuten mehr Orthopäden auch mehr Eingriffe?

Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber redet Klartext: «Wir wollen keine Mengenausweitung.» Im Hinblick auf die neue Spitalliste ab 2021 könne «ein zusätzlicher respektive neuer Leistungsauftrag Orthopädie am Standort Bethesda kein Thema sein». Eine Kooperation aber, die zu einer Konzentration oder gezielten Reduktion von Überkapazitäten beitrage, sei grundsätzlich zu begrüssen.

«Die Kooperation treibt verdeckt eine Mengenausweitung voran», sagt dagegen Roman Lusser. Er ist Präsident des Vereins der Basler Orthopäden. Dieser wurde erst im Mai gegründet und umfasst zurzeit gut 30 der 40 niedergelassenen und als Belegärzte tätigen Orthopäden Basel-Stadts. Sein Argument: Das USB vergrössere extra sein Orthopädie-Team. «Also nimmt der Druck pro Orthopäde zu, genügend Eingriffe zu erreichen.»

Ins gleiche Horn stösst Beatriz Greuter: «Wenn man fünf Kaderärzte des Kantonsspitals Baselland abwirbt, kann das nur heissen, dass man wachsen will», sagt die Direktorin der Hirslanden Klinik Birshof, die wie die MIK in direkter Konkurrenz zur Orthopädie-Kooperation des USB steht. Sollte diese für rechtens befunden werden, hält SP-Grossrätin Greuter fest: «Dann wird ein Präjudiz geschaffen.» Was das bedeuten könnte: Ihre Klinik könnte versucht sein, einen Ableger im Merian Iselin zu eröffnen, um dort Wirbelsäulenchirurgie anzubieten – dafür hat wiederum die MIK keinen Leistungsauftrag.

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