Die «Basler Zeitung» wird nach dem Verkauf an die Tamedia weiterhin in Zürich gedruckt werden. Dabei stand der Abschluss eines Vertrags mit der neuen Zeitungsdruckerei der Mediencentrum AG mehrfach vor dem Abschluss, mehrfach wurde der Termin verschoben. Seit Mittwoch ist klar, dass es zu keiner Unterzeichnung kommen wird. Die Mediencentrum AG ist zwar betriebsbereit, doch der erwartete Millionenauftrag bleibt aus. Es droht eine Investitionsruine von mindestens fünf Millionen Franken.

Die Überraschung war gross, als vor genau einem Jahr die «NZZ am Sonntag» berichtete, in den ehemaligen Druckhallen der «Basler Zeitung» an der Hochbergerstrasse werde wieder eine Maschine aufgebaut. Als unmittelbar darauf bekannt wurde, die BaZ habe vorsorglich den Druckvertrag mit der Zürcher Tamedia per Ende April 2018 aufgelöst, schien sich das eine zum anderen zu fügen: Die BaZ sollte wieder in der Stadt gedruckt werden und Blocher sei der Strippenzieher.

Zufälligkeiten statt Masterplan

Recherchen zeigen aber, dass kein Masterplan bestand, sondern eher Zufälligkeiten Regie geführt haben. Als bei der französischen Zeitung «Le Monde» eine noch mindestens zehn Jahre betriebsfähige Zeitungsdruckerei ausrangiert wurde, fanden sich Investoren, die dafür eine Verwendung im Schweizer Markt sahen. In einem ersten Schritt wurde die spezialisierte Berner Firma Gamag beauftragt, in der Deutschschweiz einen Standort zu finden. Die Wahl fiel auf Basel, weil im ehemaligen Druckzentrum das Fundament bereits derart massiert gebaut war, dass ein erschütterungsfreier Betrieb möglich ist. Dies senkte die Investitionskosten um mehrere hunderttausend Franken.

Christoph Blocher, der über die Robestate AG die ehemalige Basler-Zeitung-Zentrale an der Hochbergerstrasse übernommen hatte, erkannte die doppelte Opportunität. Zum einen konnte er der Mediencentrum AG einen schwer vermittelbaren Ort langfristig vermieten, zum anderen ergab sich daraus eine echte Alternative, um mit der Tamedia über günstige Drucktarife zu verhandeln. Entsprechend kündete die BaZ den Druckauftrag vorsorglich. In den vergangenen Monaten vollzog die Gamag den zweiten Schritt und baute die Grossanlage wieder auf, samt der in Skandinavien zugekauften Fertigung und Spedition. Druckereiarbeiter wurden angestellt und Probeläufe gestartet. Pünktlich auf Anfang Mai hätte die Zeitungsproduktion mit der «Basler Zeitung» starten können.

 

Vertrauen oder Leichtfertigkeit

Die Verantwortlichen zeigten in den vergangenen Monaten erstaunliche Gelassenheit, obwohl kein Vertrag unterschrieben war. Das Vertrauen war ungebrochen, die Investoren, die bis heute unbekannt sind, hätten sich wohl abgesichert, bevor sie das Millionenengagement wagten.

Mit der «Basler Zeitung» als Hauptkunde waren die Aussichten gut für weitere Aufträge. So stand das «Bieler Tagblatt» in der Warteschlaufe, das ebenfalls vor einem möglichen Druckereiwechsel steht. Es waren Aufträge zu erwarten, die nach der Schliessung der Ringier-Druckerei in Adligenswil zu vergeben sind. Und nach Schliessungen französischer Betriebe lagen selbst Aufträge aus dem Nachbarland in Reichweite. Doch ohne BaZ fallen vorerst wohl auch die weiteren Kunden weg. Denn geschäftsüblich ist, dass als Drucker berücksichtigt wird, der das Vertrauen als Drucker schon erhalten hat.

Für Blocher scheint der Poker aufgegangen zu sein: Er kam mit der Tamedia zu einem Deal, der neben dem Verkauf der «Basler Zeitung» dem Vernehmen nach auch den Druck seiner Gratisanzeiger enthält. Sarah Schläppi, Verwaltungsrätin der Mediencentrum AG, war trotz vereinbarter Termine nicht zu erreichen. Sollte damit das Projekt einer Basler Zeitungsdruckerei gestorben sein, stehen in Blochers Immobilie nun 500 Tonnen Altmetall.