Laurent Gröflin
Drummeli-Regisseur: «Es gibt sicher Bessere als mich»

«Ich dachte, es gibt viele andere Leute, die besser wissen als ich, wie man ein Drummeli macht», sagt der neue Drummeli-Regisseur Laurent Gröflin im bz-Interview.

Muriel Mercier
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Laurent Gröflin hat Literatur und Kunst zu seinem Beruf gemacht. Nun kommt die Basler Fasnacht hinzu.

Laurent Gröflin hat Literatur und Kunst zu seinem Beruf gemacht. Nun kommt die Basler Fasnacht hinzu.

Kenneth Nars

Laurent Gröflin steht vor einer grossen Aufgabe: Er wurde vom Fasnachts-Comité zum neuen Drummeli-Regisseur auserkoren. Somit wird er Bettina Dieterles Nachfolger. Die Anfrage habe ihn überrascht, denn sein Hobby Fasnacht und seinen Beruf als Regisseur zu kombinieren, wäre dem 36-Jährigen selber nie im Traum eingefallen.

Herr Gröflin, seit Ende April ist bekannt: Sie werden die Drummeli-Ausgabe 2016 inszenieren. Premiere ist erst Ende Januar. Haben Sie überhaupt Lust, mit mir jetzt schon über Ihren neuen Job in der Fasnachtswelt zu sprechen?

Laurent Gröflin: Ich bin überrascht, wie viele Leute dieses Thema heute schon beschäftigt. Mich hat bisher die Fasnacht um diese Jahreszeit überhaupt nicht interessiert. Aber ich bin auch über mich erstaunt, dass ich mich heute schon mit dem Drummeli befasse. Ich stehe im Kontakt mit den Schauspielern und Autoren. Andererseits ist es auch logisch: Das Drummeli funktioniert wie jede andere Produktion. Man muss Rahmen setzen und schauen, dass alles zusammenpasst.

Sie arbeiten seit einigen Jahren als freier Regisseur in Deutschland, Österreich und Belgien. In der Schweiz eher wenig. Warum sind Sie so intensiv im Ausland tätig?

Laurent Gröflin

Der 36-Jährige hat seine Schauspielausbildung an der Ecole internationale de Théâtre in Brüssel gemacht und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main bei Hans Hollmann Regie studiert. Seine letzten Produktionen fanden in Wien (Dantons Tod, Georg Büchner), in Tübingen (Foxfinder, Dawn King) sowie in Nürnberg (Egmont, Johann Wolfgang von Goethe) statt. Gröflin hat die Handelsschule abgeschlossen. Er spielt im Stammverein der Breo-Clique Piccolo und stand etliche Male als Aktiver auf der Drummeli-Bühne.

Ist das Publikum in der Schweiz ein anderes als in Deutschland oder Österreich?

Es gilt überall dasselbe Prinzip: Es gibt offene und weniger offene Menschen. Und es gibt Städte, die einen internationalen Zugang zum Theater empfinden, Basel gehört dazu. Essen zum Beispiel ist zwar etwa doppelt so gross, meiner Meinung nach aber provinzieller. Ich meine das nicht negativ. Es gibt einfach Theater, in dem Leute etwas so sehen wollen, wie sie es kennen, und andere, wo das Publikum eben nicht das sehen will, was es kennt. Man muss als Regisseur immer selber erkennen, wie man was umsetzen möchte.

Wie haben Sie auf die Anfrage als Regisseur bei der Mutter aller Vorfasnachtsveranstaltungen reagiert?

Zuerst musste ich lächeln. Ich hatte bisher nie etwas mit dem Fasnachtszirkus zu tun. Zwei Schritte später habe ich aber realisiert, dass die Anfrage gar nicht so abwegig ist. Ich spiele seit je in der Breo-Clique Piccolo. Es gibt nicht viele aktive Fasnächtler, die auch Regie führen. Die Regiearbeit fürs Drummeli ist eine Herausforderung für mich, weil ich nicht nur möchte, dass die Zuschauer lachen. Ich möchte ihnen auch etwas mitgeben.

Haben Sie sofort zugesagt?

Nein. Ich dachte, es gibt viele andere Leute, die besser wissen als ich, wie man ein Drummeli macht. Zudem: Ich habe Literatur und Kunst zum Beruf gemacht. Fasnacht ist Hobby für mich. Ich musste mir gut überlegen, ob ich mein Hobby jetzt zwingend auch noch mit dem Beruf verbinden möchte.

Wie kam es dann zum Ja?

Das Ja entstand aus einer Mischung von Gründen. Zum Einen hatte ich einen guten Kontakt zu Comité-Mitglied André Schaad. Er versicherte mir, ich hätte alle Freiheiten. Das Drummeli ist eine funktionierende Institution und es ist eine Ehre, Regie führen zu dürfen. Man muss viele grosse Theaterstücke auf die Bühne bringen, um so eine grosse Masse an Zuschauern erreichen zu können, wie man sie nach einer Woche Drummeli erreicht hat.

Bettina Dieterle hat in ihre vier Produktionen Neuheiten eingebracht. Zum Beispiel, dass durch die Aufführung ein roter Faden führt. Zudem hat sie die Balkonszene aufleben lassen. Werden Sie Dieterles Ideen übernehmen?

Nein. Ich hänge an keiner dieser Umsetzungen. Es muss nicht zwingend eine Balkonszene geben. Wenn eine originelle Idee dafür entsteht, ist gut. Sonst gibts halt keine. Grundsätzlich ist mir wichtig, dass die Länge der Veranstaltung sinnvoll gefüllt ist, die Leute unterhalten werden und man sich engagiert mit den Themen auseinandersetzt, die uns im vergangenen Jahr beschäftigt haben.

Ändert sich durch das Drummeli-Engagement Ihre Jahresplanung? Müssen Sie öfter in Basel sein als vorgesehen?

Ich lebe jeweils immer nur sechs Wochen in einer Stadt, bis die aktuelle Produktion dort beginnt. Soeben war ich in Nürnberg und meine neue Produktion läuft jetzt in Basel. Ich habe meinen Wohnsitz vor zwei Jahren nach Basel verlagert, bin einfach selten hier.

Sie haben es bereits angesprochen: Sie sind bei der Breo aktiver Fasnächtler. Mit Ihrem Job können Sie aber wohl selten an den Proben teilnehmen. Ist das kein Problem?

Ich übe auch im Ausland das ganze Jahr hindurch. Piccolospielen hat etwas Beruhigendes, Meditatives für mich. Wenn ich Kollegen in Deutschland erzähle, dass ich an der Fasnacht pfeife, lachen sie mich aus und glauben mir nicht. Offenbar kann man Piccolo und mich nicht unter einen Hut bringen.

Und Ihre Cliquenkollegen ärgern sich nicht über Ihre häufige Abwesenheit?

In einer Clique muss man sicherlich eine Form der Disziplin finden. Der Deal ist, dass ich mich in der Sujetkommission engagiere, dafür an den Proben nicht regelmässig teilnehme.

Was bedeutet Ihnen die Basler Fasnacht?

Die Fasnachtswoche ist mir heilig. Fällt eine Produktion in die Zeit während der Fasnacht, unterbreche ich die Probenarbeit. Durch die Fasnacht bin ich mit Basel verbunden. Ohne die drey scheenschte Dääg wäre ich wahrscheinlich nicht so oft hier. Und als Drummeli-Regisseur läuft es in Sachen Probenbesuche besser für mich, weil ich ja sowieso hier bin.

Drummeli: 30. Januar bis 5. Februar 2016.

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