«Eigentlich wollte ich nur ein Autogramm für meine Tochter von Pietro, aber es kam fast zur Katastrophe. Um 17.00 Uhr kämpfte ich mich durch die Menge kreischender «Fans»

Von Müttern, Väter bis zum Kleinstkind: alles war in diesem Tumult zusammengedrückt. Nach Luft ringende Menschen standen schon kurz vor dem Zusammenbruch.

Auf der Höhe der kleinen Bühne ist an der Wand ein Gang, der zu den Toiletten und zum Notausgang führt. Da ich viel im Stücki herumspaziere, kannte ich die Gegebenheiten sehr gut.

Ich öffnete den Notausgang und wies die erschöpften Personen an, den Ausgang zu benützen. Zeitweise musste ich Personen fast zum Ausgang tragen.

Nach einer kurzen Pause kehrte Pietro zur kleinen Bühne zurück. Der Chef des Teams kündigte an, das alle Fans Ruhe bewahren sollten, und jeder sein Autogramm erhalten werde.

Die Luft begann nun erst recht zu Brodeln. Jeder, der die Menge Fans sah wusste, dass das mehrere Stunden dauern würde. Somit begann der Ansturm erst recht.

Auf dem oberen Stockwerk lehnten sich die Fans erschreckend weit übers Geländer hinaus. Der Chef rief darauf kaum hörbar durchs Geschreie, dass sie sich vom Geländer entfernen sollten.

Unfassbare Szenen

In der Zwischenzeit strömten Hunderte von Fans durch «meinen» Fluchtweg nach draussen. Die Samariter, nur 4 Personen, nahmen mir die verlorenen, völlig erschöpften Kinder zur Betreuung ab. Nun wurde noch weiter «Oel ins Feuer» gegossen. Ein Bühnensteher warf Autogrammkarten - noch ohne Autogramm- auf meiner Seite in die Menge.

Unvollstelbar was sich danach abspielte. Nun kippten die ersten Fans auf meiner Seite um. Die Samariter, zwei auf meiner Seite, konnten nur noch das nötigste tun um zu helfen. Allen Versprechen zum Trotz - es sollte ja jeder Fan sein Autogramm bekommen- brach der Chef die Autogrammstunde mit dem Hinweis auf Tumulte ab.

Pietro total erschöpft, zu wenig Autogrammkarten

Es waren nicht die Tumulte, die zum Abbruch führten sondern, die totale Erschöpfung von Pietro. Und zweitens waren die Autogrammkarten aufgebraucht.

Nun war die Katastrophe nur noch ein Hauch entfernt. Die Fans stürmten die Bühne. Ein Securitas-Mann, ein Samariter und ich versuchten so gut wie möglich die Fans zurückzuhalten. Es kam zu schweren Zusammenbrüchen.

So gut es ging wurden die Opfer auf und neben der Bühne von nun zwei Samariter und einer Krankenschwester, die sich freiwillig sofort zur Verfügung gestellt hatte, versorgt.

Eine am Rücken schwer Verletzte - sie wurde von Fans stark angerempelt - wurde von ihrer Mutter und Helfer zur Seite getragen.

Mit dem Chef reden

Ich sah mich um und entdeckte zwei Kartonschachteln voll mit Autogrammkarten - Unterschrift. Ich nahm sie an mich und Verteilte sie den teils sehr aufgebrachten Fans. Damit konnte ich diese langsam beruhigen und sie liessen sich, nun durch eine Handvoll Securtiy-Leuten zum Gehen bewegen.

Nun ging ich nochmals auf die Bühne um mit dem Chef zu reden. Ich wurde abgewiesen, keine Zeit und es gehe mich nichts an.

Ich ging nun ein Mineralwasser trinken, und merkte erst jetzt, wie sehr mich die Angelegenheit mitgenommen hatte. Ich ging noch einmal zurück, weil ich noch nicht begriffen hatte, dass das alles wirklich passiert war.

Beim Notausgang sah ich dabei einen Krankenwagen stehen. Zwei Stunden später ging ich nach Hause.

Kein Sicherheitsdienst

Fazit: Jeder weiss hier: Jeder Star wie Pietro, der ins Dreieckland kommt, zieht Tausende Fans aus Deutschland an. Gerechnet wird normalerweise mit 5000 bis 10000 Fans. Vergessen werden dabei immer die Eltern, die Ihre Kinder begleiten. Es waren sehr, sehr viele, die ihre Kleinen begleiteten.

Es war weit und breit kein Sicherheitsdienst vorhanden. Es waren gerade mal vier Samariter vor Ort. Diese leisteten Übermenschliches.

Der Chef mit seinen zwei bis drei Getreuen schlichen sich auf leisen Sohlen davon. Danken möchte ich noch allen, die in irgendeiner Form geholfen haben, eine Katastrophe zu verhindern.
Da ich Normalverdiener bin sehe ich leider keine Möglichkeit, eine oder gleich mehrere Anzeigen vorzunehmen.»

P. S. (Name der Redaktion bekannt)