Nach dem 2:2 auswärts gegen Tottenham ist der FC Basel auf gutem Weg in den Halbfinal der Europa League. Die Fans kehrten begeistert aus London zurück. Doch wer jetzt noch ein Ticket für das Rückspiel vom nächsten Donnerstag im St. Jakob-Park ergattern will, wird enttäuscht. Für das Spiel gibt es auf offiziellem Weg keine Tickets mehr.

Wer dennoch nicht zu Hause bleiben will, kann sich bei Viagogo, einer Online-Ticketbörse mit Sitz in Genf, mit Karten eindecken. Der Haken: Die Tickets sind massiv überteuert, wie ein Beispiel zeigt. Für einen Platz in der Muttenzerkurve verlangen die Verkäufer auf Viagogo 239 Franken. Im offiziellen Verkauf kostet dieses Ticket etwa 80 Franken.

Bereits für das gestrige Hinspiel in London wurden Tickets für 500 Franken statt 95 Franken verkauft. Die Fans sind erzürnt. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland. Am letzten Wochenende demonstrierten viele Bundesliga-Fans gegen die Preise auf Viagogo und verurteilten die Partnerschaft einiger Klubs mit dem dubiosen Ticketportal.

FC Basel verweigert Partnerschaft

So verkaufen namhafte Vereine wie der FC Bayern München, einen Teil ihrer Eintrittskarten über die Ticketbörse. Wie die «Handelszeitung» schreibt, erhielt auch der FC Basel kürzlich eine Anfrage von Viagogo. Dies bestätigt Josef Zindel, Mediensprecher des FC Basel, gegenüber der bz. «Wir haben das Angebot von Viagogo selbstverständlich abgelehnt. Diese Ticketbörse gehört zum Schwarzmarkt.»

Gleichzeitig warnt der FC Basel auf seiner Homepage die Fans vor Billettkäufen auf Plattformen, die nicht zu den offiziellen Verkaufskanälen gehören.

Viagogo schweigt

Viagogo gibt auf Nachfrage am Telefon keine Auskunft zur geplanten Partnerschaft mit dem FCB. Auch per Mail verweigern die Verantwortlichen des Portals eine Aussage.

Auf die Frage, inwiefern Viagogo garantieren kann, dass keine gefälschten Tickets verkauft werden, lautet die schriftliche Antwort: «Die Kunden erhalten ihre gültigen Tickets rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn. Falls dies einmal nicht der Fall sein sollte, tun wir alles Mögliche um Ersatz zu finden. Im extrem seltenen Fall, dass dies nicht möglich sein sollte, bieten wir volle Rückerstattung. Wir bezahlen Ticketverkäufer erst dann, wenn der Käufer den Event besucht hat. Aus diesem Grund ist es unmöglich mit gefälschten Tickets auf Viagogo zu handeln, da es das grösste Abschreckmittel für Betrüger ist.»

Trotzdem: Vielen ist Viagogo suspekt. So suspekt, dass sogar das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf die Plattform aufmerksam wurde. Dort sind auch bereits Untersuchungen am Laufen. Obwohl der Ticketverkauf via Sekundärmarkt in der Schweiz erlaubt sei, könnte «der Online-Auftritt von Viagogo hingegen in verschiedener Hinsicht transparenter sein», schreibt das Seco.

Verhandlungen im Gange

Dabei bemängelt das Seco, dass Viagogo kein offizieller Wiederverkäufer des Veranstalters sei «und dass eine Differenz zwischen dem nominellen Wert des Tickets und dem tatsächlich zu bezahlenden Preis bestehen kann». Weiter kritisiert das Seco, «dass der Ticketpreis bei Verschiebung der Veranstaltung nicht rückerstattet wird und dass den Käufer das Risiko trifft, ein allenfalls beim Eintritt in die Veranstaltung ungültiges Ticket zu besitzen.» In diesem Fall werde zwar der Ticketpreis rückerstattet, nicht aber die Reisespesen.

Beim Seco sind in den letzten 12 Monaten verschiedentlich Beschwerden von Ticket-Käufern aus dem Ausland eingegangen. Gemäss Guido Sutter, Leiter Ressort Recht beim Seco, habe sie dies dazu veranlasst, mit Viagogo Kontakt aufzunehmen. Momentan sind Verhandlungen im Gange, welche die Transparenz verbessern sollen.


Denken Sie, dass der FCB nächsten Donnerstag zuhause den Einzug ins Halbfinale schafft? Stimmen Sie hier ab.