Basel

Dünnes Bündnis: Die Basler Grünen hatten eine eigene Kandidatur – doch dann folgte der Protest

Fragende Blicke am Wahlsonntag: Grünen-Präsident Harald Friedl und Geschäftsleiterin Eva Strub.

Fragende Blicke am Wahlsonntag: Grünen-Präsident Harald Friedl und Geschäftsleiterin Eva Strub.

Basta und Grüne stehen in einer Zerreissprobe. Nun könnte sogar die Basler Fraktionsgemeinschaft fallen.

In schwierigen Zeiten zeigt sich der Charakter eines Wesens. Einer Reihe von Stressoren waren diese Woche die Basler Grünen ausgesetzt. Binnen Wochenfrist verloren sie ihre Regierungsrätin, die Besinnung und nun vielleicht auch noch ihre Bündnispartnerin. Vor allem aber zeigt sich: Heidi Mück, die rot-grüne Notlösung, wird einen schweren Stand haben, die Reihen hinter sich zu schliessen.

Die verhinderte Grünen-Kandidatur

Es war Dienstagmorgen und Harald Friedl, der nicht eben beneidenswerte Grünen-Präsident, dürfte früh gewusst haben: Das wird ein schwieriger Tag. Nachdem ihn Elisabeth Ackermann in Kenntnis von ihrem Rücktritt gesetzt hatte, suchte er nach Lösungen. Zwei Namen als mögliche Alternativen machten bald die Runde: Thomas Grossenbacher und Michael Wüthrich. Sie beide hatten beim letzten Mal die interne Ausmarchung gegen Elisabeth Ackermann verloren – denn sie waren Männer. Schlug nun ihre Stunde?

Gleichzeitig wartete die SP nicht ab, sondern sondierte selber, wer die Grünen Kaspar Sutter im zweiten Wahlgang zur Seite stellen sollten. Eine Frau musste es sein, ganz klar – ein Mann könnte allenfalls den eigenen Kandidaten gefährden. SP-Präsident Pascal Pfister führte Gespräche, etwa mit Michelle Lachenmeier oder Nora Bertschi. Doch beide winkten ab. Bündnispartnerin Basta hatte da schon lange für klare Verhältnisse gesorgt. Im «Regionaljournal» verkündete Heidi Mück ihre Kandidatur, sofern die Grünen sie wollten. Und schob dann unter vier Augen nach: Sollten sie hingegen ein Mann aufstellen, wäre die Unterstützung der Linksaussenpartei wohl weg.

Ohne Plan und mit viel Druck stiegen die Grünen in eine Mitgliederversammlung am Dienstagabend, keine 24 Stunden vor der Deadline der Nomination. Es war eine chaotische Sitzung, geführt von einem überforderten Friedl. Kaspar Sutter und Tanja Soland von der SP waren dort. Sutter warb für sich, Soland hatte vor allem eine Botschaft: Bringt eine Frau. Doch die Grünen entschieden anders. Grossenbacher und Wüthrich stellten sich zur Wahl. Und tatsächlich: Die Grünen beschlossen in einer Abstimmung mit 25:21 Stimmen eine eigene Kandidatur. Grossenbacher oder Wüthrich, wer, war noch nicht klar. Ausnahmslos alle Frauen zwischen 30 und 45 Jahren hätten gegen die beiden Männer gestimmt, berichten mehrere Parteimitglieder übereinstimmend. Mit so wenig Rückhalt wollten weder Wüthrich noch Grossenbacher die rot-grüne Mehrheit verteidigen. Schliesslich zogen sich beide zurück.

Das grosse Schweigen zur Basta

So fiel die Wahl auf Mück. Wobei: Ein euphorisches Ja war es nicht. Nur gerade acht Parteimitglieder rangen sich dazu durch, eine Basta-Kandidatur zu unterstützen. Sechs sprachen sich dagegen aus. Über dreissig Anwesende schwiegen in der entscheidenden Frage und enthielten sich ihrer Stimme.

So kulminiert ein Konflikt, der sich seit Monaten abzeichnet. Im Sommer wäre es fast zur Trennung im Bündnis gekommen. Wer lange genug dabei ist, weiss von vielen Rückenschüssen aus der roten Ecke, so der Tenor unter älteren Parteikämpen der Grünen. Die Basta hoffte hingegen auf Sitzgewinne durch das neue Wahlgesetz. Es hing an jungen Frauen wie Raffaela Hanauer und vor allem Jo Vergeat, dass am Ende doch noch eine gemeinsame Liste zustande kam.

Der Zwist hat viele Ebenen. Zum einen sitzt der Frust bei den Grünen tief, dass ihnen ausgerechnet die Bündnispartnerin nun beide Mandate abjagen könnte: im Nationalrat Sibel Arslan, in der Regierung Heidi Mück. Zum anderen sind die aktuellen Auseinandersetzungen in der rot-grünen Parteienlandschaft mit Plattentektonik zu erklären. Die SP rutscht mit neuem Präsidium nach links, die Basta wird entsprechend spitzer und die Grünen lösen sich aus der bestehenden Struktur als grössere Insel.

Die neue Idee: Fraktion mit der EVP

So bleibt das Gebilde fragil. Und als wäre die Beziehung nicht schon genügend belastet, diskutiert die Parteileitung bald über einen neuen Vorschlag: Zukünftig sollen die Grünen mit der EVP eine Grossratsfraktion bilden, finden einige Parteimitglieder. Damit käme die Ratslinke auf 51 Sitze und die Grünen aus der rot-roten Ecke.

Die Basta und die Evangelischen? Kaum vorstellbar. Das Grüne Bündnis wäre nach mehreren Jahrzehnten am Ende. Keine guten Voraussetzungen, um die rot-grüne Mehrheit zu verteidigen.

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