MCH Group

Dürftiger Sukkurs für die Messe

Für Lee ist die Niederlage am grünen Tisch der Generalversammlung nicht das Ende. Im Gegenteil.

Für Lee ist die Niederlage am grünen Tisch der Generalversammlung nicht das Ende. Im Gegenteil.

Eine Mehrheit der privaten Aktionäre der Basler MCH Group lehnt den Einstieg von Murdoch in dieser Form ab.

Es wäre spannend geworden im Basler Kongresszentrum, hätte die ausserordentliche Generalversammlung der MCH Group gestern im Plenum stattgefunden Der neue Investor, James Murdoch, hätte sich präsentieren können. Der Milliardär hätte als Stargast erklärt, weshalb er mit seiner reaktionären Familie des Medientycoons Rupert Murdoch nichts mehr zu tun haben wolle und deshalb vergangene Woche aus dem Verwaltungsrat der News Corporation zurückgetreten sei. Und auch welche Pläne er und seine Lupa Systems bei der MCH Group verfolgten.

Nach dem Hauch von Welt hätte der Zürcher Vermögensverwalter Erhard Lee sein Plädoyer abgehalten, wonach die MCH Group gar kein Sanierungsfall sei und es deshalb auch keinen Murdoch brauche. Vielleicht wäre auch der schillernde russische Investor Sergej Skaterschikov aufgetreten und hätte mit viel Geld gelockt, wenn ihm und seinem Partner, dem Hongkong-Chinesen Adrien Cheng, dafür die Art Basel aus dem Messekonzern herausgebrochen würde. Präsident Ueli Vischer hätte schliesslich eindringlich appelliert, die Aktionäre sollten doch dem Verwaltungsrat folgen und der alternativlosen Kapitalerhöhung zustimmen. Denn die Lage sei ernst.

Stimmen wurden vorweg abgegeben

Coronabedingt fand die Generalversammlung aber bloss im kleinsten Kreis statt. Voten gab es keine, die Stimmen mussten vorweg abgegeben werden. Die Stimmrechtsvertreter machten kurzen Prozess, worauf sich ergab: Mit gut 70 Prozent der Stimmrechte begrüssten die Aktionäre die Kapitalerhöhung und den Einstieg von James Murdoch bei der MCH Group. Das Resultat heisst jedoch im Umkehrschluss: Knapp 30 Prozent lehnen den Sanierungsplan ab.

Und da die öffentliche Hand, die bis anhin 49 Prozent der Aktien hält, das Paket mitgeschnürt hat, bedeutet es zudem: Von den privaten Aktionäre lehnt eine Mehrheit die Kapitalerhöhung ab. Sie folgen damit Lee, der über einen Fund selbst rund zehn Prozent der Stimmrechte beherrscht. Ohne Vinkulierungsbestimmung hätte er weitere 288000 Stimmen in die Waagschale werfen können und damit die Drittels-Sperrminorität nur knapp verfehlt.

Für Lee ist die Niederlage am grünen Tisch der Generalversammlung aber nicht das Ende. Im Gegenteil. Bereits am vergangenen Freitag hat er vorsorglich eine Handelsregistersperre beantragt; Murdoch und seine zwei Vertreter können damit vorerst nicht dem Verwaltungsrat beitreten. Zudem wird er beim Basler Zivilgericht die Beschlüsse der Generalversammlung anfechten. Basel-Stadt hätte bei Traktanden in eigener Sache gar nicht mitstimmen dürfen, meint Lee.

Beschlüsse unter Vorbehalt weiterer Instanzen

Die Beschlüsse der Generalversammlung stehen unter dem Vorbehalt, dass die Verfügung der Eidgenössischen Übernahmekommission rechtskräftig wird. Diese hatte dem Sanierungskonzept zwar zugestimmt, doch auch dagegen legte Lee Beschwerde ein. Die MCH Group konterte am vergangenen Donnerstag und offenbarte dabei, dass der Einbruch drastischer sei, als vor wenigen Wochen prognostiziert. Heute werden Lees Anwälte replizieren. Es handelt sich zwar um ein beschleunigtes Verfahren, doch noch stehen zwei Rekursinstanzen offen.

Er wolle die MCH an den Verhandlungstisch bringen, sagt Lee. Auch andere Optionen und Finanzierungen sollen geprüft werden. Wenn dem Messekonzern nicht vorher der Schnauf ausgeht, gibt es damit noch manche Gelegenheit, damit die grosse Show nachgeholt werden kann.

Autor

Christian Mensch

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