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Dufry geht in Brasilien als Verlierer vom Platz

Die brasilianische Währung vermiest das Geschäft des Basler Duty-free-Unternehmens.

Stefan Schuppli
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Dufry-Hauptsitz am Brunngässlein in Basel. Hier ist möglicherweiseweiterer Ausbau angesagt. Nicole Nars

Dufry-Hauptsitz am Brunngässlein in Basel. Hier ist möglicherweiseweiterer Ausbau angesagt. Nicole Nars

Da war schon etwas Pech dabei. Die Brasilianer würden die Schultern zucken und sagen: «Uma coisa real.» Eine Tatsache. Der Duty-free-Händler hat von der Weltmeisterschaft in Brasilien nicht profitiert. Und die guten Verkaufszahlen (+9 Prozent) im ersten Halbjahr wurden vom Fall der brasilianischen Währung zunichtegemacht. Allein im neuen Terminal 3 auf dem Flughafen São Paulo-Guarulhos hat Dufry 17 neue Läden eingerichtet, hiess es bei einem Konferenzgespräch am Donnerstag zum Halbjahresresultat. Auch anderswo gab es Probleme mit den Wechselkursen, etwa in Russland, wo Dufry auch schon seit einigen Jahren tätig ist.

Die im Juni angekündete Übernahme der Nuance Group laufe planmässig voran, der Abschluss sei auf Mitte September vorgesehen. Die Finanzierung sei mit einer Kapitalerhöhung von 810 Millionen Franken, einer 4,5-Prozent-Anleihe von 500 Millionen Euro und einer Pflichtwandelanleihe von 275 Millionen gesichert. Nuance erzielt einen Umsatz von 2,1 Milliarden Franken und beschäftigt 5 300 Mitarbeitende.

Basel dürfte profitieren

Indem die beiden Firmen zusammenspannen, erhoffen sich die Dufry-Verantwortlichen Einsparungen in der Höhe von 70 Millionen Franken pro Jahr. Dank gemeinsamem Einkauf können höhere Rabatte erzielt werden. Gleichzeitig kann auch die Logistik integriert werden. Weiter sollen auch die globalen und regionalen Organisationen zusammengelegt werden. Was das heisst, dürfte klar sein: Vermeidung von (unnötigen) Doppelspurigkeiten. Welche Auswirkungen das auf die Beschäftigung hat, ist noch offen. Der Hauptsitz in Basel dürfte tendenziell eher ausgebaut werden. Immerhin ist auch weiterhin Wachstum angesagt, im zweiten Halbjahr fünf bis sieben Prozent.

Am Hauptsitz in Basel arbeiten am Brunngässlein gegen 200 Personen, alle im Bereich der Geschäftsleitung und ihrer Stabsstellen.

Der neue Duty-free-Riese wird einen Umsatz von insgesamt rund 5,56 Milliarden erzielen und knapp 23 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Allerdings liegen für die Fusion noch nicht alle Bewilligungen vor. Sorgen bereitet Dufry aktuell die geopolitische Entwicklung in Nordafrika, wo das Unternehmen ebenfalls tätig ist. Libyen sei ein sehr starker Markt gewesen. Auch der Tourismus in anderen nordafrikanischen Ländern dürfte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dufry hat im ersten Halbjahr einen Umsatz von 1,71 Milliarden Franken erzielt. Das waren 2,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) stieg um 1,5 Prozent auf 221,4 Millionen, der Reingewinn sank um 4,8 Prozent auf 27,5 Millionen Franken. Insgesamt hat Dufry bis Juni 89 Läden neu aufgemacht. In konstanten Kursen gerechnet habe der Umsatz um 6,7 Prozent zugelegt.

Dufry-Chef Julian Diaz kommentierte: «Die Entwicklung zeigt die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäfts.» Dufry konnte im zweiten Quartal auch ohne Zukäufe wachsen. Die neu eröffneten Filialen hätten nur rund einen Monat zum Geschäft beigetragen.

Aktie verlor an Wert

Im Vorfeld haben die Börsenanalysten das Wachstum etwas höher eingeschätzt. An der Börse verlor die Aktie am Donnerstag bis zu vier Prozent und schloss bei 156.10 Franken (–3,8 Prozent).

Wachstum gab es auch in Nordamerika – der zweitgrössten Umsatzregion – sowie in der Ländergruppe Europa, Mittlerer Osten und Asien. In Russland spüre man indes die Ukraine-Krise. Dutzende neu eröffnete Läden trugen zum Gesamtwachstum bei; Dufry ist heute in 47 Ländern vertreten und hat 17 500 Mitarbeitende.