Integrationsturnier
Durch Fussball findet man zusammen

Der Erlenhof und die Embolo Foundation ermöglichen positive Begegnungen zwischen den Kulturen. Am 1. Mai veranstalten sie ein Fussballturnier für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Wir haben dem Geschäftsführer der Stiftung Erlenhof, Pascal Brenner gesprochen.

Meret Knaack
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Am 1. Mai findet im Zentrum Erlenhof ein Integrationsturnier mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) statt. Es soll auch dazu dienen neue Kontakte zu knüpfen. (Symbolbild)

Am 1. Mai findet im Zentrum Erlenhof ein Integrationsturnier mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) statt. Es soll auch dazu dienen neue Kontakte zu knüpfen. (Symbolbild)

Felix Gerber

Damit unbegleitete minderjährige Jugendliche, die hier Asyl suchen, bestmöglich integriert werden können, muss als erstes ein Kontakt hergestellt werden. Am besten gelinge dies in der Freizeit, erklärt Pascal Brenner, Geschäftsführer der Stiftung Erlenhof in Reinach. Dazu wird nun am 1. Mai im Zentrum Erlenhof ein Fussballturnier durchgeführt.

Ein solcher Anlass biete für die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA), für die Öffentlichkeit und für Vertreter verschiedener Berufe eine gute Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre Kontakte zu knüpfen. Aber auch die breite Masse soll mit dem Fussballturnier sensibilisiert werden.

Das Turnier steht unter dem Patronat von Breel Embolo, Stiftungspräsident der Embolo Foundation und Spieler der Schweizer Nationalmannschaft. Die Coaches der zehn Mannschaften, die aus UMA und Jugendlichen aus umliegenden Jugendzentren bestehen, sind regionale Grössen wie Philipp Degen, Urs Wüthrich oder Roger Birrer.

«Die Schweizer Kultur zeichnet sich ja gerade durch Multikulturalität aus. » Pascal Brenner, Geschäftsführer der Stiftung Erlenhof.

«Die Schweizer Kultur zeichnet sich ja gerade durch Multikulturalität aus. » Pascal Brenner, Geschäftsführer der Stiftung Erlenhof.

zvg

Herr Brenner, inwiefern sind die Jugendlichen aus den Jugendzentren dazu aufgefordert worden, Verantwortung für das Turnier zu übernehmen?

Pascal Brenner: Es galt kein Teilnahmezwang. Die Jugendlichen haben sich freiwillig dazu angemeldet. Was in der Verantwortungsthematik wichtiger ist: Dass sie in den Vorbereitungsprozess so gut wie möglich eingebunden wurden. Diese Einbindung ist ein Teil des Partizipationskonzepts oder der Partizipationskultur, wie es sich in den letzten zehn Jahren in der Sozialpädagogik entwickelt hat. Dabei sollen Jugendliche ihren Ort oder ihren kulturellen Umgang selbst gestalten.

Ist das bei den UMA ebenfalls der Fall?

Die Jugendlichen werden so gut es geht in solche Projekte miteinbezogen. Wir wollen sie aber nicht mit Projekten überrollen, sondern sie am Alltag teilhaben lassen. Ziel in der Arbeit mit UMA ist daher primär die Verselbstständigung. Bei diesem Prozess geht man folgenden Fragen nach: Was können sie bereits? Wo liegen ihre Interessen? Wo brauchen sie noch Entwicklungsvorschriften? Das Ergebnis soll eine bestmögliche Integration sein. Sie sollen «gesellschaftsfähig» werden. Was viele Leute jedoch missverstehen, ist, dass der Gewinn, den diese Jugendlichen für die Gesellschaft bringen, nicht in der Anpassung, sondern im Neuen liegt, das sie mitbringen.

Sie möchten mit dem Integrationsturnier eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen, um so auf das Integrationsthema aufmerksam zu machen. Ist das Ihrer Meinung nach vernachlässigt worden?

Problematisch ist, dass in der Bevölkerung oft nur einseitige Informationen zum Thema vorhanden sind. So kommen Ängste zustande: Dass die Flüchtlinge den Schweizern ihre Jobs streitig machen oder dass eine zu grosse kulturelle Hürde besteht. Diese Ängste lösen sich in einem direkten Kontakt jedoch gleich auf. Ziel der Veranstaltung ist, dass man beiden Seiten ein Treffen unter entspannten Umständen ermöglicht, bei dem man die jeweiligen Ängste aufnehmen und beheben kann. Die UMA haben so auch die Möglichkeit, ihr Heimatland und ihre Kultur erlebbar zu machen. Gerade in der Schweiz sollte die Bevölkerung offen für andere Kulturen sein. Die Schweizer Kultur zeichnet sich ja gerade durch Multikulturalität aus. Sogar in der Blumenwelt und in den Alpen zeigt sich die typisch schweizerische Integrationsfreude: Geranien, die alle Chalets schmücken und als typisch für unser Land gelten, stammen ursprünglich aus Afrika. So auch der Granit, aus dem eines unserer Wahrzeichen, das Matterhorn, besteht.