Abstimmungssystem
E-Voting-System: Basel trotz Schwachstellen nicht von Hacking betroffen

Basel benutzt das E-Voting-System der Calvin-Stadt – dieses konnte gehackt werden. Ein Genfer Computerspezialist deckte die Schwachstellen im elektronischen Abstimmungssystem auf. Abstimmungsfälschungen wären möglich.

Moritz Kaufmann
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So sieht die Zukunft der Schweizer Demokratie aus. Mit den Abstimmungsunterlagen kommt der persönliche Code.

So sieht die Zukunft der Schweizer Demokratie aus. Mit den Abstimmungsunterlagen kommt der persönliche Code.

Keystone

Die Zukunft der Schweizer Demokratie liegt im Internet. Schon bald sollen die Abstimmungsunterlagen per Mausklick ausgefüllt und abgeschickt werden können. Viele Schweizer Kantone sammeln derzeit Erfahrungen mit sogenannten E-Voting-Systemen, so auch Basel-Stadt.

An Hackertreffen vorgestellt

Am Wochenende hat die «Sonntagszeitung» allerdings den ersten Hacking-Fall bei einem Schweizer E-Voting-System bekannt gemacht. Der Genfer Computerspezialist Sebastien Andrivet hat herausgefunden, wie man vom eigenen PC aus Stimmen fälschen kann. Er stellte seine Erkenntnisse an der «Nuit de Hack 2k13» im Juni vor – einem Hackertreffen in Paris.

Genf ist ein Pionierkanton in Sachen elektronisches Abstimmungssystem. Neben Neuenburg und Zürich hat der Westschweizer Stadtkanton ein eigenes System entwickelt.

Basel zahlt Genf für Dienstleistung

Basel testet E-Voting seit 2009 mit Auslandbaslern und ist Kunde von Genf. «In Basel-Stadt sind zurzeit rund 6900 Auslandschweizer in eidgenössischen Angelegenheiten stimmberechtigt», sagt Alfred Sommer von der Basler Staatskanzlei. Die elektronische Stimmbeteiligung liege bei rund 50 Prozent. Die Daten aus Basel fliessen denn auch nach Genf, wo das System beherbergt ist. Basel zahlt Genf dafür Betriebs- und Unterhaltskosten. Man habe sich für das Genfer System entschieden, weil die Infrastruktur als Stadtkanton ähnlich ist, meint Sommer. Eine Mehrheit der Kantone, die heute mit E-Voting experimentieren, wählten dasjenige, das in Zürich entwickelt wurde.

Sommer kann beruhigen: «Nach Auskunft der Bundeskanzlei handelt es sich bei der fraglichen Sicherheitslücke um eine Schwachstelle aufseiten der von den Stimmberechtigten verwendeten Computer», sagt er. Da keine offiziellen Rechner betroffen sind, kann man also nicht Daten im Grossen Stil fälschen.

Basel fragt in Genf nach

«Basel-Stadt hat die Verantwortlichen des Kantons Genf trotzdem um Antwort auf die Frage gebeten, welche Massnahmen ergriffen werden, um die Sicherheitslücke zu schliessen», sagt Sommer. Dies, obwohl es derzeit keine Anzeichen dafür gebe, dass infolge einer Attacke Stimmen manipuliert worden seien.

Im Juni hat der Bundesrat den Bericht «Vote électronique» verabschiedet. Die Marschrichtung ist klar: «Langfristig steht der Kanal allen Stimmberechtigten zur Verfügung.» Vorerst haben Auslandschweizer und Behinderte – insbesondere Sehbehinderte – Priorität, für die E-Voting ein grosses Bedürfnis ist.

Regierung entscheidet Ende Jahr

Hat die nun bekannt gewordene Panne Folgen für die Weiterentwicklung der elektronischen Stimmabgabe? Alfred Sommer sagt Nein: «Im Gegenteil werden solche Schwachstellen dadurch behoben.» Auch bei der Bundeskanzlei in Bern will man E-Voting nicht grundsätzlich infrage stellen. «Es ist eine hochspannende Thematik», sagt Sommer. Basel soll Vorreiterkanton bleiben. Ende Jahr wird die Basler Regierung nach vier Testjahren entscheiden, wie es weiter geht.

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