Die Basler Fasnacht soll Unesco-Weltkulturerbe werden – so jedenfalls haben es Stadt und Comité beschlossen. So richtig darum kümmern will sich aber niemand, also formt man eine Kommission, bestehend aus einem Kulturforscher (Walo Niedermann), einem Werbefachmann (Heinz Margot) und einem netten Trottel, der sich für alles hergibt (Roland Suter). Natürlich fällt es den Dreien erst einmal ziemlich schwer, sich untereinander zu verständigen.

Der Werbefachmann aus Zürich möchte mit der grossen Kelle anrühren, hat eine Videopräsentation vorbereitet, die wenig mit der Fasnacht zu tun hat und gibt sich so unangenehm zürcherisch, dass es klischierter gar nicht geht. Der Kulturforscher hingegen möchte die Fasnacht bis ins kleinste Detail sezieren, unbedingt auch den Tod und die Vergänglichkeit thematisieren, während der nette Trottel eigentlich gar keine Ahnung von Fasnacht hat: Erst zweimal ist er als Vortraab mitgelaufen.

Mit dabei ist auch das «Mädchen für alles», wechselnd Bettina Urfer und Barbara Schneebeli. An Gitarre, Klavier und einmal auch Xylofon begleiten sie die drei musikalisch oder dürfen auch mal das Telefon reichen. Die Lieder sind durchweg neu getextete Hits, von Matters «Zündhölzli» bis «Looking For Freedom» von David Hasselhoff.

Schliesslich kündigt sich der Vertreter der Unesco schon für diesen Abend an und sie geraten unter Zugzwang. Flugs mimen sie drei Regierungsräte zur Begrüssung, stellen die Trinationalität der Fasnacht mit Büttenredner, Elsässer Bauer und Basler Polizist unter Beweis.

Klassisches Herren-Kabarett

Einmal bezeichnen sie sich selbst als «e zämmegwyrflete Huffe». Das trifft es ziemlich genau. Der Abend folgt grundsätzlich der Dramaturgie eines klassischen Herren-Kabaretts. Schon der Anfang ist bezeichnend. Wechselnd kommen sie auf die Bühne und suchen den Lichtschalter. Dann halten sie einander für den Haustechniker, bis die Dame dann das Licht anmacht. Wirklich erhellend ist dies aber nicht, eher altbacken und vorhersehbar. Zu wenig Schabernack also und schon gar kein Lumpenpack.

Sehenswert machen den Abend die drei Darsteller. Wenn Walo Niedermann auf Baseldytsch schwadroniert und seine Geschichte vom Fritzli Geraldo mit dem Lutschdaumen erzählt, ist das anrührend und sehr komisch. Auch Margots Sepp Blatter-Imitation hat eine hohe Qualität. Roland Suter als Vortraabs-Depp sorgt über die ganzen eineinhalb Stunden für präzise Lacher und Pointen; auch, wie sie gekonnt Wörter im falschen Zusammenhang verwenden, zeugt von hoher Kunst. Den Höhepunkt bildet schliesslich ihre Darstellung des Comité als unterbelichtete Arbeiter nach dem Vorbild entsprechender Low-Budget-Werbungen aus dem regionalen Fernsehsender.

Das grosse Manko ist die eindimensionale und nicht wirklich ausbaufähige Geschichte. Am stärksten sind die Momente, in denen sie in sinnlosen Klamauk abdriften und den Erzählstrang ganz verlassen. Dies geschieht leider viel zu selten. In erster Linie werden Klischees bedient, zahme Seitenhiebe auf die regionale Politik serviert und lustige Lieder gesungen. Man wird das Gefühl nicht los, das da noch mehr dringelegen wäre – als habe die Zeit gefehlt, an den Details zu schleifen.

Dem Publikum gefiels

Natürlich drängt sich der Vergleich mit den ehemaligen Wirrlete-Kollegen auf, die am Donnerstag ihr Rämpläm präsentierten. Auch dort war nicht alles ausgegoren, aber so energiegeladen und verspielt, dass das keine Rolle spielte. Demgegenüber ist «Schaabernagg und Lumpepagg» abgezirkelter, klarer gesetzt und brav. Dem Publikum gefiel das am Sonntagabend grösstenteils aber sehr gut.

«Schaabernagg & Lumpepagg» bis 6. Februar im Teufelhof. Täglich jeweils 20.30 Uhr.