«2016 war ein schwieriges Jahr», betonte Thomas Haagensen, kommerzieller Direktor Nordeuropa von Easyjet, am Mittwoch an der Medienkonferenz der Fluggesellschaft in Basel. Er meinte damit unter anderem Streiks, Terroranschläge und die Witterung. Nichtsdestotrotz hat Easyjet auf dem Euro-Airport (EAP) weiter zugelegt. Mit 4,6 Millionen Passagieren haben 2016 400 000 mehr Kunden den Billigflieger genommen als im Vorjahr – das ist eine Steigerung von immerhin neun Prozent bei einer guten Auslastung von 93,1 Prozent.

In Bezug auf die Passagierzahlen hat Easyjet auf dem EAP einen Marktanteil von 60 Prozent. Dieser soll auch 2017 weiter wachsen. Die Fluglinie will dies nicht nur mit den beiden neuen Destinationen Biarritz und Dubrovnik erreichen, die ab Ende Juni angeflogen werden. Neben dem Ausbau des Airbus A-320 um sechs Sitzplätze sollen die Zahlen vor allem durch die Erhöhung der Frequenzen bei 23 der insgesamt 56 Destinationen ab EAP zunehmen.

Vor allem Ehepaare ohne Kinder

«Das ist vor allem für unsere Geschäftskunden wichtig», erläuterte Haagensen. Diese stellen 18 bis 20 Prozent der Flugkunden. Die wichtigste Kundengruppe sind allerdings mit einem Drittel der Buchungen Ehepaare ohne Kinder, die für zwei bis vier Tage verreisen. Gefolgt werden sie von Pensionierten, die zum Beispiel ein Haus auf Mallorca haben, und Familien mit Kindern. Die Kunden kommen zu 55 Prozent aus der Schweiz, zu 25 Prozent aus Frankreich und zu 20 Prozent aus Deutschland. Insgesamt bucht jeder Fünfte regelmässig die gleiche Destination. Am gleichen Tag hin- und zurückfliegen kann man bei acht Zielen.

Weiterhin nicht nach Stockholm

Die wichtigsten Routen bei den Städtereisen sind London, Berlin und Barcelona. Im Winter laufen die Kanarischen Inseln, Madeira mit dem Flughafen Funchal und Larnaca auf Zypern gut. Neue Ziele wollte Haagensen nicht nennen. «56 Routen sind viel, aber es gibt noch Potenzial. Die Liste ist lang und wir prüfen ständig.» Ab EAP beschränkt sich Easyjet in Skandinavien weiterhin auf Kopenhagen – Flüge nach Stockholm sind derzeit nicht möglich.

Easyjet ist seit 2005 in Basel vertreten und hat auf dem EAP mittlerweile 340 Mitarbeiter und neun Flugzeuge stationiert. Ob ein zehntes kommt, werde frühestens 2018 entschieden, sagte Haagensen. Die Lösung des Steuerstreits um den Flughafen gehe in die richtige Richtung. «Wir brauchen Klarheit», betonte er und verdeutlichte, dass Easyjet mit dem Kompromiss leben könne.

Zu den Folgen des Brexits befragt, sagte Haagensen: «Wir wissen noch nicht, was er für uns bedeutet.» Auswirkungen auf Easyjet Switzerland, über das 60 Prozent der Flüge in der Schweiz laufen, werde es aber nicht haben. Denkbar sei neben London und der Schweiz eine weitere Gesellschaft mit Sitz innerhalb der EU.

Haagensen betonte auch die Wichtigkeit von Easyjet für den Tourismus: «Über 50 Prozent unserer Fluggäste kommen nach Basel.» Interessant ist auch, dass es 23 000 Buchungen ausserhalb von Europa gibt. 8000 stammen aus den USA und 1000 aus Südkorea. Sie reisen über die grossen Hubs wie London und Amsterdam nach Europa an.

Von den Buchungen werden derzeit 20 Prozent über die mobile App von Easyjet getätigt. Wichtig bleibt die technologische Innovation. So hat Easyjet seit Anfang 2016 das erste Flugzeug mit einem Aschedetektor ausgestattet, «um Luftraumsperrungen im Falle einer Vulkaneruption zu verhindern und die damit verbundenen Störungen am Boden zu verringern», wie es im Mediendossier heisst.

Ab Mitte 2017 wird Easyjet seinen ersten Airbus A-320neo in Betrieb nehmen. Durch die neuen Triebwerke kann der Treibstoffverbrauch um 15 Prozent gesenkt werden. «Ausserdem wird der Fluglärm um über 50 Prozent reduziert», lobte Haagensen. Easyjet wird in den nächsten fünf Jahren 130 A-320neo in Betrieb nehmen. Wann die ersten die Schweiz beziehungsweise den EAP anfliegen, ist allerdings noch nicht bekannt.