Ausstellung

«Echte Burgen – falsche Ritter?» im Historischen Museum Basel

Das Historische Museum Basel.

Das Historische Museum Basel.

Burgen und Rittern widmet sich das Historische Museum Basel in einer neuen Sonderausstellung. «Echte Burgen - Falsche Ritter?» in der Barfüsserkirche beleuchtet Fantasie und Wirklichkeit und die Ritter- und Burgenwelt der Region Basel.

Dem Burgfröilein schwindelts. Die Burg ist etwas wacklig, es hält sich zitternd an den Zinnen fest. Unter ihr gehts geschätzte sieben Meter in die Tiefe. Doch kein rettender Ritter weit und breit. Nur ein Museumsangestellter, der grummelt: «Jeder geht hier auf eigene Verantwortung rauf, ich hol da sicher niemanden runter.»

Romantik und Realität prallen ständig aufeinander in «Echte Burgen - falsche Ritter?», der neuen Sonderausstellung im Museum der Geschichte des Historischen Museums Basel. Heute Abend wird sie eröffnet, Medienleute durften gestern schon auf ihre Burgen staksen und unter ihre Ritterhelme schlüpfen.

Grossartig gemacht ist diese Ausstellung, das fällt als Erstes auf. Zum ersten Mal wird das Schiff der Barfüsserkirche von einer Sonderausstellung schön ausgenützt. Drei Burgen ragen hier in die Höhe, von denen man eine besteigen kann: Ein Gerüst, unprätentiös verdeckt von einer grauen Plache in Burgform. Von hier oben hat man eine ganz neue Perspektive auf den Innenraum dieser enormen, gotischen Kirche.

Die dicken Mauern, die hallende Akustik und die Schwierigkeit, diesen riesigen Raum zu beheizen - all das erinnert an eine Burg. Raum und Ausstellung verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Die neue Museumsdirektorin Marie-Paule Jungblut hatte im Gespräch mit der bz im vergangenen Winter nicht zu viel versprochen, als sie ankündete: «Die Barfüsserkirche ist ein starker Raum, das heisst: Wir müssen eine starke Ausstellung hineinspielen.»

Von König Artus bis Darth Vader

Minnesänger, die stundenlang Gedichte vortragend vor den Kammern ihrer Geliebten ausharren. In 45-Kilo-Rüstungen verpackte Helden auf Pferden. Orgien in Prunksälen. König Artus' Tafelrunde, Jeanne d'Arc, Georg der Drachentöter, Parsifal, Batman, Darth Vader. Unser Bild des Ritterlebens ist geprägt von Sagen, Fantasyromanen und Hollywood. Diese Verklärung des Mittelalters ist aber kein modernes, sondern ein Jahrhunderte andauerndes Phänomen. Mindestens seit dem 18. Jahrhundert werden Burgen verherrlicht gemalt und beschrieben und wird den Tugenden ihrer Bewohner nachgeeifert.

Das ist eine der Erkenntnisse der Ausstellung. Sie greift Klischees auf, hinterfragt sie und klärt auf über die oft viel langweiligere bis traurige Realität. Viele Burgbewohner hatten wenig Zeit für Minne oder Heldentum. Die meiste Zeit mussten sie sich darum kümmern, dass es mit der Landwirtschaft rundum klappt - um ihr eigenes und das Überleben ihrer Untertanen zu sichern. Doch trotz der Klarstellung solcher Fakten lässt die Ausstellung die romantischen Ritterfantasien weiterhin zu. Das ist ihre besondere Stärke.

Basel einst burgenreichste Region

In der Region Basel lebten einst besonders viele Ritter: «Die Region gehört zu den burgenreichsten Landschaften der Welt», sagt Ausstellungskuratorin Pia Kamber. Eine Burgenlandkarte zeigt gut über 100 Burgen, die einst in unserer Region standen oder noch stehen - wenn auch oft nurmehr als Ruine. Zuletzt wohnten auf ihnen von der Stadt eingesetzte Vögte, welche die Steuern der Baselbieter eintrieben.

Die Ausstellung verweist immer wieder über sich hinaus: auf die Gegenwart - die andauernde Spannung zwischen Stadt und Land - und auf die nahe Umgebung. Sie macht Lust, sich die übrig gebliebenen Burgen mit neuen Augen anzuschauen - nicht zuletzt dank der Ausflugstipps im schön gestalteten Magazin zur Ausstellung.

Spätestens ab dem 14. Jahrhundert begann der Niedergang der Ritter. Ihr Lebensstil war zu kostspielig geworden, die Bürger in den Städten dagegen holten dank florierendem Gewerbe und Handel auf. Sie übernahmen allmählich auch die Verteidigung der Stadt. Die verarmten Ritter wurden obsolet. Bald dienten sie vor allem reichen Leuten als Projektionsfläche für eigene Träume. Das Museum zeigt, wie etwa reiche Basler Seidenfabrikanten einen Rittersaal aufpolierten, sich dort gern trafen und mit Graf ansprachen.

Die Archäologie Baselland hat stark an dieser Ausstellung mitgewirkt. Reto Marti, deren Leiter, zeigt von seinem Team gefertigte 3-D-Modelle von regionalen Burgen. «Das ist der neuste Stand der Forschung weltweit, also der neuste Stand des Irrtums», sagt er, «vielleicht wird man die Modelle zwei, drei Generationen später ändern müssen».

Echte Burgen - falsche Ritter? Die dreisprachige Ausstellung wird heute um 18 Uhr eröffnet und dauert bis 29. Juni 2014. Sie wird von Ritterspielen etc. begleitet. Programm unter www.hmb.ch

Meistgesehen

Artboard 1