«Hallo Chef!», ein Hafenarbeiter winkt Eduard Rutschmann von weitem zu. Hier kennt man ihn noch, den Edi. Den Grenzwächter, der zehn Jahre für den Basler Hafen zuständig war. Schiffe, deren Ladung und deren Personal kontrollieren. Das war sein Leben. Vor zwei Jahren wurde Rutschmann pensioniert. Mit 58. Früher konnte man das noch bei der Grenzwache, sagt er. Aber zu früh war es. «Mit 58 ist man noch voll im Saft.» Dafür will er jetzt Basler Regierungsrat werden. Gesundheitsdirektor Carlo Conti tritt ab.

Am Sonntag in zwei Wochen sind Wahlen. Der Basler Grossrat, Riehener Einwohnerrat und SVP-Vizepräsident Rutschmann will jetzt für seine Partei erstmals einen Regierungssitz erobern.

Die Umstände seiner Kandidatur haben in Basel aber erst mal für Gespött gesorgt. Ursprünglich nominierte die SVP den Arzt Thomas Egloff. «Wir waren überzeugt: Er ist ein guter Mann», erzählt Rutschmann. Als die Wahl näher rückte und die Journalisten anfingen, bei Egloff für Interviews anzuklopfen, antwortete dieser nicht. Stattdessen informierte Egloff seine Partei, dass er doch nicht antreten wolle.

Die SVP hielt eine Dringlichkeitssitzung ab, Rutschmann war per Telefon zugeschaltet. «Irgendwann kamen wir zum Schluss: Nur ich kann antreten», blickt Rutschmann zurück.

Kein Zürcher Hardliner

Ausgerechnet er, der Edi. Von vielen wird er belächelt. Im Grossen Rat ist er vor allem für seine launig-populistischen Reden bekannt. Anfang Jahr wollte er in den Riehener Gemeinderat gewählt werden – und scheiterte. «Chancenlos» sei er, schreiben die Medien, ein «Alibikandidat». Stören tut ihn das nicht, sagt Rutschmann.

Hat er manchmal das Gefühl, er werde unterschätzt? «Es ist gar nicht so schlecht, wenn man unterschätzt wird», antwortet der gelernte Automechaniker, «man kriegt manchmal eher, was man will.»

Der 60-Jährige vereint viele Gegensätze: Er grilliert leidenschaftlich gern, isst aber kein Fleisch («nur Fisch!»). Er ist oft im Schwarzwald anzutreffen, sagte aber Ja zur Masseneinwanderungsinitiative. Kann er damit überhaupt ein glaubwürdiger Gesundheitsdirektor sein?

Die Folgen der Abstimmung vom 9. Februar sind für die Basler Pharma doch katastrophal! Rutschmann winkt ab. Das werde überschätzt. «Wir wollen ja nur, dass die Firmen sich erst im Inland umschauen, bevor sie im Ausland billige Fachkräfte in die Schweiz holen.»

Überhaupt: Er sei kein Zürcher Hardliner, sagt er mit Blick auf jenen Flügel innerhalb der SVP, der seit Jahren den Ton angibt. Er sei öV-Freak und findet es wichtig, dass die Basler Jugend einen Ort hat, wo sie sich austoben kann.

Gegen die Cannabis-Legalisierung

Und warum sollte man dem Rutschmann denn nun die Stimme geben? «Bei dieser Wahl geht es um Bürgerlich gegen Mitte-Links.» CVP-Kandidat Lukas Engelberger sei nur in Finanzfragen bürgerlich, GLP-Frau Martina Bernasconi sowieso nicht. Wenn er gewählt wird, hofft Rutschmann, dass der jetzige Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels das Gesundheitsdepartement übernimmt. «Dort kann er nichts kaputt machen wie mit dem Verkehrskonzept in der Basler Innenstadt.»

Wenn nicht, dann gebe es im Gesundheitsdepartement genug zu tun. Zum Beispiel in der Drogenpolitik. «Die Fixerstübli helfen den Drogensüchtigen nicht, aus dem Drogenmilieu loszukommen. Sie helfen ihnen, drinzubleiben.» Auch die sich anbahnende Cannabis-Legalisierung will er bekämpfen. Mit den Nachbarkantonen will er hart verhandeln: «Es kann nicht sein, dass die Baselbieter und Aargauer weniger Prämien zahlen, aber zu uns ins Spital kommen.»

Aber eben: Erst muss er am 18. Mai mal gewählt werden. Er gilt als Nummer drei hinter Engelberger und Bernasconi. Rutschmann holt zu einer letzten Anekdote aus: «Ich spielte früher Fussball, war Ersatzspieler. Einmal wurde ich zehn Minuten vor Schluss eingewechselt und erzielte das Siegtor.» Und was beim FC Polizei klappt, sollte auch in der Politik möglich sein.