Direkt am Barfüsserplatz, gegenüber dem Grand Café Huguenin, einen Stock über dem Restaurant Centro: Es ist diese zentrale Lage an der Streitgasse in der Basler Innerstadt, welche die beiden in der Region bekannten Pädagogen Lukas Alt und Pascal Ryf zu Höhenflügen anspornt. Kaum haben Alt und Ryf die Nachhilfe- und Schülercoaching-Stiftung «Fit4school» mit Standorten in Basel, Binningen und Reinach etabliert, weiten sie ihren Tätigkeitsbereich mit einem ergänzenden Standbein aus.

Sollen mit den Nachhilfe-Kursen von Fit4school Schülerinnen und Schüler zum stressfreien Lernen und Schulerfolg befähigt werden, widmet sich der neu gegründete, gemeinnützige Verein «Educampus» der Tagesstruktur und ausserschulischen Bildung an freien Nachmittagen und in den Ferien.

24 verschiedene Kursangebote sind es derzeit, die seit vergangenem November online belegt werden können. Ein besonderer Renner sind laut Ryf die Computerkurse, die bis auf zwei Ausnahmen bereits ausgebucht sind. 

Mit Lust, Spass und anderen Kindern Neues erlernen und das eigene Wissen dank «schulergänzender Bildung» vertiefen: Diesen Leitspruch hat sich Educampus auf die Fahnen geschrieben. «Wenn Kinder aus Haushalten kommen, wo es nicht viele Aktivitäten gibt, dann können die Kinder bei uns neue Fähigkeiten entdecken oder weiterentwickeln», wirbt Ryf für seinen Verein. Neben Vereinspräsident Ryf und Vizepräsident Alt ergänzt Aktuarin Simone Casagrande den Vorstand. 

Die Kurse stehen allen Kindern ab dem Kindergartenalter während der unterrichtsfreien Zeit und in den Schulferien offen. Das Angebot reicht vom Programmieren eigener Computerspiele, über die naturwissenschaftliche Experimentierwerkstatt bis zum Fotografieren, umfasst aber auch Eltern-Kind-Deutschkurse oder Lehrstellen-Bewerbungscoaching.

Diesen Mittwochvormittag stellte sich der Verein in Basel den Medien vor, ehe der Kursbetrieb in den Osterferien so richtig losgeht.

Tendenziell tiefere Preise

«Die erste Volkshochschule für Kinder und Jugendliche der Schweiz», nennt die St. Galler Pädagogin Eveline Schwarz das Basler Projekt überschwänglich. Nur, um umgehend von Ryf korrigiert zu werden: «Wir sind ein Kinder- und Jugendcampus. Der Begriff Volkshochschule ist bereits anderweitig belegt.»

Schwarz zeichnet als Kursleiterin bei Educampus für ein aussergewöhnliches Angebot verantwortlich: die Kursreihe «5vor12, bei Kids das finanzielle Genie wecken». In 16 Lektionen sollen Kinder ab 10 Jahren eine eigene Finanzkompetenz und -verantwortung entwickeln und so die später drohende Jugendverschuldung umschiffen. Je nach Art des Kurses, ob im zweitägigen Sommerferien-Block oder verteilt über schulfreie Mittwochnachmittage, kostet er zwischen 430 und 640 Franken.

Damit bewege man sich tendenziell unter den marktüblichen Preisen, geben Alt und Ryf zu Protokoll. Ein Grundgedanke des Vereins  sei die Chancengerechtigkeit für alle Kinder, der möglichst offene Zugang zur Vertiefung des eigenen Wissens. «Das Finanzielle soll nie ein Grund sein, dass Kinder unsere Kurse nicht besuchen können», betont der Oberwiler Ryf, der soeben mit einem Top-Resultat als CVP-Landrat wiedergewählt worden ist.

Erhielt Educampus seine Anschubfinanzierung durch eine Aktiengesellschaft, soll nun dank Spenden und Gönnern ein Fonds geäufnet werden, der finanzschwachen Familien einen Teil der Kurskosten abnimmt, erklärt Lukas Alt das weitere Vorgehen.

Kurs für Poetry Slam

Mindestens ebenso aussergewöhnlich wie die Kinder-Finanzkurs ist, was Dominik Muheim und Sarah Altenaichinger unter dem Dach von Educampus vorhaben. Die beiden bekannten und preisgekrönten Slam-Poetry-Cracks wollen ihre Kunst der Wortakrobatik unter Zeitdruck an möglichst viele Kinder und Jugendliche weitergeben. An der Medienkonferenz am Mittwochvormittag gaben beide eindrückliche Kostproben ihres sprachlichen Könnens ab.

Da die Kursanmeldung freiwillig sei, werde die Motivation des Poetry-Slam-Nachwuchses sicher höher als in den Schulbesuchen sein, die Muheim und Altenaichinger ebenfalls absolvieren, unkt Ryf. Übrigens verzeichnet dieser Tage Dominik Muheim an der Zertifikatsversammlung der Basellandschaftlichen Kantonalbank seinen bisher grössten Publikumsauftritt.

Zusammenarbeit mit dem Erziehungsdepartement

Laut eigenen Angaben offene Türen rennt Educampus schliesslich mit seiner geplanten Tagesstruktur ein. Die Tagesbetreuung für Kindergarten- und Primarschulkinder von 12 bis 18 Uhr samt Mittagstisch wird am 12. August seinen Betrieb aufnehmen – ebenfalls in den eingemieteten Educampus-Räumlichkeiten an der Streitgasse gleich neben dem Barfi. Mit den beiden erfahrenen Kita-Leiterinnen Käthy Stutz und Melanie Schneider glauben Alt und Ryf das ideale Leitungsteam gefunden zu haben. 

Da «genau ein solches Angebot Mitten in der Innerstadt bisher gefehlt hat, hat das Basler Erziehungsdepartement bereits sein Interesse an einer engen Zusammenarbeit signalisiert», erklärt Ryf mit einigem Stolz. Weitere Gespräche seien bereits anberaumt.

Die Educampus-Macher erinnern daran, dass der Kanton Basel-Stadt von Gesetzeswegen je nach Familienverhältnissen bis zu 90 Prozent der Tagesstrukturkosten übernimmt. Wenn sich Educampus dank einer engen Vernetzung mit anderen Organisationen, Schulen und Firmen seinen Platz in der hiesigen Bildungslandschaft sichern will, dann könnte sich der «halb-offizielle» Anstrich durch eine Kooperation mit dem Stadtkanton als besonders wertvoll erweisen.