Montagmorgen, 8.45 Uhr: Die Spieler der Basel Sharks verlassen geschlossen das Arena-Restaurant. Die meisten tippen mit versteinerten Mienen auf dem Handy herum, der Gruss fällt nüchtern, verschlossen aus. Das verheisst nichts Gutes. «Das darf doch nicht wahr sein», tönt es aus der Gruppe, die wie eine Schulklasse mit hängenden Köpfen in Richtung Kabinen trottet.

Gleiches Bild im Mediensaal der St. Jakob-Arena, sechs Verwaltungsräte stehen oder sitzen mit gesenktem Haupt da, die Blicke in die Ferne oder auf den Boden gerichtet. Das Kumulieren der beiden Momentaufnahmen erinnert an eine Beerdigung, betroffene, traurige, stille Gesichter. Die Türen zu den Büros der Geschäftsstelle bleiben geschlossen, ausser dem Geschäftsführer der Young Sharks, Daniel Baur, ist kein Geschäftsleitungs-Mitglied anwesend. Ein alarmierendes Zeichen...

9.02 Uhr: VR-Präsident Matthias Preiswerk bestätigt die schlimmsten Befürchtungen. Mit den Worten, er habe nichts Gutes zu berichten, eröffnet er die folgenschwere Medienkonferenz. Der Verwaltungsrat habe beschlossen, so Preiswerk, sichtlich betroffen, die Bilanz zu deponieren.

Aus und vorbei! Spitzeneishockey in der Nordwestschweiz ist Geschichte. Ein Schlag ins Gesicht der Schweizer Eishockey-Szene, der Fans, aber vor allem der Spieler, die seit Wochen an ihrer Kondition büffeln und in gutem Glauben neue Verträge unterschrieben haben.

Matthias Preiswerk nennt die Gründe, die den VR zu diesem unerwarteten Schritt veranlasst haben: «Der Verwaltungsrat ist nicht mehr bereit, die jährlichen Löcher in siebenstelliger Millionenhöhe zu decken.» Die Finanzierbarkeit des Unternehmens EHC Basel Sharks sei seit Jahren schwierig gewesen, nun sei der Moment gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Preiswerk spricht von viel Geld, das aus dem Umfeld des Verwaltungsrates in die Sharks investiert worden sei, aber auch von noch mehr Herzblut. Er bedaure diesen Schritt ausserordentlich und danke allen, die mitgeholfen haben, «in den letzten sechs Jahren, als wir den Verein übernommen haben, das Schiff über Wasser zu halten.»

Ein Dank, der an der Wand der Trauer abprallt und zurückhallt. Was denken sich wohl die Spieler, die nur wenige Meter vom Mediensaal aus in der Garderobe sitzen und fassungslos sind. Sie alle sind seit einer halben Stunde arbeitslos, Existenzängste kommen auf, denn mitten im Sommer wird es den meisten schwer fallen, einen neuen Club zu finden.

Ein einziges positives Votum betrifft den Nachwuchs: Obwohl die erfolgreichen Young Sharks AG eine Tochtergesellschaft sind und damit mit der «Mutter-Gesellschaft» in Konkurs gehen werden, geht Matthias Preiswerk davon aus, «dass die schuldenfreie Nachwuchsabteilung und auch das Regio-Team weiterbestehen können.»

Preiswerk führt auch die gescheiterten Verhandlungen und Bittstellen auf gesellschaftlichem und sportpolitischem Gebiet – unter anderem mit der Stadion-Genossenschaft und den Regierungen beider Basel – als Grund für den Knockout auf.

Noch einmal betont er, dass eine Übernahme der St.Jakob-Arena durch die Sharks – mit Stadion-Managements und allen Vermarktungsrechten – wahrscheinlich der einzig gangbare Weg gewesen wäre und fügt bei, dass jedoch die St. Jakobhalle wenig Interesse an zusätzlichen Events «gleich nebenan» gehabt habe.

Eine knappe halb Stunde dauert der Spuk, Preiswerk beendet die Medienkonferenz mit einem Dank an seine Mitstreiter aus dem VR, «auf die ich keine Kritik kommen lasse. Wer will, kann mich als Sündenbock hinstellen.» Nützen wird's niemandem...

Der Irrungen und Wirrungen rund um das Aus der Sharks sind viele, doch das dürfte die Spieler wenig kümmern. Die meisten von ihnen sind fassungslos. Verteidiger Stefan Flückiger schüttelt den Kopf: «Ich kann's nicht fassen.» Louis Heinis ist «masslos enttäuscht und sauer, wie soll man mitten im Sommer einen neuen Verein finden?»

Und Goalie Urban Leimbacher spricht von einem Schock. Er verstehe den Zeitpunkt des Entscheides nicht: «Man wollte immer eine starke Mannschaft, vor der sich alle in Acht nehmen müssen. Jetzt hätten wir ein gehabt», sagt er und spricht von einem «Super-Sommertraining und einem Super-Zusammenhalt, den sich die Mannschaft in den letzten Wochen aufgebaut hat.»

Derweil packen die meisten Spieler ihre Siebensachen in der Garderobe zusammen und trotten mit Sack und Pack Richtung Einstellhalle und in eine ungewisse Zukunft davon – ein trauriges Bild.