«Schock des Lebens», «ich überlege mir, nach Zürich auszuwandern», «sprachlos». So kommentiert der Anhang der EHC Basel Sharks das traurige Ende ihres Clubs im Online-Forum. Für die – zugegebenermassen nicht sehr zahlreichen – Eishockey-Fans der Region Basel ist eine Welt untergegangen. Seit gestern Morgen gibt es keine Profi-Mannschaft mehr, die sie unterstützen können. Obwohl die Besitzer jedes Jahr ein Millionenloch stopften, blieben Zuschauer und Erfolg aus. Ein Umstand, den auch der Basler Sportdirektor Christoph Eymann und seinen Baselbieter Amtskollegen Urs Wüthrich schmerzt: «Als Emmentaler bin ich praktisch auf Schlittschuhen aufgewachsen», sagt Wüthrich.

Eymann muss sich derweil wehren – und zwar gegen Vorwürfe aus dem EHC-Umfeld. Investor Matthias Preiswerk hätte die St. Jakob-Arena, das Heimstadion der Sharks, gerne gekauft und selbst vermarktet. Nur so sah er eine Überlebenschance für den darbenden Hockey-Club. Aus Liestal kam laut Preiswerk schnell eine wohlwollende Antwort, aus Basel aber nicht. Das 25 Millionen teure Gebäude wurde zu grossen Teilen aus Sportlotterie-Geldern der Kantone Basel-Stadt und Baselland gebaut.

Eymann: «Wir waren bereit»

Eymann, der seit letzter Woche vom Ende der Sharks weiss, wehrt sich: «Wir waren verhandlungsbereit.» Zwei Voraussetzungen sollten bei einem Verkauf aber erfüllt sein. Erstens: Die St. Jakob-Arena darf die unmittelbar angrenzende St. Jakob-Halle als Event-Standort nicht konkurrenzieren. Und zweitens: Eymann wollte eine Garantie, dass die Arena auch künftig dem Sport zur Verfügung steht. «Das ist vernünftig», begründet der Basler Sportdirektor, «sonst hätte Herr Preiswerk das mit öffentlichen Geldern finanzierte Stadion nächstes Jahr einfach so weiterverkaufen können.» Daraufhin, so Sportdirektor Eymann, habe er nichts mehr von Matthias Preiswerk gehört.

Hätte, wäre, könnte. Es hilft alles nichts: Die Sharks sind Geschichte. Was bleibt ist das Stadion, an das bei seiner Eröffnung 2002 so viele Hoffnungen geknüpft wurden. Betrieben wird es von der Genossenschaft St. Jakob Arena. «Es wird interessant sein zu sehen, was sie aus der Halle macht», sagt Christoph Eymann. Er gibt zu verstehen, dass der Kanton Basel-Stadt kein Interesse daran hat, das Stadion zu übernehmen. Eymann wünscht sich vielmehr, dass die Arena weiter als Eishalle genutzt wird. Was wäre das Schlimmste, das passieren kann? «Dass die Arena leer-steht und verlottert.»

Löhne der Eismeister gesichert

Momentan ist das Stadion eisfrei. Das, so versichert Edi Zeller, habe aber nichts mit dem Ende der Sharks zu tun. «Wir mussten abtauen, um Revisionsarbeiten vorzunehmen.» Er verspricht: Ab August kann wieder Eishockey gespielt werden. Zeller wird heute zum Genossenschaftspräsidenten der St. Jakob-Arena gewählt. Ist das nicht ein Himmelfahrtskommando? «Wir haben ein hervorragendes Gebäude, sind als Genossenschaft gesund und haben gute Mantelnutzer», entgegnet der ehemalige EHC-Basel-Spieler. Die Löhne der drei Eismeister könnten bezahlt werden. Mit dem Nachtclub A2 sowie der eingemieteten Geschäftsstelle des FC Concordia und der Uni Basel kommt etwas Geld rein. «Das Ende des Profibetriebs ist aber ein bedeutender Schlag», räumt Zeller ein.

Ob die St. Jakob-Arena als Eishalle weiter bestehen kann, hängt nun von den anderen Nutzern ab: Eiskunstläufer, Amateur-Hockey-Clubs und – vor allem – den Young Sharks. «Sie alle wollen mehr Eis», sagt Zeller. Die Nachwuchsabteilung der EHC Basel Sharks hat einen guten Ruf und ist offenbar nicht vom Konkurs des Profi-Vereins betroffen. Bisher belegten die Junioren das Eis zu etwa zwei Dritteln. An die Zukunft der Young Sharks ist folglich auch die Zukunft der St. Jakob-Arena geknüpft.

Es geht also weiter – irgendwie. «Wir sind Eishockey-Spieler», sagt Zeller mit einer Spur Trotz, aber ganz viel Stolz in der Stimme, «wenn wir verlieren, stehen wir wieder auf.»