Es war ein historischer Entscheid: Der Deutsche Bundestag akzeptierte im Sommer die Homo-Ehe. Könnte Deutschland in dieser Hinsicht ein Vorbild für die Schweiz sein? Und wenn ja, wie wachsen Kinder in Regenbogenfamilien bei zwei gleichgeschlechtlichen Eltern auf? Unter anderem über diese Fragen wurde am Dienstagabend in der Offenen Kirche Elisabethen diskutiert. Die Veranstaltungsreihe «Basel im Gespräch», die von der bz mitorganisiert wird, ging mit dem Thema «Ehe für alle – Familie für alle?!» in die nächste Runde.

Moderiert vom Journalisten und Theologen Frank Lorenz diskutierten Interessensvertreter und Fachleute. Auch das Publikum bringt immer wieder Argumente und bewegende Lebensgeschichten ein. Beim sogenannten offenen Mikrofon konnten sich die Zuhörer melden und ihre Meinung in die Runde einbringen. Maria von Känel, Geschäftsführerin Dachverband Regenbogenfamilien, lancierte den Anlass mit folgender Anmerkung: «Kinder brauchen Liebe und Geborgenheit, und das kann ihnen unabhängig vom Geschlecht oder der Sexualität der Eltern gegeben werden.» Auch Brigitte Contin-Waldvogel, Chefärztin und Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland, stellte sich hinter diese Aussage. Es käme auf ein wohlwollendes Umfeld an. Sie habe noch nie negative Auswirkungen auf Kinder homosexueller Paare festgestellt.

Schwulenpapst übt Kritik

Nicht einverstanden mit der Argumentation war Peter Thommen, was vom selbsternannten Basler Schwulenpapst überraschend kam. «Kinder ertragen alles, nur Lügen nicht». Diese kämen in homosexuellen Beziehungen und besonders in Beziehungen zwischen zwei Männern vermehrt vor. Schwulenpartnerschaften würden sich stark von Beziehungen zwischen Mann und Frau unterscheiden und würden oft auch nicht so lang halten. Deshalb könne er sich mit dem Konzept «Regenbogenfamilie» nicht hundertprozentig anfreunden. Mit der Aussage «nicht alles muss gleich sein, aber alle müssen gleichwertig sein» traf er dann aber den Nerv der Zuhörer.

Junge sind konservativer

Andreas Walker, der unter anderem als Präsident von Swissfuture amtiert, sprach über die Entwicklung von Beziehungen innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte. Er beobachtet, dass die Jungen heute wieder konservativer geworden seien. Es gebe einen «Trend zum Neobiedermeier». Zudem glaubt Walker, dass für ein Kind der Bedarf nach Liebe und Geborgenheit gedeckt sein muss, dies aber nichts mit der sexuellen Orientierung der Eltern zu tun habe.

Zum Schluss ergriff Axel Schubert, Mitglied und ehemaliger Vorstandssprecher von «habs queer Basel», das Wort. Er vertrat die Meinung, dass die Gesellschaft sich nicht zum Positiven weiterentwickeln könne, wenn die Leute nicht aufhören würden, das Glück im Kleinen zu suchen, zum Beispiel in der Ehe.