Der für die Kultur zuständige Basler Regierungspräsident Guy Morin bestätigte am Dienstag Angaben des Regionaljournals Basel von Radio und Fernsehen SRF, wonach das HMB 2015 ein Defizit von 745'000 Franken verzeichnet hat. Dieser Fehlbetrag ist laut Morin auch in der Rechnung 2015 des HMB aufgeführt, das über ein Globalbudget von jährlich rund zehn Millionen Franken verfügt.

Das Loch in der HMB-Kasse zeichnete sich laut Morin im November 2015 bei einem Zwischenabschluss ab. Diesen hatte Morin im August nach der Trennung von Jungblut bei der Finanzkontrolle in Auftrag gegeben.

Marie-Paule Jungbluts Kommunikations- und Führungsstil wurde von einigen Mitarbeitern kritisiert.

Marie-Paule Jungbluts Kommunikations- und Führungsstil wurde von einigen Mitarbeitern kritisiert.

In den Jahren 2013 und 2014 habe Jungblut das Budget eingehalten und ausgeglichene Rechnungen vorgelegt, sagte Morin. Das Defizit 2015 sei wegen ein oder zwei zu teuren Sonderausstellungen eingetreten. Zudem seien Drittmittel nicht in dem Ausmass eingegangen, wie das die ehemalige Direktorin des HMB erwartet hatte.

Museen kaum kontrolliert

Doch warum wurde die Misswirtschaft im Historischen Museum nicht früher entdeckt? Laut Regierungspräsident Guy Morin gab es keinen Anlass zu Misstrauen. Eine für das Museum zuständige Subkommission der Bildungs- und Kulturkommission des Grossen Rates (BKK) kontrolliere regelmässig die Finanzen. Allerdings verweist BKK-Präsident Oswald Inglin darauf, dass man bei den Stichproben jeweils nur grobe Kennzahlen zu Gesicht bekomme. Detaillierteren Einblick erhielten jeweils zu Jahresende die Finanzkontrolle des Kantons und die Finanzkommission des Grossen Rats.

Unter dem Jahr gibt es also kaum Kontrolle über das Finanzgebaren der Museen. Das sei bis jetzt auch nicht nötig gewesen, so Inglin. So einen Fall wie den von Marie-Paule Jungblut habe er in 12 Jahren Kommissionsarbeit noch nie gehabt. Deshalb gelte es nun, die Kontrolllücken zu schliessen.

Doch der Schaden ist angerichtet. Das Präsidialdepartement verordnet dem Museum einen Sparkurs. Wie gespart werden soll, möchte Guy Morin aber nicht sagen. Ausbaden muss die Sache Gudrun Piller, Interimsleiterin des Historischen Museums.

Die Finanzen seien unter Kontrolle, betont Piller. Es gebe ein Bündel von Massnahmen. Konsequenzen habe der Sparkurs auf die Zahl der Sonderausstellungen und Projekte sowie darauf, wie viel diese kosten dürften: «Wir müssen eben mit den vorhandenen Mitteln auskommen», so Piller.

Rückforderung der Abgangsentschädigung?

Geprüft wird nun, ob von Jungblut die Abgangsentschädigung zurückverlangt werden soll, die sie im Zuge der Trennung im gegenseitigen Einvernehmen vom Kanton erhalten hatte. Für eine Rückforderung musste die ehemalige Direktorin indes laut Morin widerrechtlich und vorsätzlich vorgegangen sein oder grobfahrlässig gehandelt haben.

Über die Höhe der Abgangsentschädigung wollte Morin keine Angaben machen. Es sei Stillschweigen vereinbart worden.

Das HMB verfügt laut dem Regierungspräsidenten über keinerlei Reserven mehr. Man werde nun alles daran setzen, für das laufende Jahr ein allfälliges Defizit möglichst tief zu halten.

Auf jeden Fall solle die neue Direktion finanziell bei null anfangen können, sagte Morin weiter. Wer Nachfolgerin oder Nachfolger von Marie-Paule Jungblut wird, ist noch offen. Das Auswahlverfahren sei im Gang und im Herbst solle ein Vorschlag vorliegen, sagte Morin.

Die 1964 geborene luxemburgische Historikerin Jungblut hatte die Leitung des HMB im August 2012 übernommen. Drei Jahre später kam es zur Trennung, über deren Gründe keine Angaben gemacht wurden. Unter anderem hatte jedoch zuvor das Personal des HMB Vorwürfe gegenüber der Direktion erhoben. (se/sda)