Gründung

Ehemalige Primaballerina reist mit Tänzer in Krisengebiete

Catherine Habasque, eine ehemalige Solistin am Theater Basel, gründete in Basel die Tanzorganisation «Dancers for the World».

Catherine Habasque, eine ehemalige Solistin am Theater Basel, gründete in Basel die Tanzorganisation «Dancers for the World».

Die ehemalige Solo-Tänzerin des Theater Basel, Catherine Habasque, gründet in Basel die Schweizer Sektion des UNESCO International Dance Council. Mit dem Projekt geben Profi-Tänzer Tanzunterricht in Krisengebieten.

Sie tanzte auf den wichtigsten Bühnen der Welt: an der Oper von Paris, am Lincoln Center in New York oder an der Staatsoper Berlin. Nun führt sie der Tanz in den Westen von Georgien – in eine Region, wo es nur wenig Arbeit und Perspektiven gibt. Denn Catherine Habasque ist überzeugt: «Die Welt des Tanzes ist zu stark in sich selbst verschlossen. Es ist an der Zeit, diese auch politisch zu öffnen».

Dafür gründete sie mit 18 weiteren Tänzern die Organisation «Dancers for the World». Es ist die erste Schweizer Sektion des International Dance Council, das unter anderem die Unesco bei Fragen rund um den Tanz berät.

Mit der Gründung einer Partnerorganisation in Basel will Catherine Habasque einen Schritt weiter als das Netzwerk gehen: «Dancers for the World» will aktive und ehemalige Profi-Tänzer in Krisenregionen schicken. «Mit dem Tanz kann der schwierige Alltag aufgebrochen, Aggressivität abgebaut und Träume zurückgegeben werden», sagt die ehemalige Solistin des Theater Basel. Die Reise nach Georgien ist das erste Projekt der neu gegründeten Tanzorganisation. Weitere Kontakte sind auch in Afrika geknüpft.

Mit Körpersprache gegen Schweigen

Neben Catherine Habasque fahren der Modern Dance- und Hip-Hop-Tänzer Kilian Haselbeck und die zeitgenössische Tänzerin Meret Schlegel in die Kaukasusrepublik. Knapp drei Wochen geben sie Workshops, treffen lokale Künstler und organisieren eine kleine Abschlussaufführung.

Die drei Tänzer aus der Schweiz sind unterschiedlich alt. «Unterrichtet eine ältere Lehrerin, animiert das eher auch Frauen im hohen Alter, mitzumachen», sagt Habasque. Es sei durchaus möglich, Tanzworkshops für ältere Menschen durchzuführen. Ist der Körper stark belastet, könnten beispielsweise die Hände das prägende Element des Tanzes sein.

Ihre Choreografien lässt Catherine Habasque in der Schweiz. Sie will mit den Teilnehmern die Bewegungen gemeinsam entwickeln. Wie das funktioniert? Jeder Teilnehmer muss sich beispielsweise eine Situation vorstellen, die ihn wütend machte – und diese in einer Bewegung ausdrücken. «Je nach Umständen kann oder will eine Person gewisse Erfahrungen nicht in Worte fassen. Durch den Tanz können wir ihnen helfen, sich auf andere Art mitzuteilen», sagt Catherine Habasque.

Die Bühne kennt kein Pardon

Die Organisation «Dancers for the World» will Schweigen, triste Alltage und düstere Perspektiven durchbrechen. Die Gründer sehen darin auch eine Möglichkeit, Profi-Tänzern neue Perspektiven zu ermöglichen. Denn die Bühnenwelt kennt kein Pardon; im Alter zwischen 30 und 40 Jahren müssen die meisten ihre Karriere an den Nagel hängen. Für Catherine Habasque geht damit viel verloren: «Tänzer verfügen über eine unglaubliche Disziplin, Empathie und Kraft. Häufig können sie diese in ihrem späteren Berufsfeld nicht mehr voll ausschöpfen.»

Seit acht Jahren arbeitet die ehemalige Solistin als selbstständige Tänzerin und Choreografin. «Seitdem ich nicht mehr an einem Theater angestellt bin, finde ich Abstand zu diesem schwierigen Alltag», sagt sie. Die Angst vor Verletzungen, die Schmerzen der Körperarbeit und das Lampenfieber sei stets präsent und belaste die Tänzer stark.

«Sie müssen ihre ganze körperliche wie auch mentale Energie in ihre Kunst investieren. Nur so bekommt das Publikum die fantastischen Momente zu sehen, die es sich wünscht», sagt Catherine Habasque. Durch den Einsatz in Krisenregionen fänden die Tänzer einen Weg, ausserhalb der Studios und der Bühne etwas zu bewirken – und erschliessen neue Bretter, die eine Welt bedeuten.

Info: Der Internationale Tanztag findet am 29. April statt. «Dancers for the World» bietet gratis Tanz-Workshops für Kinder und Erwachsene in der Elisabethenkirche an.

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