«Ein Restaurationsbetrieb ist nicht möglich!» Das Verdikt zur Ausschreibung der Parterre-Räumlichkeiten an der Feldbergstrasse 47 ist unmissverständlich. Seit mittlerweile rund einem halben Jahr stehen die sanierten Räumlichkeiten des ehemaligen Restaurants Feldberg leer. Immobilien Basel-Stadt (IBS) schreibt das ehemalige Restaurant als «attraktive Gewerbefläche an belebter und hochfrequentierter Lage» aus. Entsprechend wurde bei der Sanierung auch keine Küche mehr eingebaut. Doch: Der Kanton hat Mühe, einen neuen Mieter zu finden.

Immobilien Basel-Stadt bezieht sich beim Ausschluss eines Beizenbetriebs auf das «Mitwirkungsverfahren», welches das Immobilienamt zusammen mit dem Stadtteilsekretariat Kleinbasel bereits 2013 durchgeführt hat. Mit der Mitwirkung ist es aber so eine Sache, wie es sich zuletzt auch bei der geplanten Umgestaltung der St. Alban-Vorstadt gezeigt hat. Denn eine tatsächliche Mitwirkung der interessierten Bevölkerung ist bei solchen Aktionen bis heute nicht garantiert. Im Kanton spricht man deshalb seit einiger Zeit lieber von einem «Anhörungsprozess».

Erst Junge, dann Ältere

Das aber ist vielen nicht bekannt. Die Berichterstattung hat deshalb unter der Anwohnerschaft für einige rote Köpfe gesorgt. Beim Anhörungsprozess durch den Kantons habe der Wunsch nach einem Restaurantbetrieb nicht an oberster Stelle gestanden, beteuert IBS-Sprecherin Barbara Neidhart. Doch damit stösst sie auf vehementen Widerspruch. «4 x zuoberst: Bar, Restaurant, Club, Disco. Noch deutlicher kann sich die Bevölkerung kaum äussern!», betont der Kleinbasler Polit- und Kulturaktivist Christian Müller auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Genau hier zeigt sich eine weitere Schwäche von Mitwirkungs- oder Anhörungsprozessen. Denn im Fall der Liegenschaft an der Feldbergstrasse handelte es sich um ein mehrstufiges Verfahren – mit dem Ziel, die Wünsche der Quartierbevölkerung in Etappen zu verfeinern. So waren an der Auftaktveranstaltung im August 2013 vor allem viele junge Menschen zugegen. Theres Wernli, Co-Leiterin des Stadtteilsekretariats hatte diese im Vorfeld explizit zur Mitwirkung aufgefordert («Sagt nachher einfach nicht, ihr hättet nichts davon gewusst …»). Entsprechend landeten Stichworte wie «Bar», «Restaurant» oder «Club» damals tatsächlich weit oben auf der Wunschliste.

Ausrichtung doch noch geändert

Doch an den nachfolgenden Workshops stieg das Durchschnittsalter der Teilnehmenden deutlich an. Wie sooft bei solchen Verfahren bildeten ältere Quartierbewohner, die über die nötige Zeit verfügen, mit der Zeit die Mehrheit unter den Anwesenden. Und damit änderte sich auch die Wunschliste: Begriffe wie «Austob-Raum für Kinder» oder «quartierdienliche Nutzungen» gewannen an Bedeutung. Der Kanton hat sich entsprechend ausgerichtet – zur Enttäuschung jener, die glaubten, mit der Anhörung ihre eigenen Vorstellungen deponiert zu haben.

Das Frustpotenzial ist erkannt. So hat die Basler Regierung erst gestern angekündigt, über die Bücher gehen zu wollen. Sie möchte deshalb eine Motion von SP-Grossrätin Lisa Mathys entgegennehmen und prüfen, welche Massnahmen nötig sind, um konkrete Verbesserungen zu erreichen. In letzter Zeit sei es verschiedentlich zu Enttäuschungen gekommen, weil sich Quartierbewohner übergangen gefühlt hätten, begründet Mathys.

Bleibt die Frage nach der Zukunft der Räumlichkeiten an der Feldbergstrasse 47. Wie die bz erfahren hat, haben mittlerweile die Verantwortlichen des geplanten «Tageswoche»-Folgeprojekts Verhandlungen über eine Anmietung der Räumlichkeiten aufgenommen. Geplant sein sollen Redaktionsräumlichkeiten mit einem öffentlichen Café.