Der 46-jährige Mann sass am Freitag vor den Richtern, weil er vor einem Jahr seine Frau im Tram geschlagen hatte. An einem Samstagabend im Juni 2018 fuhr die Familie nach einem Einkauf zusammen mit ihrer zehnjährigen Tochter im 3er-Tram von Frankreich nach Basel zurück. Drei Monate zuvor hatte die Familie ihre 13-jährige Tochter verloren, sie verstarb an Krebs.

Das Ehepaar stritt, der Mann sagte, sie solle den Mund halten, woraufhin die Frau erwiderte, er habe zuviel getrunken. Danach stand der Mann auf, zog eine volle Weinflasche aus der Einkaufstasche und donnerte sie der Ehefrau über den Kopf. Die Frau hatte Glück, die Verletzungen waren nicht allzu gravierend, sie erlitt eine Rissquetschwunde oberhalb des Ohres. Der Mann war nicht vorbestraft, allerdings wurde die Polizei schon mehrfach zur Wohnung der Familie gerufen und musste zwischen den Ehepartnern schlichten. Bei der Attacke im Tram betrug der Blutalkoholgehalt des Mannes zwischen 1,1 und 1,8 Promille.

Inzwischen besucht er eine Suchtberatung, nach seinen Angaben trinkt er derzeit kontrolliert pro Tag einen halben Liter Bier sowie etwas Wein. Dies wolle er weiter reduzieren, und er sei auch bereit, eine Therapie zu machen. Seine Ehefrau merkte allerdings an, freiwillig werde er das bestimmt nicht machen. «Wenn Sie das nicht in den Griff bekommen, dann haben Sie ein grösseres Problem. Wenn so etwas wieder einmal passieren sollte, riskieren Sie nicht nur eine längere Gefängnisstrafe, sondern Sie müssen die Schweiz wahrscheinlich verlassen», warnte Gerichtspräsident René Ernst den aus Sri Lanka stammenden Mann.

Auch Frau an Krebs erkrankt

Staatsanwältin Claudia Schneider wertete die Attacke als versuchte schwere Körperverletzung: Die Flasche sei wohl nur wegen ihrer massiven Bauart nicht zerbrochen. Ein solcher Schlag könne zu einer Hirnblutung führen. Immerhin sei der Mann von Anfang an geständig gewesen. Das Dreiergericht stufte die Tat etwas geringer ein und fällte einen Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand. Ernst sagte dazu, die eher geringen Verletzungen seien ein Hinweis, dass der Schlag nicht mit voller Wucht ausgeführt worden sei.

Das Gericht sprach eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten aus, allerdings muss der Mann während der dreijährigen Probezeit die Therapie weiterführen und wird auch von der Bewährungshilfe betreut. Inzwischen ist auch die Ehefrau an Krebs erkrankt und musste sich einer Chemotherapie unterziehen. Der Angeklagte meinte, inzwischen gehe es ihr besser. Als der Gerichtspräsident danach die Frau fragte, wie es ihr gesundheitlich gehe, fing sie an zu weinen.