Grau statt Grün

Eigentlich sind sie in Basel verboten: Steingärten erhitzen die Gemüter

Das Quartierbild des St. Johanns wird zunehmend durch Steingärten geprägt.

Das Quartierbild des St. Johanns wird zunehmend durch Steingärten geprägt.

Steingärten sorgen derzeit für hitzige Diskussionen. Schlecht fürs Klima und die Artenvielfalt seien die Steinhaufen, eine biedere Ästhetik versprühten sie obendrein, prangern Kritiker an.

Immer mehr Gemeinden und Kantone befassen sich mit einem Verbot, wie es Baden-Württemberg im Juli eingeführt hat. Auch in Basel erhitzen Steingärten und die mit ihnen einhergehende Vergrauung der Stadt die Gemüter – insbesondere im St. Johanns-Quartier. Hier verschwanden zuletzt überdurchschnittlich viele Grünflächen in Vorgärten.

So mussten Sträucher und Gras etwa am Davidsrain oder an der Murbacherstrasse Velo-Stellplätzen und Kiesflächen weichen. Sehr zum Leidwesen der Anwohnerschaft. Schon vor einem Jahr debattierte man an einem Quartiertreffen innig über Plattenböden, Betonflächen und Kieshaufen – kurzum: über versiegelte Böden.

Ökologischen Sinn und Unsinn der Steingärten

«Die schwindenden Grünflächen im Quartier bedauere ich schon seit Jahren. Die Versiegelung von Böden schadet dem Stadtklima massiv», sagt SP-Grossrätin Alexandra Dill, die als Anwohnerin am Treffen teilnahm. Gemeinsam mit Vertretern von Stadtgärtnerei, Pro Natura und des Hauseigentümerverbands (HEV) habe man über ökologischen Sinn und Unsinn der Steingärten debattiert, erzählt sie. Fazit: Das Problem existiert. Wie man weiter damit verfahren soll, ist indes unklar.

Dill suchte in Bezug auf die Vorgärten im St. Johann gar den direkten Draht zu Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements, Hans-Peter Wessels. «Doch auf gesetzgebender Ebene lässt sich nichts mehr machen – weil die entsprechenden Gesetze bereits existieren. Leider wird sich nur oft nicht daran gehalten», erklärt Dill.

Die Rechtslage wäre eigentlich klar «Die zwischen der Bau- und der Strassenlinie liegende Grundstücksfläche ist als Garten oder Grünfläche anzulegen», heisst es im Bau- und Planungsgesetz. Diese mit Stein zu überdecken, wäre demnach unzulässig. Dennoch geschieht es regelmässig. Die Krux: Seit einigen Jahren ist es ohne Bewilligung gestattet, Velounterstände im Vorgarten zu errichten. Viele Hausbesitzer pflastern dann gleich die gesamte Fläche zu.

Anwohner konnten bereits einen Rückbau erwirken

«Leider gibt es eine Dunkelziffer an Umgestaltungen, die ohne Bewilligung erfolgen», weiss man auch bei der hierfür zuständigen Stadtgärtnerei. Anwohner könnten nun auf einen Rückbau pochen, wie es unlängst an der Wattstrasse geschah, wo ein Vorgarten wieder begrünt werden musste. «Wir wollen zusätzlich auf Sensibilisierung und Information setzen», sagt Dill. Dass der Weg nicht über Verbote führen soll, ist auch die Meinung des HEV. «Grundsätzlich stehen wir Eingriffen und Verboten kritisch gegenüber. Die Frage der Verhältnismässigkeit stellt sich dabei immer wieder», sagt Geschäftsführer Andreas Zappalà.

Eigentlich müsste die Frage nach Verboten und Eingriffen gar nicht gestellt werden, wenn es nach Marcel Schweizer, Präsident des Basler Gewerbeverbands und Inhaber einer Gartenbaufirma geht. «Ich habe den Eindruck, dass gesunder Menschenverstand die Thematik rund um diese Steinwüsten von selbst lösen wird», sagt er. So habe er, dessen Firma vornehmlich in Riehen, Bettingen und im Kleinbasel tätig ist, von seinen über 1200 Stammkunden noch keine einzige Anfrage zur Umwandlung einer Grünfläche in einen Steingarten erhalten. Käme eine solche, würde er zu Alternativen raten: «Als Gärtner aus Leidenschaft stehe ich fürs Grün, nicht fürs Grau. Zudem haben Grünflächen entscheidende Vorteile gegenüber Steingärten.»

Steingärten seien in der Regel etwa nicht pflegeleichter

Mit der Versiegelung des Bodens entstünden schnell andere Probleme – insbesondere dann, wenn Regenwasser nicht richtig abfliessen könne. Und auch fürs Stadtklima seien grüne Vorgärten wichtig, betont Schweizer: «Pflanzen wirken nicht nur optisch positiv, sondern sie tragen mit der Verdunstungskühle auch einen wesentlichen Teil bei, um steigenden Temperaturen entgegenzuwirken.»

Ähnlich klingt es bei der Stadtgärtnerei: «Wir setzen alles daran, im Rahmen der Bewilligungsverfahren dafür zu sorgen, dass die Vorgärten grün und strukturreich gestaltet werden und somit die Lebensqualität in den Quartieren wie auch die städtische Biodiversität zunehmen.»

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