Lärm

Ein Anwohner blockiert den Jazz im Café Flore

Musik am Feierabend: Die Konzerte im «Flore» dürfen nicht mehr stattfinden.

Musik am Feierabend: Die Konzerte im «Flore» dürfen nicht mehr stattfinden.

Live-Musik am Feierabend ist in Basel bewilligungsfrei erlaubt – solange, bis wie beim Café Flore jemand reklamiert.

Der Jazz-Gitarrist Ursus Bachthaler ist sauer. «Ist es nicht ein absoluter Verhältnisblödsinn, hundert Menschen zu bestrafen, die guter Musik lauschen und sich amüsieren, bloss weil sich eine Person nicht amüsiert?», fragt er auf Facebook – und erhält zahlreiche, meist zustimmende, Antworten. Der Tenor: Ja, es ist ein Verhältnisblödsinn.

Ausgelöst hatte die Diskussion das Ende der Konzertreihe «Monday Jazz-Sessions @Flore» im Café Flore an der Klybeckstrasse, die Bachthaler organisiert hatte. Die montäglichen Konzerte waren gut besucht und dauerten nie länger als bis um 22 Uhr. Es handelte sich um Feierabendkonzerte. Solche sind in Basel nicht mehr bewilligungspflichtig, jedoch mit Einschränkungen. 

Liberalisierung mit Folgen

Die Regierung hatte im vergangenen Herbst beschlossen, frühe Live-Konzerte «in gutem Einvernehmen mit der Nachbarschaft» bewilligungsfrei zu erlauben. Ein Vorstoss der Grossrätin Martina Bernasconi (FDP) hatte die Regierung gezwungen, sich zum wiederholten Male mit einem Lärmproblem im Zusammenhang mit Gastronomie zu beschäftigen. Und siehe da: Es kam eine kleine Liberalisierung zustande.

Die «Flore»-Sessions entsprachen jedoch insofern nicht ganz den Vorstellungen der Regierung eines typischen Feierabendkonzertes, als dass die Jazz-Bands nicht in «Raumlautstärke und ohne grosse Verstärkung» spielten, sondern mit Verstärkung. Entsprechend zurückhaltend gibt sich nun «Flore»-Wirt Miron Landreau. «Die Polizei hat ihren Job gemacht, indem sie nach Lärmklagen von einem oder zwei Anwohnern auf uns zukam», sagt er.

Er werde nun ein Baugesuch stellen, um Live-Konzerte durchführen zu dürfen. Sollte er eine Bewilligung erhalten, würde ein Anruf eines Nachbarn nicht mehr reichen, um das Konzert zu verbieten. Bloss: Dreifachverglaste Fenster, andere Lärmschutzmassnahmen – je nach Lokal können die Auflagen des Amtes für Umwelt und Energie (AUE) ins Geld gehen.

Landreau will es trotzdem versuchen. Denn gar keine Konzerte, das geht für ihn nicht. Der Wirt hat das Gespräch mit jenem Nachbarn gesucht, von dem er weiss, dass er mehrfach die Polizei gerufen hatte. «Leider ohne Erfolg.» Genau das sei das Problem, sagt SP-Grossrat Claudio Miozzari vom Komitee Kulturstadt Jetzt. «Wenn sich jemand querstellt, kann diese Person alles verhindern.»

Bundesgericht einziger Weg

Die Verwaltung betone gerne, dass sie sich so liberal wie möglich zeige. Das gelte aber nur, solange sich niemand beschwere. «Gibt es Konflikte, wird das Argumentieren schwierig. Die Verwaltung schiebt dann Gesetze und Bundesgerichtsurteile vor.» Wobei es tatsächlich ein Problem sei, dass die Schweizerische Lärmschutzverordnung die urbanen Realitäten zu wenig reflektieren würde. «Egal, ob es um Lärm auf einer Kuhweide geht oder um ein Jazz-Konzert, es gilt überall dasselbe Gesetz», sagt Miozzari. 

«Vielleicht wäre es auch mal angebracht, sich zu wehren und die Lärmschutz-Auslegungen anzufechten. Ich verstehe aber alle, die nicht die Möglichkeit haben, den langen und teuren Weg bis vor Bundesgericht auf sich zu nehmen.» Der Flore-Wirt reicht nun erstmal ein Baugesuch ein – und schaut dann weiter. Derweil dauert die Diskussion über Verhältnisblödsinn an.

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