Graffiti
Ein auffällig unauffälliges Ueli-Kunstwerk

Die Wand des Biergartens der Fischerstube wurde von einem Basler Street Art-Künstler verschönert. «Der Ueli sollte nicht herausstechen, weder mit auffälligen Farben noch mit klaren Linien», sagte der Wirt.

Bigna Bornhauser
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Auf dem Foto deutlich besser erkennbar als im Original: Der Ueli im Garten der Fischerstube, daneben Philipp Tschanz.

Auf dem Foto deutlich besser erkennbar als im Original: Der Ueli im Garten der Fischerstube, daneben Philipp Tschanz.

Daniel Nussbaumer

Betritt man den Hinterhof der Fischerstube und setzt sich an einen der Tische direkt an der Wand, bemerkt man wohl gar nichts. Wählt man hingegen den Tisch drei Meter entfernt, entdeckt man das Kunstwerk, das die Betonwand ziert. Die Wandmalerei zeigt den Ueli, dass Emblem der hauseigenen Brauerei Ueli Bier.

Die Verzierung beeindruckt durch die einfachen Schattierungen, aus denen sich ein Bild ergibt. Der Künstler hat somit genau das verwirklichen können, was sich der Wirt des traditionellen Restaurants im Kleinbasel wünschte: «Der Ueli sollte nicht herausstechen, weder mit auffälligen Farben noch mit klaren Linien», sagt Karim Frick. Ziel sei es gar, dass Gäste in wenigen Jahren das Gefühl hätten, der Ueli sei allein durch die Witterung entstanden.

Pinsel statt Spraydose

Den Ueli gemalt hat der Basler Philipp Tschanz, auch bekannt unter seinem Künstlernamen «Dest». Der gelernte Maler besuchte die Schule für Gestaltung in Basel, bevor er sich an einer Dekorationsschule in Paris weiterbildete. Seit 1989 arbeitet er als selbstständiger Dekorateur. Sein Künstler- Portfolio ist gross und breit gefächert. Bodypainting, Fotografien, Skulpturen, Produktdesigns und Graffiti. «Mein grösster Auftrag war das Design für die Zigarettenmarke «Camel». Das Malen von Graffiti und Wandbilder ist aber meine Haupttätigkeit», sagt Tschanz. Eine Bekannte von Frick sah Tschanz an einer Messe in Mailand und zeigte sich beeindruckt darüber, wie schnell «Dest» ein Kunstwerk entstehen lassen konnte, für das andere Stunden brauchten.

Auch der Ueli war schnell gemalt: «Insgesamt brauchte ich wohl zwei bis drei Stunden. Zur Vorlage habe ich ein Bild in die Hand gedrückt bekommen», sagt Tschanz. Dabei kamen keine Spraydosen zum Einsatz, denn der Pinsel eigne sich auf der Struktur dieser Wand besser, erklärt der Künstler. Nicht überall steht man Graffiti so positiv gegenüber, wie in der Fischerstube. Tschanz, der seit 25 Jahren im Geschäft ist, hat den Wandel mitverfolgt.

Vom Trend zum Vandalismus

«Zu Beginn gab es einen regelrechten Trend, weil es etwas komplett Neues war. In den 90er-Jahren wurde die Kunstform dann ausschliesslich als Vandalismus empfunden.» Mit jedem Generationenwechsel würde sich dies aber auch wieder ändern, meint Tschanz. Die jetzige Generation, die wie er mit den Graffiti aufgewachsen sei, komme wieder weg von der Vorstellung, dass Graffiti wüste Schmierereien seien. Allgemein ist es in Basel aber schwierig. Viele hätten dennoch erkannt, dass die Kunstform genau gegen den Vandalismus eingesetzt werden kann. «Der beste Schutz gegen Schmierereien ist ein schönes Graffito.» Überhaupt könne man nicht alle Graffiti in einen Topf werfen, sagt der Künstler. «Die Leute müssen ihren Geist öffnen, um die Wandbilder als Kunst anzuerkennen», sagt Tschanz weiter. Der Ueli in der Fischerstube trägt dazu bei: «Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Der Ueli kommt gut an», sagt Frick.

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