Auf der neuen CD hört man acht suitenartig arrangierte Stücke, die sich in stilistisch Vielfalt von modernem Jazz über Post-Free-Jazz und frei improvisierter Musik hin bis zu Anklängen an klassische Avantgarde bewegen.

Grosser Kontrastreichtum zeichnet diese CD aus: da vernimmt man verschlungene und komplex arrangierte, ab und zu mit unaufdringlichen elektronischen Klängen angereicherte Kompositionen, die immer wieder mit natürlicher Selbstverständlichkeit in frei improvisierte Passagen hin bis zu Blasgeräuschen übergehen. Was aber beim Hören der CD des Sextetts «Marco von Orelli 6» am meisten auffällt, sind die druckvoll gespielten verästelten Bläsersätze.

Verschlungen und komplex

Marco von Orellis ausdrückliches Ziel ist es, mit seiner kleinen dreiköpfigen Bläsertruppe mit Lukas Roos an der Bassklarinette, Lukas Briggen an der Trombone und dem Bandleader selber an der Trompete ein grösstmögliche Dichte und Intensität zu erreichen. Dabei beruft sich der Arrangeur auf Vorbilder wie Duke Ellington oder Charles Mingus, die es schafften, mit kleinen Bläserbesetzungen druckvollen Big-Band-Sound zu kreieren; ein Kunststück, das auch von Orelli zu realisieren versucht.

Bemerkenswert aber auch der Keyboarder Michel Wintsch, dem es vor allem auf dem Piano immer wieder geling, mit raffiniert gesponnen Tonfolgen und farbenreich gestalteten Akkordfolgen magisch aufgeladene Klanglandschaften zu entfalten. Dabei wird er oft vom Drummer Samuel Dühsler unterstützt, dem es nicht minder kompetent gelingt, auf seinen verschiedenen Trommeln und Becken mit variantenreichen Schlagtechniken für Spannung und Dichte zu sorgen.

Der meist im Hintergrund dezent seine Kollegen mit seinem Spiel unterstützende Bassist Kaspar von Grünigen wiederum überzeugt vor allem in den explodierenden Passagen, beispielsweise gegen Ende des Titels «Rrrr.», wo er gemeinsam mit Schlagzeuger Dühsler zupackend gemeisselte Grooves legt, die an Miles Davis «Bitches Brew» erinnern.

Lange Entwicklung

Angesprochen auf den Entstehungsprozess seiner Stücke meint Marco von Orelli, dass dies in der Regel mit einer lang dauernden kompositorischen Entwicklung verbunden sei. Er veranschaulicht dies am Stück « Urban Ways». Am Anfang stand ein eingängiges Grundthema, das durch irgendetwas, was der Arrangeur gehört oder gesehen hat, ausgelöst wurde.

Dieses Thema wiederum evozierte die Idee, die Komplexität modernen städtischen Lebens mit ihren verschlungenen digitalen Kommunikationsformen wie Handy, Internet etc. darzustellen. Mehr und mehr umspann und durchbrach von Orelli das in einem Vier-Viertel-Takt gehaltene Grundthema mit komplexeren Achtellinien - entsprechend dem Fluss an Informationen in einer modernen urbanen Gesellschaft.

Dass die von privaten Sponsoren und von Radio DRS 2 unterstützte CD im reichen Programm des auf aktuelle Formen improvisierter und Neue Musik spezialisierte Basler Plattenlabel Hat Hut von Werner X. Uehlinger Eingang gefunden hat, muss ihrer hohen musikalischen Qualität zugeschrieben werden. Kein Zufall, wenn man die Ausbildung und Karriere des Bandleaders Marco von Orelli betrachtet. Geboren und aufgewachsen in Basel, hat der Musiker an der Hochschule für Musik und Theater in Winterthur und Zürich ein Studium im Hauptfach Trompete belegt und an der Musikhochschule Basel einen Masterstudium in improvisierter Musik absolviert. Es folgte eine langjährige Zusammenarbeit mit Musikern wie Co Streiff, Christoph Baumann, Tommy Meier, Omri Ziegele, Irène Schweizer und anderen.

Er hat in verschiedenen Orchestern und Jazzformationen gespielt und mehrmals in Theater- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Wo Marco von Orelli heute musikalisch steht, zeigt er im «The Bird's Eye Jazz Club» Basel.