Solarenergie

Ein Basler Verein bringt Solarstrom in Schulen und Spitäler Äthiopiens

In abgelegenen Spitälern und Schulen in Äthiopien gibt es zwar technische Geräte, doch der Strom fehlt. Ein Basler Verein ist gemeinsam mit äthiopischen Schülern daran, dies zu ändern.

Ein Mikroskop, Kühlboxen, ein Boiler für heisses Wasser: Das Spital von Danbile besitzt die wichtigsten Geräte. Helfen können sie aber keinem Patienten im Süden von Äthiopien. Der Strom fehlt. «Viele ländliche Gebiete in Äthiopien sind ohne Elektrizität», sagt Ruedi Tobler. Er ist der Präsident des Basler Vereins Sahay Solar, der Strom in die abgelegenen Dörfer Äthiopiens bringen will. Dafür nutzen sie den denkbar einfachsten Energielieferanten: die Sonne.

Auf Amharisch – der Amtssprache von Äthiopien – bedeutet Sahay Sonne. Mit deren umgewandelter Energie leuchten inzwischen im Spital von Danbile nachts die Lampen, die Medikamente sind kühl gelagert und erstmals können die Ärzte das Blut vor Ort untersuchen. Die Solarstromanlage für das Spital ist vom Kanton Basel-Stadt und Solarspar Sissach mitfinanziert.

Studenten bauen die Anlagen

«In Äthiopien erhält man mit Solaranlagen fast doppelt so viel Energie wie in der Schweiz», sagt Ruedi Tobler. Trotzdem sieht sich der Staat mit grossen Energieproblemen konfrontiert. Immer wieder fällt die Versorgung aus – auch in grösseren Städten. Und die Generatoren, die in gewissen Dörfern stehen, benötigen Dieselöl. «Das ist wahnsinnig teuer», sagt Tobler.

Seit vier Jahren führt der Verein Sahay Solar deshalb mit der Fachhochschule Südschweiz Ausbildungskurse in Solartechnik durch. Angehende Elektroingenieure in Arba Minch, einer Stadt im Süden von Äthiopien, lernen dabei die technischen Grundlagen. Dafür richtete der Verein ein Labor mit den entsprechenden Messstationen ein. Zwei Mal pro Jahr reisen Experten aus der Schweiz und Deutschland in den Süden Äthiopiens, um Workshops durchzuführen. Das Interesse bei den Studenten ist gross. «Beim letzten Kurs kamen 200 Studenten», sagt Tobler.

In einem sozialen Projekt wenden die angehenden Elektroingenieure das neue Wissen direkt an. Mithilfe der Spezialisten legen sie die Leitungen, installieren Solarzellen und bauen einen Stromspeicher ein. Das Material bringt der Verein Sahay Solar nach Äthiopien. «In Schwarzafrika gibt es die notwendige Technik für die Solaranlagen praktisch nicht», erklärt Tobler. In acht Schulen und einem Krankenhaus zog mit dem Projekt Sahay Solar die Elektrizität ein. Im ganzen Dorf und Umland sind es jeweils die einzigen Gebäude mit Strom. Drei bis vier Stunden mussten die Menschen vorher fahren, um beispielsweise ihre Handys aufzuladen. «Wenn das erste Lämpchen dank der Solarenergie brennt, ist die Freude bei den Einwohnern enorm», erinnert sich Tobler. Es seien richtiggehende Zeremonien, zu denen das ganze Dorf zusammenkomme. «Mit dem Projekt wollen wir auch die Idee der Sonne als Energiespender nachhaltig verbreiten.»

Licht für 10 000 Schulkinder

Die Dörfer selber sind zwar mit durchschnittlich 200 Einwohnern klein; in die Schulen kommen jedoch Kinder von weit her. «In den acht Schulen, die wir elektrifizierten, werden über 10 000 Schüler unterrichtet», sagt Tobler. Mit dem Licht können die Schulen nun auch abends Kurse oder Veranstaltungen durchführen. Und Apparate nutzen, die – wie im Spital von Danbile – paradoxerweise vorhanden sind: «Wir trafen auf Schulen, die Computer und Bildschirme hatten.» Ruedi Tobler schüttelt den Kopf. «Ich verstehe nicht, weshalb die Entwicklungshilfe nicht konsequent auf Solarstrom setzt.» Der Präsident von Sahay Solar weibelte zu zahlreichen möglichen Partnern für seine Mission. «Alle fanden die Idee spannend, aber reagiert hat im Nachhinein niemand.»

Um den Solarstrom noch besser zu nutzen, lanciert der Verein Sahay Solar mit der Universität Ulm ein neues Projekt. Nicht nur das technische Wissen soll vermittelt werden, sondern auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse. «Wir wollen mit dem Strom neue Geschäftsmodelle entwickeln», sagt Tobler. Als Beispiel erzählt er von einem Coiffeur, der einer Schule Strom abkauft. Mit Ideen wie dieser soll die Solarenergie zukünftig noch weiter verbreitet und genutzt werden.

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