Wahlforen

Ein Basler Wahlsonntag im Grüppchenmodus – Parteien müssen sich umorganisieren

Ein Bild aus weniger distanzierten Tagen: Heidi Mück (Basta) herzt im Herbst 2016 Elisabeth Ackermann (Grüne) nach deren Wahl.

Ein Bild aus weniger distanzierten Tagen: Heidi Mück (Basta) herzt im Herbst 2016 Elisabeth Ackermann (Grüne) nach deren Wahl.

Wegen der verschärften Coronalage sagen die meisten Parteien ihre ohnehin schon kleinen Wahlforen am Sonntag wohl ab – ausser eine.

Ein Küsschen da, eine Umarmung dort – oder einfach ein kräftiger Händedruck: Was an einem üblichen Wahlsonntag in Basel nach Bekanntgabe der Resultate gang und gäbe ist, wird in der Ausgabe 2020 nicht zu sehen sein. Die grosse Sause im Kongresszentrum der Messe, wo normalerweise alle Kandidierenden und Mitglieder der Parteien zusammenkommen, ist wegen Corona längst abgesagt. Der Anlass ist auf 100 Teilnehmende beschränkt. Vorwiegend Regierungsratskandidaten, Parteipräsidenten und Journalisten sind zugelassen.

Die Parteien haben deshalb kleine Wahlforen organisiert, um am Sonntag doch noch zusammenzukommen. So hätten sich die Mitglieder der SP in der Padelhalle im Klybeck getroffen und per Liveübertragung aus dem Kongresszentrum die Bekanntgabe der Resultate gesehen. Hätten. Weil die Fallzahlen in den vergangenen Tagen stark angestiegen sind, steht nun auch das auf wackeligen Beinen.

SP prüft Zoomchat, GLP zügelt nach draussen

Der Basler SP-Präsident Pascal Pfister sagt: «Zurzeit prüfen wir alle Möglichkeiten. Etwa, wie der Anlass in einer reduzierten Form stattfinden könnte, aber auch, ob wir einen Zoom-Chat organisieren sollen.» Falls das Wahlforum abgesagt würde, gehe er davon aus, dass sich die Mitglieder in Gruppen unter 15 Personen treffen.

Dazu sagt Katja Christ, Präsidentin der Basler GLP: «Ganz alleine will wohl keiner sein an diesem Tag.» Die Mitglieder ihrer Partei würden deshalb tagsüber auch in kleinen Gruppen zusammenkommen, etwa in einem Restaurant. Abends sei für alle ein Event unter freiem Himmel angedacht, mit Feuerschalen, Klöpfer und Glühwein. «Wir klären derzeit ab, ob wir dies coronakonform umsetzen können. Klar ist, dass wir auch im Freien Abstand halten und Masken tragen werden.»

Ein grosses Fragezeichen steht derweil vor dem Treffen der FDP

Wie Präsident Luca Urgese sagt, hätten sich die Mitglieder eigentlich in einem Pub getroffen. «Das ist jetzt aber nicht möglich, die Räumlichkeiten sind zu klein. Wir sind nun auf der Suche nach einem grösseren Saal, wo die Abstände eingehalten werden können, sind aber noch nicht fündig geworden.» Parallel prüfe man eine digitale Lösung.

Auch das Grüne Bündnis wusste Stand gestern nicht, ob die geplante Wahlparty in der Veranstaltungshalle Humbug stattfinden kann, wie Sina Deiss, Co-Präsidentin der Basta, auf Anfrage sagt: «Wir prüfen jetzt, ob und wie wir die verschärften Regeln umsetzen können. Es ist eine organisatorische Hauruck- übung.» Ähnlich klingt es bei CVP-Präsident Balz Herter. Seine Partei hätte sich im grossen Saal des «Restaurant zum Rebhaus» getroffen. Herter geht davon aus, dass der Anlass abgesagt wird.

Definitiv gestrichen ist das Treffen der SVP. Präsident Eduard Rutschmann sagt, man respektiere die Regeln, die der Bundesrat erlassen habe. Allenfalls würden sich die Mitglieder in kleinen Gruppen treffen oder sich per Whatsapp austauschen.

Maskenpflicht bei der LDP

Einzig die LDP hält bis dato an ihrem Wahlsonntags-Programm fest, sagt Präsidentin Patricia von Falkenstein. Demnach treffen sich die Mitglieder mittags im Café Spitz, bevor es in einen Saal im Hotel Hyperion im Messeturm geht. Von Falkenstein betont: «Bei beiden Anlässen sind maximal 100 Personen zugelassen, deren Kontaktdaten aufgenommen werden. Und es besteht Maskenpflicht.»

Die Anwesenden müssten sich zudem an Tische setzen und dürften nicht zusammenstehen, wie es sonst üblich sei. «Die Organisation ist aufwendig. Aber wir wollen daran festhalten, um uns bei all jenen, die sich engagiert haben, bedanken zu können.» Und obwohl sich die Mitglieder nicht umarmen oder gar herzen können: «Emotional wird der Sonntag trotzdem.»

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