Geistschreiber

Ein bisschen Lärm muss sein – mögliches Autogeräusch: «Usem Wäg, du Aff!»

Elektroautos sollen in der EU künftig Lärm machen. (Symbolbild)

Elektroautos sollen in der EU künftig Lärm machen. (Symbolbild)

Die EU ist praktisch. Sie nimmt uns Arbeit ab. Beispielsweise müssen wir nicht mehr alle neuen Gesetze selber erfinden, sondern können sie bequem importieren, fixfertig und genussbereit. Und die Brüsseler Richtlinien stammen ja aus ebenso paragrafenfreundlichem Anbau wie unser einheimisches Sortiment aus der Region für die Region. Ein genussbereites Einzelbeispiel: Elektroautos sollen in der EU künftig Lärm machen. Damit sie weniger Handygucker überfahren. Die Schweiz übernimmt nun diese Verordnung. Also werden wohl sämtliche Schweizer Autokonzerne ihre E-Gefährte mit einem AVAS ausrüsten müssen, einem «Acoustic Vehicle Alerting System».

Das ist hübsch. Erstens weil es keine Schweizer Autokonzerne gibt. Zweitens, weil sich da ein tolles Geschäftsfeld eröffnen könnte: Warngeräusche. Für den Download ins E-Auto. Wie weiland Klingeltöne für Handys. So lässt sich jeder E-Smart mit dem Klang eines Porsche Cayenne aufbrezeln. E-Fahrer könnten die Frenkentäler künftig erschüttern mit dem Düdadoo eines Bergpostautos. Oder sie nehmen individuelle Warngeräusche auf, wie «usem Wäg, du Aff!». Oder sie nutzen das Warngeräusch für Werbung oder Parolen: «Bi öis wärdet d’Gänsedaune und Fädere vo tote Tier verarbeitet» (Standortförderung von Autsch-Wädischwil am Zürisee). «Kawumm!» (Dschihadist). «Mir wei luege» (Krankenwagen KSBL). «Chum bring en hei» (Bestatter).

Aber es wird wohl doch nichts draus. Im Kleingedruckten der Verordnung steht, der erzeugte Geräuschpegel solle «eindeutig auf das Fahrzeugverhalten hinweisen und mit dem Geräusch eines mit Verbrennungsmotor ausgestatteten Fahrzeugs der gleichen Klasse vergleichbar sein». Schade, dass nicht noch Klangfarbe, Rhythmus und Tonfrequenz geregelt sein müssen. Oder die Abstimmung des Lärmzwangs mit den Schweizer Lärmschutzmassnahmen.

Das Geräusch meines zerkratzten Diesels weist schon jetzt auf das «Fahrzeugverhalten» hin. Es lässt sich umschreiben mit «liegt irgendwann ab». Der Fahrer auch. Sollte ich mir eines Tages ein E-, H2- oder PtX-Mobil leisten können, dann darf es klingen wie mein Verbrenner selig. Damit schlägt es noch den kopflosesten Handygucker in die Flucht.

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